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Nach dem Oktoberfestattentat 1980 werden die Leichen in Särgen abtransportiert.

Kommentar

Lange Tradition

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Die Drohschreiben, die derzeit bundesweit an Politiker, Anwälte, Behörden oder den Zentralrat der Juden gehen, sollte man ernst nehmen. Ein Kommentar.

Die Drohschreiben, die derzeit bundesweit an Politiker, Anwälte, Behörden oder den Zentralrat der Juden gehen, mögen bizarr klingen. Vielleicht sind sie einigen der Adressaten im Rauschen der üblichen Hassbotschaften an sie zunächst gar nicht weiter aufgefallen. Vielleicht steckt nicht viel mehr dahinter als ein Tastaturterrorist, der nur einschüchtern will. Ernst nehmen sollte man die Schreiben trotzdem.

Rechtsterrorismus hat leider eine lange Tradition in Deutschland – auch jenseits von Oktoberfestattentat und NSU. Tradition hat leider auch, dass das Thema hierzulande unterschätzt, vergessen oder oft gar gezielt kleingeredet wird – von der Gesellschaft, von vielen Medien, von Sicherheitsbehörden. Das muss aufhören.

Gerade in der aktuellen Stimmung steigt die Gefahr, dass Neonazis sich wieder als Vollstrecker eines vermeintlichen Volkswillens sehen. Deswegen ist es so gefährlich, wenn selbst Politiker bürgerlicher Parteien etwa die Anwaltschaft als „Anti-Abschiebe-Industrie“ diffamieren und das Vokabular vorgeblich „besorgter Bürger“ aufgreifen. Sorgen von Bürgern ernst nehmen? Ja, bitte! Warum nicht die derjenigen, die von Nazis bedroht werden?

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