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Kanzlerkandidaturen

Armin Laschet und Annalena Baerbock: Zu viel Streit bei der Union, zu wenig bei den Grünen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union, aber er ist ein beschädigter Sieger. Dafür hat sein Streit mit Markus Söder gesorgt. Annalena sieht wie das perfekte Kontrastprogramm aus. Aber ist es das wirklich?

Was denken Sie, wenn Sie Armin Laschet im Fernsehen sehen? „So sehen Sieger aus“ denken Sie wahrscheinlich nicht. Der Mann, der bis tief in die Nacht zum Dienstag um die Kanzlerkandidatur von CDU und CSU gekämpft hat, ist zwar einstweilen als Gewinner aus dem Rennen gegangen, er hat ein Votum des Parteivorstands zu seinen Gunsten durch Sitzfleisch und Beharrlichkeit erzwungen. Aber so einen traurigen Triumph hat die Welt der Politik wohl kaum jemals gesehen. Laschet ist politisch schwer beschädigt.

Das ist natürlich zu großen Teilen das „Verdienst“ von CSU-Chef Markus Söder. Sein Versuch, in einer Art unionsinternem Staatsstreich die Kanzlerkandidatur zu erobern, könnte als Premiere in die Geschichte eingehen: Wohl nie zuvor hat ein Politiker diesseits der AfD so skrupellos versucht, die „wahre Volksmeinung“ (hier: Umfragen) gegen gewählte Institutionen, den Vorsitzenden der Schwesterpartei eingeschlossen, und gegen geregelte Entscheidungsprozesse auszuspielen.

Kanzlerkandidatur der Union: Markus Söder handelt auf eigene Rechnung

Es spricht nichts dagegen, diese Institutionen und Entscheidungsprozesse für ihre Trägheit und ihren Mangel an demokratischer Transparenz zu kritisieren. Aber wer in einer Art Kurzschluss mit dem, was er zum „Volk“ oder zur „Basis“ erklärt, an den Institutionen vorbei auf eigene Rechnung handelt, ist ein gewissenloser Populist. Das sollten auch diejenigen, die Söder sympathischer finden als Laschet, nicht vergessen.

Das macht allerdings die Art nicht besser, in der Laschet dem CDU-Vorstand in der Nacht zum Dienstag die Abstimmung zu seinen Gunsten abgepresst hat. Alle beide, der Bayer und der Nordrhein-Westfale, haben einen rechtschaffenen Beitrag zur ohnehin schon allzu verbreiteten Skepsis gegenüber dem Politikbetrieb geleistet.

Annalena Baerbock: Verkündung der Kanzlerkandidatur bei den Grünen kein Zufall

Es war ein vielsagender Zufall, dass die Grünen fast zeitgleich ihre Entscheidung für Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin verkündeten. Und während in den Meinungsbeiträgen fast aller Medien über CDU und CSU kollektives Kopfschütteln herrschte, war für die Grünen jede Menge Lob und Preis zu lesen und zu hören: Vorbildlich sei das doch, wie „geschlossen“ und „geräuschlos“ sie die Antwort auf ihre eigene K-Frage inszeniert hätten!

Tatsächlich war es beeindruckend zu sehen, wie Robert Habeck mit leicht brüchiger Stimme seine Kollegin und Konkurrentin ansagte, bevor er mit fast tänzerischen Bewegungen erst einmal im Hintergrund verschwand. Aber eine nicht ganz unwichtige Frage lässt sich sowohl an die Unionsparteien als auch an die Grünen stellen: Worum ging es eigentlich?

Armin Laschet gegen Markus Söder und Annalena Baerbock gegen Robert Habeck

Von mal mehr und mal gar nicht gelungenen Inszenierungen abgesehen: Wer kann auf Anhieb sagen, wofür Armin Laschet im Gegensatz zu Markus Söder steht und wofür Annalena Baerbock im Gegensatz zu Robert Habeck?

Annalena Baerbock: Die Inszenierung ihrer Kanzlerkandidatur unterscheidet sich vom Streit bei der Union.

Nichts gegen die Bedeutung von Personen: Das richtige Verhältnis zwischen Führungsstärke und Kompromissfähigkeit, die Erfahrung in politischen Ämtern, die mediale Wirkung – all das darf und sollte eine Rolle spielen. Und schon gar nicht unwichtig war es, ob sich um das wichtigste Amt im Land ausschließlich Männer bewerben oder wenigstens auch eine Frau.

Annalena Baerbock: Die vielgelobte Inszenierung der Kanzlerkandidatur

Aber ein bisschen Inhalt wäre doch schon ganz schön gewesen. Die Konkurrenz um Ämter sollte zumindest unter anderem noch etwas zu tun haben mit unterschiedlichen politischen Prioritäten für eine mögliche Regierungsbeteiligung oder auch mit Vorlieben für die eine oder andere Koalition. Unter diesem Aspekt hat die vielgelobte Inszenierung der Grünen eine Menge gemeinsam mit dem selbstzerstörerischen Streit in den Unionsparteien: Um die Frage, was der eine politisch anders machen würde als der oder die andere, ging es in beiden Fällen nicht.

Der Wille zur Macht und der Streit um Macht sind an sich nichts Böses, auch nicht in einer Demokratie. Aber wenn niemand mehr weiß, worum die Bewerberinnen und Bewerber konkurrieren außer um die Macht an sich, geht etwas Entscheidendes verloren.

Anders gesagt: Mit Baerbock und Laschet bekommen wir inhaltlich nichts anderes, als wir mit Habeck und Söder bekommen hätten. Genau genommen, hätte das weder einen schwarzen Machtkampf zweier Alphamänner gebraucht wert noch eine grüne Inszenierung von Friedfertigkeit und Einheit. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Christian Thiel via www.imago-images.de

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