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Erlaubt ist, was gefällt und das darf durchaus freizügig und sexy sein.
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Erlaubt ist, was gefällt und das darf durchaus freizügig und sexy sein.

Kolumne

Wie es euch gefällt

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Frauen verändern ihre Rolle im Islam. Das treiben Muslimas voran, die unter dem Schleier viel Eigensinn entwickeln.

Sie war ein Hingucker, dieses Mädchen, das über die Strandpromenade in Jaffa schlenderte. Ihre langen Beine endeten unter einem knappen Minirock, darüber trug sie einen engen Pulli, der ihren Busen wie eine zweite Haut umspannte. Und sozusagen „on top“ umschlang ein schwarzglänzendes Kopftuch ein Gesicht, das selbstbewusst verkündete, „ich lass mir nichts sagen“.

Bei Ausflügen nach Tel Aviv fällt mir stets als erstes auf, wie anders die Leute hier ticken im Vergleich zu Jerusalem. Schon erkennbar an ihrer lässigen Kleidung, die dem Motto folgt: erlaubt ist, was gefällt und das darf durchaus freizügig und sexy sein. Voriges Wochenende, dem ersten ohne coronabedingte Ausgangsbeschränkung seit längerer Zeit, gab es davon besonders viel zu sehen. Gerade auch in Jaffa, der arabisch geprägten Zwillingsstadt von Tel Aviv, wo an überlaufenen Ständen jüdische wie moslemische Familien Eiskugeln schleckten oder sich mit Fisch und Chips eindeckten. Zwischen ihnen flanierten die Lokalschönheiten: junge Muslimas in figurbetonten Outfits, manche auch in zarten Chiffon gehüllt, der dem Zufall der Meeresbrise folgend sich mal aufbauschte, mal an ihre Körper schmiegte.

Schwer vorstellbar, dass sie – soweit sie dazu ihre Haare mit einem Kopftuch bedeckt hielten – dies nur aus elterlichem Gehorsam taten. „Zieh’ an, was Du willst, aber lass’ den Hidschab auf“, käme islamischen Sittenwächtern auch nicht über die Lippen. In den geschilderten Fällen dient das Kopftuch vermutlich viel mehr als Identität stiftendes Merkmal. Schaut her, wer ich bin.

Ein Phänomen, das ähnlich in Frankfurt oder Berlin zu beobachten ist. Unter arabischen und türkischen Mosleminnen mehren sich jene, die cool, schick und modern sein wollen wie ihre Gleichaltrigen in westlichen Gesellschaften, ohne sich von ihrer Herkunft zu distanzieren. Sie wollen in beiden Welten zu Hause sein.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres indes sieht sich als Vorkämpferin des kontroversen Berliner Neutralitätsgesetzes, das Beschäftigten im öffentlichen Dienst das Tragen religiöser Symbole, ob Kopftuch, Kippa oder Kruzifix, untersagt. Vor dem Bundesarbeitsgericht kassierte die SPD-Politikerin zwar eine Niederlage. Es sprach einer moslemischen Lehrerin, die sich diskriminiert sah, weil sie wegen ihres Kopftuchs nicht in den Schuldienst übernommen wurde, eine Entschädigung von 5119 Euro zu. Doch jetzt will Scheeres in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde einlegen, was ihr grüner Senatskollege Dirk Behrendt, zuständig für Justiz, „sinnfreie Prozesshanselei“ nennt.

Ich möchte Scheeres nichts unterstellen. Aber glaubt sie wirklich, eine Lehrerin müsse unbedingt religiös neutral sein, um alle Kids gleich zu behandeln? Kann eine gläubige Muslimin, Christin, Jüdin das per se nicht genauso hinkriegen? Und ist eine vom Schuldienst ausgeschlossene Kopftuchträgerin nicht gegenüber einem männlichen Kollegen benachteiligt, für den ein Bekenntnis zum Islam kein Einstellungshindernis ist, da man ihm das nicht auf den ersten Blick ansieht?

Klar möchte man Zehnjährige davor bewahren, von stockkonservativen Autoritätspersonen eingebläut zu bekommen, sich zu verschleiern. Aber das Frauenbild im Islam ist im Wandel begriffen. Vorangetrieben von nonkonformistischen Muslimas, die unter dem Hidschab eine Menge Eigensinn entwickeln, bei der Berufswahl wie auch in Modefragen. Kopftuchverbote wirken da ziemlich passé.

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