Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Leitartikel

Atomkraft auf dem Vormarsch? Was gegen ein Comeback in der EU spricht

  • Andreas Schwarzkopf
    VonAndreas Schwarzkopf
    schließen

Die EU wird Atomkraft wohl als klimafreundlich einstufen. Doch das muss das Ziel eines nachhaltigen Europas nicht verhindern. Der Leitartikel.

Frankfurt - Der mehr als umstrittene Taxonomievorschlag der EU-Kommission zeigt nicht nur, zu welch widersprüchlichen und aus Sicht von Gegnerinnen und Gegnern der Atomkraft unsinnigen Entscheidungen Brüssel in der Lage ist. Es verdeutlicht auch, wie schwierig und holprig der Weg der Staaten der Europäischen Union sein wird, das selbst gesteckte Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft zu erreichen.

Denn offensichtlich ist die Mehrheit der EU-Staaten nicht bereit, dem vielzitierten deutschen Weg zu folgen und Atomkraftwerke möglichst rasch abzuschalten und schnell auf nachhaltige Energien zu setzen. Deshalb hat die EU-Kommission einen seltsam unentschlossenen Kompromiss ausarbeiten müssen. Doch dafür ist Brüssel nicht alleine verantwortlich.

Es wird auch darum gehen zu zeigen, dass eine moderne Wirtschaft tatsächlich ausschließlich mit Erneuerbaren bestehen kann. 

Atomkraft in der EU: Vor allem Frankreich will neue Anlagen

Vor allem Frankreich will weiter auf nukleare Anlagen setzen, weil die überteuerte Art der Energiegewinnung für die Atommacht unabdingbar scheint und zudem rund 200 000 Arbeitsplätze daran hängen. Allerdings hat Paris die angeblich besseren neuen AKW noch nicht gebaut. Es vergehen in der Regel Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis sie überhaupt hochgezogen werden. Zudem explodieren fast immer die Kosten wie das britische Beispiel Hinkley Point zeigt. Es bleibt also die vage Hoffnung, dass womöglich deutlich weniger davon entstehen, als Präsident Emmanuel Macron anvisiert.

Doch die Debatte über den falschen Taxonomievorschlag der EU-Kommission zeigt zusätzlich, dass die Europäer in Zeiten des Umbruchs gleichzeitig fortschrittlich und rückschrittlich sein werden. Einerseits beschließen sie, Milliarden für Nachhaltigkeit zu investieren, andererseits halten sie an der Atomkraft fest.

Atomkraft ist nicht nachhaltig - Fukushima und Tschernobyl sind warnende Beispiele

Dieses Prinzip gilt leider auch für andere Bereiche – etwa für die Landwirtschaft oder die Fischerei. Es wird in den kommenden Jahren also darum gehen, die Zahl der richtigen Entscheidungen zu erhöhen und die Zahl der Fehlentscheidungen zu senken, damit die alte Wirtschaftsweise möglichst schnell durch die nachhaltige ersetzt werden kann.

Dabei wird es nicht nur darum gehen, immer wieder an die richtigen Argumente zu erinnern. Atomkraft ist eben nicht nachhaltig und sauber, weil etwa Uran so nicht abgebaut werden kann. Und Tschernobyl sowie Fukushima haben gezeigt, wie gefährlich diese Energie ist. Nicht zu vergessen die fehlenden Endlager, wo der radioaktive Müll eben noch nicht sicher untergebracht ist für die nächsten Zigtausend Jahre.

Die EU braucht erneuerbare Energien statt Atomkraft

Es wird auch darum gehen zu zeigen, dass eine moderne Wirtschaft tatsächlich ausschließlich mit Erneuerbaren bestehen kann. Da kommt der Ampelkoalition eine wegweisende Aufgabe zu. Sie muss es schaffen, die angestrebte Zahl von Windrädern und andere nachhaltige Energieformen zu bauen. Das ist möglich. Dafür müssen aber noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden, müssen viele noch überzeugt werden, ein Windrad in ihrer Nachbarschaft zu akzeptieren.

Vor allem die Grünen benötigen zusammen mit Klimaschützerinnen und Klimaschützern dafür viel Geduld und Durchhaltevermögen. Vor allem werden sie mit Widersprüchen leben müssen. Den umstrittenen Taxonomievorschlag der EU werden die Grünen in der Ampelkoalition nicht verhindern können. Damit Brüssel die Atomkraft nicht als klimafreundlich einstuft, müsste Berlin 19 andere EU-Staaten dazu bringen, dies zu wollen. Das wird eher nicht passieren.

Atomkraft: Vor allem bei der CDU immer noch beliebt

Politisch müssen zudem Anhängerinnen und Anhänger von AKW auch hierzulande im Zaum gehalten werden. Vor allem einige Christdemokratinnen und Christdemokraten wittern durch den Taxonomievorschlag Morgenluft. Sie haben jedenfalls die Gunst der Stunde genutzt, um die angeblich positiven Seiten der Atomkraft zu preisen. Die Gefahr einer Renaissance der Atomkraft ist in Deutschland wenige Monate vor dem kompletten Ausstieg aus dieser Energieform zwar eher gering. Auch die Konzerne haben sich inzwischen von ihr verabschiedet. Doch wird es für einige unangenehme Debatten reichen.

All das zeigt: So wünschenswert und nötig ein durch und durch nachhaltiger Taxonomievorschlag der EU gewesen wäre, so wenig ist er das letzte Wort. Es werden weitere Vorschläge folgen müssen, um Europa im Angesicht des Klimawandels in einen klimafreundlichen, kohlendioxidfreien Kontinent ohne sogenannte Brückentechnologien zu verwandeln. Damit am Ende alles gut wird, werden sich noch viel mehr politische Kräfte zusammenschließen müssen als bisher. (Andreas Schwarzkopf)

Rubriklistenbild: © Felix Jason/Imago

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare