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Armin Laschet besucht Notunterkunft in Erftstadt
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Armin Laschet (l, CDU), inszeniert sich während der Unwetter-Katastrophe.

Kommentar

#Laschetlacht: Die verblendete, selbstgerechte Polit-Maschinerie des Armin Laschet

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
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Nach #Laschetlacht entschuldigt sich der CDU-Kanzlerkandidat nicht für sein Verhalten - er bedauert den „Eindruck“. Diese Non-Apology sagt einiges aus. Ein Kommentar. 

Unfassbar, daneben, kindisch, peinlich, unangebracht, pietätlos - über den schuljungenhaften Kichervorfall von Bundeskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) und seinem Gefolge lässt sich vieles sagen. Es ist abgrundtief schlechtes Verhalten, während der Bundespräsident über eine Unwetter-Katastrophe spricht, die mehr als 150 Menschen das Leben und viele Menschen die Existenz gekostet hat, im Hintergrund zu lachen und zu feixen. Der CDU-Kanzlerkandidat steht völlig zu Recht im Zentrum harscher Kritik.

Aufgrund der Heftigkeit der Kritik ließ dann auch die Entschuldigung von Armin Laschet nicht lange auf sich warten - und die lässt richtig tief blicken und zeigt einmal mehr, welch‘ verblendete, selbstgerechte Polit-Maschinerie Laschets Verhalten bestimmt.

Armin Laschet entschuldigt sich nicht für sein Verhalten, sondern für den Eindruck

Am Samstagabend (17.07.2021) schrieb der CDU-Politiker auf Twitter: „Ich danke dem Bundespräsidenten für seinen Besuch. Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben. Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid.“

Armin Laschet entschuldigt sich nicht für sein unwürdiges Verhalten in Anbetracht einer Unwetter-Katastrophe mit mehr als 150 Toten. Sondern für den „Eindruck, der entstanden ist“. Das ist eine klassische Non-Apology. Diese Entschuldigung ist kein Eingeständnis von Fehlverhalten, sie vermittelt, dass es lediglich einen Eindruck gab, der unpassend war. Das Gekicher und Gefeixe von Armin Laschet und seinem CDU-Gefolge wird somit nicht als problematisch und falsch anerkannt.

Armin Laschets Non-Apology ist schäbig

Non-Apology, Nonpology, Fauxpology: Diese Form der Entschuldigung, bei der keine Verantwortung für das Fehlverhalten übernommen wird, hat im englischsprachigen Raum inzwischen viele Namen. Was eine Non-Apology immer tut, ist vom Fehlverhalten des Verursachers abzulenken, um in einer an die Gaslighting-Taktik angelehnten Umkehrung die Gefühle der Anderen als das Problem darzustellen: „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst.“ Oder wie in Laschets Fall tut es ihm leid, dass dieser Eindruck entstanden ist. Er hat aber nichts falsch gemacht.

Formulierungen dieser Art sind in der Politik und in der Öffentlichkeitsarbeit inzwischen gang und gäbe, denn Fehler eingestehen gilt in der Gesellschaft als Schwäche und muss - besonders im Hinblick auf eine angestrebte Kanzlerschaft - anscheinend unbedingt vermieden werden. Dass Armin Laschet und sein PR-Team im Kontext einer tödlichen Unwetter-Katastrophe zu solchen Mitteln greifen, ist schäbig.

Laschets „Es tut mir leid“ bedeutet auch etwas anderes als „Ich entschuldige mich“. In einer unverbindlichen Alltagssituation zwischen zwei Menschen mag das Haarspalterei sein, aber nicht in einem öffentlichen Statement eines Bundeskanzlerkandidaten. Armin Laschet und seine PR-Berater:innen kennen den Unterschied der beiden Formulierungen: „Es tut mir leid“ übernimmt keine Verantwortung, es tut ihm leid, wie die Situation aufgenommen wurde. „Ich entschuldige mich“ dagegen hat ein aktiv handelndes „Ich“, dass Verantwortung übernimmt für eine Situation, die es ausgelöst hat. Und Laschet hat es bewusst nicht so geschrieben.

Unwetter-Katastrophe: Armin Laschet taktiert miserabel und ist menschlich wie fachlich überfordert

Armin Laschet hüpft seit der Unwetter-Katastrophe von einem Fettnäpfchen ins nächste. Denkwürdig fatal war auch sein Auftritt in Hagen (15.07.2021). Fast fünf Minuten lang sprach der CDU-Kanzlerkandidat über das Unwetter, bevor er die Toten erwähnte, nur, um sich dann ausschließlich auf die Opfer in Nordrhein-Westfahlen zu beziehen.

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, lacht während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) ein Pressestatement gibt.

Die Klimapolitik scheint Laschet ebenfalls völlig zu überfordern. Bei einer Sondersendung des WDR am Mittwoch (15.07.2021) sagte er angesprochen auf die Flutkatastrophe als Zeichen des Klimawandels: „Weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik.“ Dieses Statement ist das Finale eines lustigen Vor und Zurücks an diesem Tag, an dem Laschet morgens noch Klimamaßnahmen bremsen wollte und am Nachmittag im Angesicht der Unwetter-Katastrophe eigentlich mehr Tempo beim Klimaschutz gefordert hatte. Und Abends im WDR dann also doch wieder nicht. Eine tatsächlche inhaltliche Auseinandersetzung sieht anders aus.

Insgesamt geht es Laschet nur darum, aus der Unwetter-Katastrophe, die Deutschland so hart und unvermittelt getroffen hat, politisch etwas für sich herauszuholen. Er taktiert, und das auch noch miserabel, siehe seine Aussagen zur Klimapolitik, und ist dabei von sich selbst und seiner angestrebten Kanzlerschaft so eingenommen, siehe die Non-Apology, dass er einen fruchtbaren politischen Diskurs und simplen menschlichen Anstand nicht mal nur vermissen lässt - beides spielt bei einem Armin Laschet keine Rolle. Und so jemand darf nicht Bundeskanzler werden. (Sonja Thomaser)

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