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Alexander Gauland am 1. Mai in Erfurt

Kommentar

AfD: Von wegen gemäßigt

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Überall ist jetzt vom Kampf der „Bürgerlich-Konservativen“ gegen die so richtig Rechten in der AfD zu lesen. Es wäre gefährlich, diese Geschichte zu glauben.

Wie sagte Alexander Gauland am vergangenen Wochenende? Um das Land „wieder in Ordnung zu bringen“, müsse man sich „ruhig einmal auf die Lippen beißen“. Das wurde allgemein als Aufruf zur Mäßigung verstanden, als Absage an die „Radikalen“ in der AfD. Bei dieser Deutung fällt ein entscheidender Punkt unter den Tisch: Die Ansage des Parteivorsitzenden hat mit gemäßigter Politik nichts zu tun. 

Die Ordnung, in die er unser Land bringen will, unterscheidet sich vielleicht in Nuancen, aber keineswegs grundlegend von der Ideologie des rechtsextremen Führerdarstellers Björn Höcke. Der Unterschied besteht darin, dass Höcke eben nicht bereit ist, sich auf die Lippen zu beißen. Will heißen: Höcke spricht aus, was die AfD denkt, während Gauland, Meuthen und Co. die Ideologie lieber hinter einem bürgerlich-konservativen Anstrich verstecken möchten. 

Nichts gegen Ausländer, wenn sie zu Hause bleiben

Das nämlich bedeutet „auf die Lippen beißen“: Für sich zu behalten, was man eigentlich sagen will. Es wäre gefährlich, wenn sich die Geschichte von den braven Konservativen auf der einen und den echten Rechten auf der anderen Seite in der öffentlichen Wahrnehmung festsetzen würde. Diese Partei folgt, über die streitenden Flügel hinweg, gemeinsam der Ideologie des Ethnopluralismus. Das Land in Ordnung zu bringen, bedeutet gemäß diesem Weltbild: Jede Nation, jede Kultur bleibt auf ihrem angestammten Boden unter sich. Nur leicht verkürzt: Nichts gegen Ausländer, wenn sie zu Hause bleiben. 

Das ist der moderne Rassismus, der die AfD eint. Weil das so ist, sollte niemand der Versuchung erliegen, an das Märchen von den Bürgerlich-Konservativen zu glauben, die schon irgendwie ins Parteienspektrum passen würden, wären nur die Höckes endlich verschwunden. Die Etablierung einer angeblich „gemäßigten“ AfD würde die Verschiebung des gesamten Koordinatensystems nach rechts endgültig beglaubigen. Und es könnten Wetten abgeschlossen werden, wie lange die Absage der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer an eine Zusammenarbeit mit dieser Partei noch gilt. Man könnte ja dann behaupten, es sei nicht mehr diese AfD, sondern eine ganz andere.

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