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Plagiatsvorwürfe gegen Kandidatin

Annalena Baerbock und ihr Buch: Rüde Attacken, beleidigte Grüne  

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Ist Annalena Baerbock eine üble Plagiatorin? Das nicht, aber sie hat in ihrem Buch ganze Passagen ohne Quellenangabe zitiert, und das war ein Fehler. Warum reagieren die Grünen so beleidigt auf Kritik an ihrer Kanzlerkandidatin? Ein Kommentar von Stephan Hebel.

Falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, mal ein Buch schreiben wollen: Warten Sie am besten die Bundestagswahl ab.

Sollte Annalena Baerbock nicht Bundeskanzlerin werden, dann könnte weiter die Regel gelten: Wer zitiert, gibt die Quelle an. Das geht übrigens auch ohne Fußnoten, Sie müssen sich nur eine schöne Formulierung ausdenken, zum Beispiel: „…erläutert die Bundeszentrale für politische Bildung“. Oder so ähnlich.

Sollte Annalena Baerbock aber doch noch Bundeskanzlerin werden, wird es für Sie als Buchautorin oder Buchautor etwas einfacher: Wenn es „nur“ um Fakten geht, zitieren Sie die Quelle einfach so, nennen müssen Sie sie nicht. Wenn jemand die kopierten Stellen entdeckt, sagen Sie einfach, Sie hätten schließlich „kein Sachbuch oder so“ geschrieben (so Annalena Baerbock am Donnerstagabend im „Brigitte“-Talk). Überhaupt sei es Ihnen darum gegangen, die Welt so zu beschreiben, „wie sie ist“, und da könne es doch nur helfen, auf ein paar schöne Quellen zurückzugreifen.

Annalena Baerbock kämpft mit Plagiatsvorwürfen.

Annalena Baerbock kämpft mit Plagiatsvorwürfen

Im Ernst: Die Grünen haben absolut recht, wenn sie darauf hinweisen, dass ihre Kanzlerkandidatin keine Plagiatorin im übelsten Sinne ist. Sie hat nicht (wie manch andere Prominente) die Ideen und Forschungen anderer für ihre eigenen ausgegeben, um sich etwa einen Doktortitel zu erschleichen. Es war vollkommen legitim, sich bei der Darstellung von Tatsachen auf seriöse Quellen zu stützen. Wer den Satz „Die Erde ist eine Kugel“ schreibt, muss nicht ergänzen „…wie schon Aristoteles bemerkte“. Aber in Baerbocks Buch „Jetzt“ werden nun mal ganze Passagen aus anderen Veröffentlichungen ohne Quellenangabe zitiert, und das ist ein Fehler.

Die Grünen haben auch recht, wenn sie beklagen, dass es übertrieben ist, auf diesen Fehlerspatz mit der Plagiatskanone zu schießen. Sie haben recht, wenn sie fragen, ob bei der Heftigkeit der Skandalisierung von Baerbocks Fehler nicht die Abwehr einiger Kreise gegen den Machtanspruch einer relativ jungen, relativ reformbereiten Frau bewusst oder unbewusst mitspielt. Aber warum waren sie, als das Ganze bekannt wurde, auf derart unsouveräne Weise beleidigt?

Warum reagieren die Grünen so unsouverän auf Vorwürfe gegen Annalena Baerbock?

Ausgerechnet Jasper von Altenbockum, ein durch und durch konservativer Autor der FAZ, hat eine interessante Spur zu den Gründen gefunden. Die Empfindlichkeit, so seine These, könnte etwas zu tun haben mit dem Wandel dieser Partei: Einst angetreten als kritisches Gegengewicht zu den Routinen etablierter Politik, die sich für unangreifbar hielt, empfindet sie heute offenbar nicht nur die unanständigen Übertreibungen ihrer Kritikerinnen und Kritiker als Attacke gegen ihr Recht auf Macht, sondern auch die legitimen Aspekte der Kritik an ihrer Spitzenkandidatin: „ Insofern“, schrieb von Altenbockum, „hält die jüngste Affäre den Grünen auch einen Spiegel vor. Früher beleidigten sie die Majestäten. Jetzt sind sie die Majestäten, die beleidigt sind.“

Dass die Grünen regieren wollen, ist okay. Aber wenn sie anders regieren wollen als andere, sollten sie den Gestus der beleidigten Majestäten gleich wieder vergessen. (Stephan Hebel)

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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