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EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lässt nicht locker.

Kommentar

Ein Fingerzeig für Amazon

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Der Erfolg des Bundeskartellamts gegen Amazon ist nicht so groß wie ihn die Behörde macht, aber deshalb nicht falsch. Der Kommentar.

Rund 60 Milliarden Dollar Umsatz hat die größte Internet-Verkaufsplattform der Welt im ersten Quartal 2019 erwirtschaftet – etwas mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Kroatien. Was ist gegen einen derartigen Riesen eine Einigung mit dem deutschen Kartellamt wert? Behördenchef Andreas Mundt feiert sich für „weitreichende weltweite Verbesserungen“, die sein Amt erreichen konnte. Amazon selbst kommentiert lapidar, dass der Konzern „einige Änderungen in den Richtlinien“ vorgenommen habe.

Klingt putzig und im Kern ist es nicht mehr. Die Anpassungen bringen Drittanbietern etwas mehr Transparenz, eine substantielle Verbesserung ihrer Rechte oder gar Mitsprachemöglichkeiten bedeuten sie nicht. Dennoch ist das Urteil ein Fingerzeig, dass auch Amazon nicht nach Belieben operieren kann. Künftig dürfen Händler vor deutschen Gerichten mit deutschem Recht klagen. Das Tor ist auf für Musterprozesse.

Und: Amazon wird von jetzt an nicht mehr zur Ruhe kommen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager prüft die Kernfrage, ob sich die Plattform Vorteile verschafft, indem Daten der Händler ausgewertet werden. Europa zeigt mit diesen Verfahren klare Kante. Händler und Kunden werden es danken.

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