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Strahlengefahr? Atommüll, der eine Million Jahre sicher endgelagert werden muss? Riesige Umweltschäden durch den Uranerz-Bergbau? Das alles scheint die EU-Kommission nicht zu interessieren.
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Strahlengefahr? Atommüll, der eine Million Jahre sicher endgelagert werden muss? Riesige Umweltschäden durch den Uranerz-Bergbau? Das alles scheint die EU-Kommission nicht zu interessieren.

Kommentar

Giftiges Grün

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Atomkraftwerke sind öko, grün, nachhaltig. Sie sollen von der EU dieses 1a-Label bekommen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Kommentar.

Strahlengefahr? Atommüll, der eine Million Jahre sicher endgelagert werden muss? Riesige Umweltschäden durch den Uranerz-Bergbau? Das alles scheint die EU-Kommission nicht zu interessieren. Sie stellt die Reaktoren ebenso wie neue Erdgaskraftwerke in ihrem „Taxonomie“-Vorschlag auf eine Ebene mit Solar- und Windkraftanlagen. Investoren sollen ihr Geld in die Atomkonzerne stecken können, weil sie damit ja etwas für das Ziel der Klimaneutralität tun - und das auch noch guten Gewissens. Absurder geht’s kaum.

Die Entscheidung war und ist umstritten. Die EU-Kommission hat sie erst verschoben und ihren Vorschlag nun just an Neujahr veröffentlicht, vielleicht in der Hoffnung, eine von den Silvesterfeiern noch etwas umnebelte Öffentlichkeit werde nicht richtig mitkriegen, was da läuft.

Tatsächlich ging es gar nicht um eine objektive Bewertung klimafreundlicher Energiealternativen, sondern um Industrie- und Machtpolitik. Vor allem Frankreich machte gewaltig Druck auf die Kommission, die Atomtechnik grün anzustreichen - jenes Land, das die Energiewende weitgehend verschlafen hat, bei Strom zu 70 Prozent vom Atom abhängig ist und dessen Präsident öffentlich einräumte, die zivile Kernkraft sei für Frankreich nötig, um Atommacht bleiben zu können.

Die Kommission hat dem Druck nachgegeben. Es ist ein Deal, der es allen recht macht. Denn auch Deutschland als zweites EU-Kernland bekommt, was es will: das Öko-Label für Erdgas-Kraftwerke, die laut Ampelkoalition als Übergangstechnik gebraucht werden, bis genügend Solar- und Windparks sowie Stromspeicher und -netze da sind. Immerhin macht Brüssel hier ambitionierte Vorgaben, die die Energiewende zumindest nicht verbauen. Die Anlagen müssen wasserstofftauglich sein, und es gelten Anforderungen, sie bereits ab 2026 mit kohlenstoff-armen Gasen zu betreiben.

Die Taxonomie wird so durchkommen. Das vorauszusagen, ist keine Hellseherei. Es bräuchte 20 EU-Länder oder mehr, um sie zu Fall zu bringen. Das ist nicht in Sicht, und nicht einmal das Atomaussteiger-Land „D“ wird groß Front dagegen machen, dem pflichtschuldigen Protest der Grünen-Minister:innen Habeck und Lemke zum Trotz. Ein Trost ist nur, dass die Atomkraft nach allem, was man weiß, trotz des grünen Etiketts künftig nur eine Nebenrolle spielen wird. Sie ist, verglichen mit den Alternativen, einfach zu teuer. Und die meisten Investoren können rechnen.

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