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Mit Genitalien an die Macht – AfD will die „Alternative“ in Niedersachsen sein

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Von: Katja Thorwarth

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Die AfD Niedersachsen macht Wahlkampf auf ganz eigene Art.
Die AfD Niedersachsen macht Wahlkampf auf ganz eigene Art. (Screenshot) © Facebook / Verein „Bündnis Fulda stellt sich quer - gegen Rassismus“

Am 9. Oktober wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Und die AfD betreibt fleißig Wahlkampf – und zwar unfreiwillig komisch. Ein Kommentar.

In Wahlkampf-Dingen ist die AfD traditionell etwas eigen. Vor der Bundestagswahl 2017 etwa warben die Blau-Braunen mit einer dunkelblonden Schwangeren, die ihren hellen Babybauch mit den Händen liebevoll umspannt in die Kamera hielt: „Neue Deutsche? Machen wir selber!“, war das Bild in schwarzen Lettern überschrieben. Kurz vorher hatte die damalige Kanzlerin Merkel in ihrem Regierungsprogramm „alte und neue Deutsche, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“ als diesem deutschen Lande zugehörig erklärt.

Die Reproduktion Deutscher nach AfD-Definition ist also ein Herzensanliegen der Partei, was sich übrigens bereits in dem Logo manifestiert. Dieser rote Pfeil, der mit Schwung seine Pracht von links unten nach rechts oben entfaltet, hat schon stark phallischen Charakter, diesbezüglich muss also keine Symbolanalytikerin bemüht werden. Es ist das Logo für die Zielgruppe der AfD, denn nach wie vor wird die Partei in erster Linie von Männern gewählt.

AfD-Wahlkampf zur Landtagswahl in Niedersachsen mit essbaren Gummipenissen

Nun sind am 9. Oktober Landtagswahlen in Niedersachsen, und die AfD will in Hannover wieder mitmischen. Und das, nachdem die niedersächsische AfD sich 2020 heillos zerstritten hatte, was zum Bruch der neunköpfigen Landtagsfraktion führte. 6,2 Prozent schafften die Rechten 2017 - was jetzt kein dickes Polster ist. Entsprechend energisch dürften die norddeutschen Blau-Braunen, die mittlerweile übrigens auch als Verdachtsobjekt vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet werden, in den Wahlkampf gestartet sein. Und wie ködert man die Leute, wenn der Wind den Wahlberechtigten allenthalben um die Ohren pfeift? Richtig, mit kleinen Leckereien, Snacks für die Hosentasche, süßen Lustigmachern.

Da kamen die niedersächsischen AfD-Marktstrategen naheliegend auf Gummibärchen – allerdings sind das, was da unters Volk gejubelt wurde, keine Bärchen, sondern: „Schwänze für Deutschland“. So soll zumindest der Berliner AfD-Landtagsabgeordnete Antonin Brousek die Gelantine-Klumpen auf Facebook bezeichnet haben. Tatsächlich sollen sie wohl das Logo abbilden, doch wie oben bereits formuliert, hat dies schon von Haus aus phallischen Charakter. Eine gummiähnliche Nachbildung macht die Sache, wie die Praxis zeigt, nicht besser.

AfD-Niedersachsen macht Wahlkampf mit „Schwänzen für Deutschland“

Doch soll sich die AfD Niedersachsen nicht weiter grämen. Zum einen schaut man einem geschenkten Gaul ja in der Regel nicht ins Maul. Zum anderen passen die kleinen roten Gummi-Penisse doch perfekt zur AfD im Allgemeinen: Reaktionär männerorientiert, reproduktionsfixiert - und selbst bei der Produktion von generationenübergreifender Süßware heillos überfordert. (Katja Thorwarth)

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