Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Schule beginnt. Und nun?
+
Die Schule beginnt. Und nun?

Leitartikel

Anderes Miteinander: Das neue Schuljahr bringt neue Herausforderungen

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
    schließen

In Schulen und Universitäten sollte die neue Normalität keine Rückkehr in den alten Trott sein. Der Leitartikel.

Bundesland für Bundesland füllen sich wieder die Klassenräume, die Hörsäle und Seminare der Hochschulen folgen bald. So viel Normalität wie möglich wird allerorten versprochen, Präsenz soll es geben, Schließungen von Schulen, Wechselunterricht, Homeschooling und Lehre auf Distanz: unrühmliche Kapitel im Umgang mit der Corona-Pandemie. Gehören sie der Vergangenheit an?

Gut möglich, dass dies mehr als leere Versprechungen oder Wunschdenken sind, auch wenn viele der Verlautbarungen aus den Ministerien und Präsidien wie das Pfeifen im Wald klingen mögen. Die Voraussetzungen, Lernen und Lehren wieder mit sozialem Miteinander zu verbinden, sind in der Tat weitaus besser, als sie es vor Jahresfrist waren. Wie es damals ausging, ist Geschichte. Jetzt geht es um die Zukunft.

Gutes beibehalten: Notlösungen während Corona führten zu neuen Wegen in der Schule

Das Testen ist Routine, das erweiterte Wissen über das Virus macht es möglich, Quarantäne gezielt statt klassenweise- oder kursumfassend zu verhängen. Viele Menschen sind geimpft, und selbst wenn es ohne das zögerliche Agieren der Ständigen Impfkommission gerade auch mehr Jüngere sein könnten: Es gibt die berechtigte Hoffnung dass die Pandemie zumindest in den heimatlichen Gefilden im Zaum gehalten werden kann. Also tatsächlich zurück zur Normalität? Man muss fürchten: Ja.

Corona hat bei allen Zumutungen, die die Pandemie bereithält, auch ein Verlassen eingetretener Pfade erzwungen, hat dazu genötigt, neue Wege zu gehen. Beispiel Schule: Plötzlich musste es auch einmal ohne Klausuren gehen, schienen Noten nicht mehr unabdingbar, konnten Lehrkräfte und Schüler:innen die Erfahrung machen, wie es sich in kleinen Gruppen unterrichten und lernen lässt. Studierende hatten auf einmal die Aufgabe, sich von zu Hause aus zusammenzuschalten und gemeinsam ein Online-Seminar mitzugestalten. Oder ihre Natur-Exkursion in Form eines Video-Tutorials zu dokumentieren.

Vieles davon lief holprig, war erzwungen, nie geübt und so nicht gewollt. Und doch hat es Erfahrungen ermöglicht, die ohne diesen Zwang kaum hätten gemacht werden können. Und jetzt alles wieder back to normal? Viel zu leicht könnte es passieren, dass diese Rückkehr zur Normalität übersetzt würde mit: Zurück im alten Trott. Dann aber wäre all die Mühe, all die Sorge, wären all die guten Ideen und erfolgreichen Versuche, die in den vergangenen eineinhalb Jahren das Leben prägten, vergebens und verloren.

Förderkurse und Bewegungsangebote: Es beginnt ein Schuljahr des Aufholens

Es gibt gute Ansätze, das nächste Schuljahr, die nächsten Semester, zu einem Gewinn zu machen. Eine Milliarde Euro gibt der Bund, die Länder das Gleiche noch einmal dazu. Damit werden zusätzliche Förderkurse ermöglicht, die Arbeit in Kleingruppen, sozialpädagogische Unterstützung, kulturelles Lernen und Erleben, Sport- und Bewegungsangebote. Denn es geht in der Tat nicht nur – und noch nicht einmal in erster Linie – darum, versäumten Lernstoff nachzuholen.

Noch wichtiger scheint es, das Miteinander neu zu erfinden, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene körperlich, geistig und seelisch wieder in anregende Bewegung zu versetzen, viele, die darin versunken sind, aus der Corona-Lethargie zu holen.

All das passiert in den Ländern und hoffentlich überall da, wo Menschen gemeinsam ihre Fähigkeiten entwickeln und Kenntnisse erweitern (wollen). Was aber, wenn nach einem Semester, wenn nach einen Schulhalbjahr der Gedanke Raum greift, es könne nun bald genug sein mit der Sonderförderung? Was, wenn die Noten wieder stimmen, die Klausuren zufriedenstellend ausfallen, die Abschlüsse erreicht werden? Ist dann alles wieder gut?

Ende der Sommerferien in Hessen: Zurück zu mehr Miteinander im neuen Schuljahr

Wir sollten es dabei nicht belassen. Corona hat auch deutlich gemacht, wie groß der Wert dessen ist, was sich nicht in Zahlen messen lässt. Kreativität, Solidarität, Beharrlichkeit, Optimismus, Freundschaft, Freude, ein Mit- statt ein Gegeneinander.

Diese Erfahrungen formulieren eine Aufgabe: Aufholen genügt nicht. Wir müssen voran kommen. Mit einer Pädagogik, die den Menschen nicht als Funktionsteil eines Wirtschaftsbetriebs definiert, sondern ihn in all seinen Facetten als vor allem verletztliches, ungemein wertvolles und faszinierendes Wesen begreift.

Vieles von dem, was nun in den Bildungsstätten Einzug hält, kann dazu dienen, diese Wahrnehmung zu festigen. Unsere Gesellschaft tut sich einen Gefallen, die Veränderungen zu ermöglichen. Nicht ein Schuljahr oder Semester lang, sondern dauerhaft. Auch, wenn das mehr als einmalig zwei Milliarden Euro kostet. (Peter Hanack)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare