1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen

Künstliche Intelligenz begeistert und besorgt - wieder mal Herzklopfen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Anetta Kahane

Kommentare

Wie weit wird künstliche Intelligenz gehen? Pflegeroboter „Pepper“ – hier in einer Ausstellung zum Gesundheitswesen in Dortmund 2021 – reagiert auf die Berührung an seinen Sensoren.
Wie weit wird künstliche Intelligenz gehen? Pflegeroboter „Pepper“ – hier in einer Ausstellung zum Gesundheitswesen in Dortmund 2021 – reagiert auf die Berührung an seinen Sensoren. © Bernd Thissen/dpa

Wie sehr wird die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz unser Leben verändern? Der Umbruch, in dem wir uns befinden, begeistert – und er besorgt.

Das hatte ich schon lange nicht mehr – Herzklopfen bei einer Internetrecherche. Ich mache das zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus, und das sind keine besonders schönen Beschäftigungen. Klar, dass ich da auf viel Bösartigkeit und Hass stoße. Oft fühlt sich das bedrohlich an, aber ich kann es einordnen.

Das Herzklopfen der Anfangsjahre des Hasses ist vorüber. Nicht, dass es mich kalt lassen würde, was im Netz geschieht und welche langfristigen Folgen bei Lügen, Fake News und Hetze zu beobachten sind.

Die politische Stimmung wird durch den gezielten Angriff auf Menschlichkeit, Logik und Vernunft beeinflusst und manchmal sogar vergiftet. Was man da tun kann, ist viel und wenig zugleich. Viel, weil da Institute und Institutionen sind, die zivile Gesellschaft und jede einzelne Person, die im Netz handeln können.

Wenig, weil der Druck in den sozialen Medien so enorm angewachsen ist. Unterstützt von Bots, Algorithmen und Trollfabriken wird Propaganda gemacht. Corona, Russland, Einwanderung – egal, was es gerade ist. Das ist der Stoff aus dem Verschwörungsideologien und Hass gewebt werden.

Online Dossier: Künstliche Intelligenz

Chatbots wie ChatGPT schreiben zwar nur auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten, welches Wort auf ein anderes folgt. Dennoch sind die Ergebnisse beachtlich.

Fachleute sind sich einig: Die Technik, basierend auf künstlicher Intelligenz (KI), wird unser Leben sehr schnell massiv verändern - in der Freizeit genauso wie in der Schule und am Arbeitsplatz.

Die Frankfurter Rundschau beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven in vielen Ressorts - und bündelt ihre Berichterstattung in einem Online-Dossier.

Das alles wirkt harmlos angesichts dessen, was mir nun Herzklopfen macht. In diesen Wochen ist das Phänomen der KI für künstliche Intelligenz beim „Endverbraucher“ angekommen. Also bei uns, den alltäglichen Userinnen und Usern des Internets. Ich habe mich mit der kostenlosen KI „ChatGPT“ beschäftigt und nicht nur darüber gelesen.

Fragen über ihre ethischen Grundsätze ihrer eigenen Programmierung über Rassismus und Antisemitismus, über Diskriminierung und wie sie verhindern will, dass sie von Trollen missbraucht oder kontrolliert wird, das alles hat sie ziemlich genau beantworten können.

Sie kann Programme schreiben und Limericks, Internetseiten designen und Diskriminierungen erkennen. Sie erklärt meinen Saugroboter einem 10-Jährigen und schreibt Hausarbeiten zu beliebigen Themen. Das ist beeindruckend und spooky.

Ich dachte, in meiner Lebenszeit hätte es genug Umbrüche gegeben, vom Mauerfall über das Internet, die Globalisierung, die sozialen Netzwerke. Das alles hat die Welt entscheidend verändert.

Von der KI wissen wir bisher nur, dass auch sie ein Umbruch sein wird. Die Frage ist nur, in welche Richtung? Was alles wird sie verändern? Wird sie tatsächlich alle Daten einsammeln und die Weltherrschaft anstreben? Oder wird sie wie „ChaosGPT“ mit dem Ziel, die Welt zu zerstören, den Irren aller Länder eine Plattform bieten? Wird sie die Menschen in ihrer jeweiligen Blase noch weiter isolieren? Was bedeutet sie für die Arbeitswelt?

Und immer wieder: Was wird mit den Grundsätzen der Ethik von Gleichheit, von Diskriminierungsschutz, Fairness bei gleichzeitiger Meinungsfreiheit? Die EU bereitet dazu ein Gesetz vor. Ansätze, hier Standards im Sinne einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu entwickeln gibt es durchaus.

Ich konnte mir ein Smartphone nicht wirklich vorstellen, bevor es da war. Als ich meine erste E-Mail an eine Freundin in New York schrieb, war ich erschrocken, als sie mir sofort antwortete. Mit Modem dauerte alles freilich etwas länger, aber was war schon Zeit? Und jetzt? Sagt uns die Erfahrung nicht, dass wir auf das Wie achten, wenn wir Innovation nutzen? Technologie ist toll. Ich bin begeistert und besorgt und habe ziemliches Herzklopfen.

Anetta Kahane war Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Auch interessant

Kommentare