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Schnelleres Impfen kombiniert mit mehr Tests: Das muss nach der Zeit des Hinhaltens der Weg sein, die Gesellschaft sozial und wirtschaftlich wieder zusammenzuführen, ohne die Risiken zu ignorieren.
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Schnelleres Impfen kombiniert mit mehr Tests: Das muss nach der Zeit des Hinhaltens der Weg sein, die Gesellschaft sozial und wirtschaftlich wieder zusammenzuführen, ohne die Risiken zu ignorieren.

Kolumne

Zeitspiel beenden

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Schneller impfen, mehr testen. Damit lässt sich die Gesellschaft sozial und wirtschaftlich zusammenführen.

Es sieht so aus, als käme die Betonfraktion im Kanzleramt in Bedrängnis. In vielen Kommunen wird weitergedacht, in den Ländern steigt der Öffnungsdruck – bis hin zur Regierung Bayerns, die ihr Herz für Bau- und Gartenmärkte entdeckt. In Berlin haben sich sogar die Amtsärzte aufgerafft und ein intelligenteres Modell gefordert als das, was im Bund zuletzt Glaubensbekenntnis war.

Inzidenz runter auf 50 oder gar 35 – erst dann der nächste Lockerungsschritt. Das ist ein ziemlich billiges Prinzip und ein deutscher Sonderweg. Was die gegriffene Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche als Gefahrenmaßstab bedeutet und was nicht, wird international weit weniger strikt bewertet, denn es ist abhängig von weiteren Faktoren. Vom Anteil der Geimpften, der Ansteckungsintensität (somit: der Virusmutante), vom Testumfang.

In Deutschland war es das Hinhalteprinzip. Bei Inzidenzwerten nahe 200 tat die Politik sich leicht, die 50er-Marke in die Welt zu setzen. Weit genug weg, um jede Lockerungsdebatte für obsolet zu erklären. Als die Zahlen sich den 50 näherten, war von der Nachverfolgbarkeit durch die Gesundheitsämter kaum mehr die Rede. Nun kam die 35, um noch mal Zeit zu gewinnen. Hinhalten, weil die Virologen mahnen. Hinhalten wegen der Unsicherheit, wie die Mutanten wirken. Hinhalten, bis es beim Impfen schneller geht.

Schnelleres Impfen kombiniert mit mehr Tests: Das muss nach der Zeit des Hinhaltens der Weg sein, die Gesellschaft sozial und wirtschaftlich wieder zusammenzuführen, ohne die Risiken zu ignorieren. Aber kommt nächste Woche beim Kanzlerinnengipfel schon dieses Signal? Das würde bedeuten: endlich Bewegung. Sogar wörtlich gemeint, soweit Alltagssport in Gruppen zugelassen wird.

Das Vorprogramm hat begonnen. Meistens ist Markus Söder der erste, der sich mit einem im Trend liegenden Vorschlag profiliert, diesmal Baumärkte. Dicht gefolgt vom Land Berlin, das seinen Entwurf für Öffnungsschritte an die Medien durchreichte, auch hier noch strikt an (unrealistische) Inzidenzen gekoppelt, als bürokratischer Stufenplan viel zu unflexibel im Vergleich zum flexiblen Virus. So etwas fällt Autoren gerne auf die Füße.

Manche sehen diese Art Vorprogramm als modernes Kommunikationsmanagement. Am Tag der Konferenz ist das meiste zerredet, die Erwartungen niedrig und niemand ist mehr überrascht über das magere Ergebnis. Eines, von dem die Kanzlerin stets sagen wird, sie habe sich an manchen Punkten anderes gewünscht, aber sie könne damit leben. So haben alle ihre Rolle.

Getrieben von Angst vor der dritten Welle die einen, getrieben von Volkes Fruststimmung die anderen. Also: ein wenig öffnen, ein wenig hinhalten. Föderale Logik. Europäische Logik funktioniert nicht viel anders. In den Nachbarländern, deren Viruslast so oder so weiterschwappt, sind klare Strategien auch nicht erkennbar. Dass deutsche Konservative prompt ihre Lieblingsidee Grenzschließung rausziehen: peinlich, aber typisch.

Es wird nicht vorangehen, solange der Mut fehlt, von den scheinobjektiven Inzidenzzahlen als Maßstab für alles wegzukommen. Falls dann doch irgendwann flexible, maßvolle Öffnungen noch mal zurückgeschraubt werden müssen: Was daran wäre schlimm, wenn es für den Gesundheitsschutz nötig ist? Ärgerlicher als solche Wellenbewegungen sind Verantwortliche, die sich aus Furcht vor Verantwortung nichts zutrauen. Die sich aus Entscheidungsscheu an billigen Konzepten festklammern.

Gut, wenn das mal vorbeigeht. Bewegung vorausgesetzt. Wenn nicht voran, dann hinter anderen her.

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