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Die Erde versteckt hinter einer Wolke der Verschmutzung.
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Die Erde versteckt hinter einer Wolke der Verschmutzung.

Klima

Zinsen für den Klimaschutz 

  • VonVerena Kern
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Der Weg zum 1,5 Grad-Ziel ist lang und schwierig. Ein internationales Forschungsteam präsentiert nun einen Vorschlag, wie sich der Prozess beschleunigen ließe.

Wer in diesen Wochen die Nachrichten verfolgt, hat allen Grund, beunruhigt zu sein. Schwere Unwetter mit Starkregen und Überflutungen verwüsteten viele Regionen Deutschlands, der Westen Nordamerikas wurde von einer Hitzewelle mit Rekordtemperaturen und verheerenden Waldbränden förmlich überrollt. Selbst bei größtem Optimismus muss man damit rechnen, dass solche Extreme bei weiter fortschreitendem Klimawandel noch häufiger auftreten, noch heftiger ausfallen und noch mehr Schäden verursachen. Wird die Erderwärmung nicht gebremst, wird mit großer Wahrscheinlichkeit schon in naher Zukunft Normalität, was wir heute noch als nie dagewesene Katastrophe empfinden.

Die gute Nachricht ist, dass es beim Klimaschutz zuletzt deutliche Fortschritte gab. Die USA sind wieder dem Paris-Abkommen beigetreten; eine wachsende Zahl von Staaten will 2050 klimaneutral sein, selbst China peilt Null-Emission an (wenngleich erst 2060); die EU hat gerade ihr CO2-Ziel für 2030 auf minus 55 Prozent (gegenüber 1990) angehoben und ein ganzes Bündel von Regelungen vorgestellt, damit es mit der Reduktion auch tatsächlich klappt; Deutschland hat auf Druck des Bundesverfassungsgerichts seine Ambitionen erhöht und als Enddatum für den CO2-Ausstoß nun das Jahr 2045 festgelegt.

All das sind gute und wichtige Schritte, um das Schreckensszenario eines überhitzten Planeten doch noch abzuwenden. Allerdings – das ist die schlechte Nachricht – reicht das bei Weitem nicht aus. Für das Klima sind nicht Reduktionsziele entscheidend, sondern Temperaturziele und damit Gesamt-Emissionsziele – das ist im Übrigen der Kern des deutschen Verfassungsgerichtsurteils. Das Paris-Abkommen protokolliert als Temperaturziel: Die Staaten sollen Anstrengungen unternehmen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dafür aber darf nur noch eine bestimmte Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre gebracht werden.

Dieses Budget an noch tolerablen Emissionen ist jedoch bereits weitgehend verbraucht. Der Temperaturanstieg liegt schon heute bei 1,2 bis 1,3 Grad. Noch in diesem Jahrzehnt könnte das Emissionsbudget vollständig ausgeschöpft sein. Alle Treibhausgase, die danach noch ausgestoßen werden, müssten dann aufwendig und mit erheblichen Kosten zurückgeholt werden, soweit das überhaupt funktioniert. Für diese sogenannten negativen Emissionen gibt es verschiedene Methoden. Sie reichen von Aufforstung über den Einsatz von Pflanzenkohle oder auch Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung bis hin zu einer beschleunigten Gesteinsverwitterung.

Was bislang fehlt, ist ein Plan, wie man dies in großem Maßstab organisieren, finanzieren und umsetzen kann. Dazu hat nun ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Nature“ einen Vorschlag gemacht, der, wenn er realisiert würde, ein echter Game-Changer sein könnte. „Aus unserer Sicht“, sagt der Systemanalytiker Johannes Bednar vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse in Laxenburg bei Wien gegenüber der Frankfurter Rundschau, „ist es wichtig, die Verantwortungsfrage für Netto-negativ-Emissionen schon heute zu klären.“ Bednar ist Hauptautor des Fachartikels.

Die Grundidee ist einfach: Jede Tonne CO2, die über das Budget hinaus emittiert wird, wird als „Kohlenstoff-Schuld“ angesehen und mit einer Verpflichtung belegt, sie wieder aus der Atmosphäre zu entnehmen. Wie im Finanzsystem würden auf die neu zu schaffenden „Carbon Removal Obligations“ Zinsen anfallen. Auf diese Weise hätten die Emittenten einen starken Anreiz, das ausgestoßene CO2 wieder zu entfernen, da es durch die Verzinsung mit der Zeit immer teurer für sie wird. „Der Vorschlag müsste natürlich global umgesetzt werden“, sagt Bednar. „Die EU würde sich jedoch als Labor eignen, um das System später zu exportieren.“

Konkret könnte das so aussehen: Die EU reformiert ihren Emissionshandel. Dort werden derzeit Zertifikate gehandelt, die eine permanente Einlagerung von CO2 in die Atmosphäre erlauben. Die Gesamtmenge an diesen Verschmutzungsrechten ist gedeckelt und wird nach und nach reduziert. In gewisser Weise gibt es also bereits ein Budget. Im neuen System würde der Deckel so weit gesenkt, dass es dem 1,5-Grad-kompatiblem CO2-Budget der EU entspricht.

Zugleich führt man verzinste Schuldscheine mit Entnahmepflichten ein. „Die CO2-Einlagerung ist dann temporär, für die Zeit der Einlagerung fallen Gebühren – also Zinsen – an, und die Entfernung obliegt den Emittenten“, legt Bednar dar.

Für Regulierungsbehörden und Finanzinstitutionen wäre dies Neuland, räumen die Forschenden ein. Ein reibungsloser Betrieb werde erst nach einigen Jahren der Pilot-Erprobung möglich sein. Allerdings könnte das neue System einen schnelleren Weg zu Netto-Null-Emissionen ermöglichen – und damit für mehr Generationengerechtigkeit und eine gerechtere Verteilung der Kosten sorgen, die die künftig notwendige Rückholung von CO2-Emissionen aus der Atmosphäre mit sich bringen wird.

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