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Von Winnetou bis zur Energiekrise – Nazis blasen zum Marsch

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Von: Katja Thorwarth

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Björn Höcke
Björn Höcke (AfD) auf einer Kundgebung. © Martin Schutt / dpa

Nazis machen Nazi-Sachen und rühren die Debatte über Winnetou mit politischen Missständen zusammen. Im Kern geht es aber um das völkisch-nationale. Die Kolumne.

Jetzt ist auch Björn Höcke auf den Empörungszug aufgesprungen. Als Rechtsextremist und AfD-Führungspersönlichkeit jazzt er auf Facebook die Verlagsrücknahme eines Winnetou-Kinderbuchs zum „Angriff auf unsere Identität“ hoch, eigenlogisch als Plan „bolschewoker Bilderstürmer“.

„Winnetou soll ein zweites Mal sterben – diesmal im Zeichen der Regenbogenfahne“, fantasiert er jenseits der eigentlichen Debatte seinen Anhänger:innen etwas vor. Wobei selbst denen klar sein könnte, dass Höcke die Auflage eines Kinderbuchs einigermaßen wurscht ist – dürfte er sich doch vielmehr auf einen ersehnten „Volkszorn“ stürzen, den etwa die Springer-Bild ordentlich herbeigeschrien hat. Aber das nur am Rande, ist ja nichts Neues, dass das Blättchen auf Teufel komm raus die Volksseele negativ befeuert.

Der sogenannte Volkszorn also ist das, was Höcke im Blick hat. Scrollt man auf seiner Facebook-Seite nach unten, finden sich dort die Ergüsse von Götz Kubitschek, seines Zeichens Höcke-Vertrauter und Gründer des als extrem rechts eingestuften „Instituts für Staatspolitik“. Der schreibt von „zersetzenden Wellen“ und davon, dass ein „Aufstand unumgänglich“ sei. Höcke spricht gar von der „Zerstörung Deutschlands“, drunter macht er es ja nicht. Auf den Punkt gebracht: Die extreme Rechte bläst zum Marsch.

Rassismus unter dem Deckmantel der Sorge: „Nord Stream 2 aufmachen und die Grenzen dicht machen“

Seit Monaten kündigen bereits „Querdenker“ Proteste im Herbst an, auch wenn sie aktuell noch einigermaßen krampfhaft versuchen, Pro-Putin und Anti-Corona in einen Marsch zu packen. Da sie aber nie zimperlich bezüglich einer Unterstützung von Rechtsaußen waren, käme ein Vordenker, wie Kubitschek einer zu sein glaubt, gerade recht: „Wir sind besser dabei. … Weil wir vielleicht etwas zurechtbiegen, …, anheizen können“, formuliert er schon einmal, wobei sein Kerninteresse wohl nicht in den Gaspreisen liegt.

Der Ex-Mentor der extrem rechten „Identitären Bewegung“ hat sicherlich bereits die Aktivitäten des einstigen Chef-Ideologen Martin Sellner verfolgt. Der ist wieder aus der Versenkung gekrabbelt und hampelte kürzlich unter dem Label „Aktion Solidarität“ an der Ostsee herum. Gemeinsam mit einem Stoßtrupp junggebliebener „Nazi-Hipster“ (Süddeutsche Zeitung) wollte er Nord Stream 2 „aufdrehen“, wobei er über sein Kernanliegen einfach nicht die Klappe halten konnte: „Unsere Interessen zuerst. Nord Stream 2 aufmachen und die Grenzen dicht machen.“

Die extreme Rechte mobilisiert: Nazis haben am Ende nur ihre eigenen Interessen im Sinn

Man kann davon ausgehen, dass die mobilisierende extreme Rechte in erster Linie diesen Part ihres politischen Pakets in Angriff nehmen will. Tatsächlich wurden in einer Spiegel-Kolumne dennoch „lagerübergreifende Proteste“ gefordert. Echt jetzt?

Richtig ist, dass die Regierung ihre Politik mehr oder weniger nach Christian Lindner (FDP) richtet, der vom Rest der Ampel ungestört Umverteilung von unten nach oben propagieren kann, und ansonsten in Sachen „Gratismentalität“ vor sich hin dilettiert. Dass die Regierung eine diffuse Gasumlage plant, dessen Profiteure – wie im Ukraine-Krieg üblich – Energieunternehmen sein dürften, sie sich aber auf eine Übergewinnsteuer nicht einigen kann, ist gleichsam wenig vertrauensbildend.

Niemals vergessen sollte man jedoch, dass Nazis Nazi-Sachen machen und wirre Winnetou-Diskussionen in einem Atemzug mit politischen Missständen nennen. Verfolgen werden sie aber stets nur ihre ureigensten Interessen, und die drehen sich nicht um soziale Gerechtigkeit. Die sind völkisch-national. (Katja Thorwarth)

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