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An der Realität vorbei

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tatjana Coerschulte

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Trotz Verbots werden Frauen nach wie vor zur Prostitution gezwungen.
Trotz Verbots werden Frauen nach wie vor zur Prostitution gezwungen. © Fabian Sommer/dpa

Die Freigabe der Prostitution durch den Gesetzgeber hat nicht zu en gewünschten Ergebnissen geführt und muss durch die Bundesregierung deutlich nachgebessert werden.

Die deutsche Gesetzgebung zur Regulierung der Prostitution ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Absicht, die Situation von Menschen zu verbessern, komplett an der Realität vorbeigehen kann. Keiner der Effekte, die bei der Freigabe der Prostitution und dem nachbessernden Schutzgesetz erwünscht waren, sind eingetreten. Die Gesetze sollten Prostitution aus der Grauzone holen und die Ausübenden, mehrheitlich Frauen, absichern. Inzwischen ist klar: Die Annahme, dass sich Prostituierte ordnungsgemäß beim Amt anmelden würden, ist naiv. Und trotz Verbots werden Frauen nach wie vor zur Prostitution gezwungen – wer soll die Anzeigen auch stellen?

Hierzulande sind rund 24 000 Prostituierte gemeldet, Schätzungen gehen aber von mindestens 200 000 aus. Die Freigabe der Prostitution bedeutete einen Schub für das Geschäft, an dem viele verdienen – am wenigsten aber die Frauen. Wer ihnen helfen will, muss mehr tun als Gesetze ersinnen. Er muss Alternativen aufzeigen, die ihnen ermöglichen, den Lebensunterhalt zu sichern. Das könnte mehr verändern als jeder gesetzliche Rahmen. Bericht S. 5

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