FR-Redakteurin Sandra Busch.
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Kommentar: Schulen und Kitas öffnen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Während Erwachsene wieder in ihre Büros und Kneipen dürfen, geht es bei den Schulen und Kitas nur schleppend voran. Für Eltern und Kinder ist das eine Zumutung. Ein Kommentar.

Die Eltern sind am Ende ihrer Kräfte. Seit Wochen schlagen sie sich mit Homeschooling herum oder betreuen ihre Kindergartenkinder, während sie dabei im Homeoffice ihrer Arbeit nachgehen. Nun gehen Eltern auf die Straße, weil sie ihre Kinder wieder in die Kitas und in die Schulen schicken wollen. Und sie haben recht.

Als alle zu Hause saßen, als alle nichts tun durften, als für alle Verbote galten, da war das für die Familien einzusehen. Musste eben sein. Galt schließlich für alle. Doch inzwischen wird gelockert und gelockert – und es wird immer deutlicher, dass von Kindern und Familien mehr als von anderen verlangt wird. Erwachsene dürfen wieder in die Kneipe gehen, sie dürfen auf den Campingplatz fahren, sich über die Auslandsreise im Sommer langsam Gedanken machen, im Fitnessstudio Sport treiben, kehren aus dem Homeoffice in die Büros zurück und shoppen in Möbelhäusern. Doch die Situation der Familien hat sich wenig verändert.

Ja, die Schulen haben wieder geöffnet. Oder machen wie die Kitas in der nächsten Woche wieder auf. Für jedes einzelne Kind wenige Stunden in der Woche. Mehr ein symbolischer Akt, denn mit Schule hat das wenig zu tun. Und mit Kinderbetreuung für arbeitende Eltern auch nicht. Perspektive: Geht so weiter, vermutlich auch nach den Sommerferien. Wegen der Infektionsgefahr.

Doch alle Lockerungen haben auch Risiken. Ohne geht es nicht. Und in allen Bereichen geht die Gesellschaft die Risiken ein. Nur bei Schulen und Kitas ist sie besonders ängstlich, will jedes Risiko ausschließen. Wobei sich noch dazu Studien mehren, dass Kinder und Jugendliche nicht die treibende Kraft für Ansteckungen sind. Der Stellenwert der Kinder in der Gesellschaft wird nun deutlich: Er ist gering, sie haben keine Lobby. Doch auch Kinder haben Rechte. Ein Recht auf Bildung etwa. Es müssen Wege gefunden werden, wie Kinder wieder wirklich teilhaben können. Deswegen müssen Schulen und Kitas wieder öffnen – nicht nur für die Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen, nicht nur als symbolischer Akt für ein paar Stunden pro Woche, sondern komplett oder zumindest so weitgehend wie irgendwie möglich.

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