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Motorräder sind laut. Das sorgt häufig für Streit mit Anwohnern.
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Motorräder sind laut. Das sorgt häufig für Streit mit Anwohnern.

Kolumne

Zwischen den Fronten

  • VonJoane Studnik
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Der Streit um Lärm von Motorrädern entzweit Individualisten und Anwohner.

Der Zufall hat mich mit diesen fünf so unterschiedlichen Menschen zusammengebracht. Unsere Motorradjacken hängen an Baumästen, in einer urigen Waldschenke am Baa-See in Märkisch-Oderland stärken wir uns mit Wildwurst und Soljanka im Brot. Das Missverständnis, ich bräuchte für Motorrollerausflüge auf Bali einen Motorradführerschein, hatte mir vor sechs Jahren ein neues Hobby beschert, das mir Einblick in die widersprüchliche Gedankenwelt von freiheitsliebenden Individualisten gibt.

Ohne meinen damaligen Fehler hätte ich Tobi sicher nie kennengelernt. An seiner Harley klebt ein Sticker, der mich optisch an den „Atomkraft? Nein danke“-Aufkleber erinnert, der früher einmal auf meinem Schulranzen befestigt war. Auf Tobis Chopper heißt es: „Greta nein danke“.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg ist eine Hassfigur für nicht wenige der rund 3,6 Millionen Biker in Deutschland. Auch das Schreckensbild der Grünen als Verbotspartei wird in einschlägigen Biker-Foren dramatisch beschworen. Die Reaktionen auf meinen Hinweis in einer Facebook-Gruppe, dass Motorräder im Wahlprogramm der Grünen nur am Rande erwähnt werden – sie fielen nicht freundlich aus.

„Seid ihr alle mit dabei am 1. August?“, fragt Tobi, dessen geflochtenes Kinnbärtchen meine Vorstellung davon, wie Klimaskeptiker aussehen, erweitert. Seit Monaten wird in vielen deutschen Städten gegen angeblich drohende Motorrad-Fahrverbote demonstriert.

Anfang August geht es in Berlin gegen die „Diskriminierung der Motorradfahrenden“, so heißt es geschlechtergerecht in einem Aufruf der „Hauptstadtbiker“. Uneins sind sich Biker:innen in der Frage, was von Lärmbeschränkungen zu halten sei.

Tatsächlich hatte der Bundesverband der Motorradfahrer (BDVM) noch bis Anfang Juni die Initiative „Silent Rider“ unterstützt, sich dann aber deutlich von deren Forderungen distanziert. Angestoßen wurde die Initiative von mehreren Eifelgemeinden, die jetzt übrigens als Folge der Klimakrise von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind. Was diese Gemeinden eint, ist die dort dominierende Rolle der CDU, während die Grünen in den ländlichen Gebieten bislang kaum eine Rolle spielen.

Auf Bundesebene hat sich CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer dagegen frech als Garant gegen strengere Lärmregeln profiliert. Eine Bundestagsinitiative der Grünen hatte zum Ziel, zwischen Anwohnerinteressen und dem Bedürfnis nach individueller Mobilität zu vermitteln. Nun sind sie das Hassobjekt von Biker:innen, die lautstark Gas geben.

Christof, der unsere heutige Tour organisiert hat, zeigt Verständnis für lärmgeplagte Anwohner und will an der Demo nicht teilnehmen. „Da kommen doch nur wieder die falschen Leute.“ Er fährt mit seiner Cross-BMW am liebsten auf unbefestigten Wegen, abseits von Siedlungen der von Motorradlärm genervten Eigenheimbesitzer.

Am 26. September werden wir alle sehr unterschiedliche Parteien in den Bundestag wählen. Trotzdem hat uns unsere Leidenschaft für Kurven, Sonnenblumenfelder und lange Pausen in entlegenen Gegenden zusammen an diesen von Dürre gezeichneten See geführt.

In Parlamenten und im Netz krachen Positionen unversöhnlich aufeinander, wir stoßen mit Fassbrause darauf an, wie verschieden wir sind und trotzdem vereint im Ziel, ohne Mobilnetz im grünen Nirgendwo eine schöne Weile nicht erreichbar zu sein.

Joane Studnik ist Autorin.

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