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In der Nähe des Tatorts in Würzburg stehen Blumen und Kerzen.
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In der Nähe des Tatorts in Würzburg stehen Blumen und Kerzen.

Kommentar

Amoklauf in Würzburg: Die Propaganda der Inhumanität macht es sich leicht

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Wer aus Verzweiflung und Trauer Politik zu machen versucht, praktiziert das Gegenteil von Menschlichkeit. Der Kommentar.

Wenn ein Verbrechen wie der tödliche Amoklauf von Würzburg geschieht, stellen sich Fragen ein: Was, wenn die Verkäuferin, die der Täter erstach, nicht ausgerechnet an diesem Tag an dieser Stelle Dienst getan hätte? Was, wenn die anderen Opfer ein paar Minuten früher oder später am Tatort gewesen wären?

Solche Fragen drücken die tiefe Verzweiflung darüber aus, dass ein teuflischer Zufall sich die eigenen Angehörigen als Opfer ausgesucht hat. Insofern sind sie zutiefst menschlich und sicher ein notwendiger Teil der Trauerarbeit. Nicht nur bei den direkt Betroffenen, sondern auch bei anderen, mitfühlenden Menschen. Wer aber aus solchen Emotionen Politik zu machen versucht, praktiziert das Gegenteil von Menschlichkeit.

So viel zur AfD, aus deren Führungsriege - freundlich assistiert von „Bild“ - wieder einmal die gewohnten Töne kommen. Sie lassen sich auf eine einzige, zynische Aussage verdichten: Wäre der Mann aus dem Krisenland Somalia nicht in Deutschland gewesen, hätte er hier auch niemanden umbringen können. Alice Weidel setzte dem Ganzen noch ein Krönchen auf, indem sie „Flüchtling“ in Anführungszeichen schrieb.

Amoklauf in Würzburg: Die Propaganda der Inhumanität macht es sich leicht

So leicht macht es sich die Propaganda der Inhumanität. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand: Wer behauptet, Kriminalität, die es nun mal auch unter Zugewanderten gibt, sei nach dem Motto „Grenzen dicht“ zu bekämpfen, sollte auch Leitern verbieten, weil bekanntlich manchmal Menschen von ihnen fallen.

Natürlich wissen Leute wie Weidel, dass es so inhuman wie unmöglich wäre, die aus Krieg und Gewalt, aus globaler Ungerechtigkeit und Klimawandel resultierende Migration von unseren Grenzen fernzuhalten (was ja leider auch demokratische Regierungen in Europa versuchen, natürlich ohne Erfolg). Aber fast noch schlimmer ist, dass die wirklich wichtigen Fragen hinter diesem Geschrei verschwinden.

Können psychische Probleme, zum Beispiel nicht bearbeitete Traumata bei Geflüchteten, früh als gefährlich erkannt und Verbrechen vielleicht verhindert werden? Kann es helfen, mögliche Bedrohungen durch Kooperationen zwischen Gesundheitsbehörden und Polizei aufzuspüren, wie es Nordrhein-Westfalen gerade in einem Modellversuch erprobt - und das, ohne sensible Daten leichtfertig auszutauschen?

War es „nur“ Amok oder „auch“ Terror? Die Frage ist nicht irrelevant, Antworten können der Aufklärung und der Vorbeugung dienen. Aber wie wäre es, erst einmal mit den Angehörigen der Opfer zu fühlen – und dann Probleme anzugehen, statt sie „abzuschieben“? (Stephan Hebel)

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