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Vier Arten von Thunfischen, die noch vor wenigen Jahren stark gefährdet waren, haben sich im Bestand erholt.
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Vier Arten von Thunfischen, die noch vor wenigen Jahren stark gefährdet waren, haben sich im Bestand erholt.

Kolumne

Wie beim Thunfisch, so beim SUV: Erzählt uns nichts vom Pferd!

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Politische Vorgaben haben den einst gefährdeten Thunfisch gerettet. Auch für dieVerkehrswende reicht Freiwilligkeit nicht zum Erfolg. Die Kolumne.

Na also, geht doch! Vier Arten von Thunfischen, die noch vor wenigen Jahren stark gefährdet waren, haben sich im Bestand erholt. Das hat die Welt-Naturschutzunion IUCN jetzt vermeldet und streicht sie von der Roten Liste bedrohter Arten. Es waren die politischen Maßnahmen wie die Festlegung und Kontrolle von Fangquoten, worauf Fischereifachleute den erfolgreichen Kampf gegen die Überfischung zurückführen.

Das ist aber schon so ziemlich die einzige gute Nachricht, die vom Welt-Naturschutzkongress ausgeht, der gerade in Marseille stattfindet. Schockierend dagegen, dass beinahe 40 Prozent aller Hai- und Rochenarten gefährdet sind.

Nicht gut zu laufen scheint es auch für den Komodowaran, der aufgrund seiner beeindruckenden Größe und Gestalt oft als Komodo-Drachen apostrophiert wird. Schon seit knapp einer Million Jahre lebt er auf zwei kleinen Inseln im indonesischen Meer. Doch jetzt bedroht der steigende Meeresspiegel seinen Lebensraum. Seine Rolle als Motor des Tourismus könnte bald zu Ende gehen.

Um ganz andere Motoren und Tiere geht es auf der zeitgleich mit dem IUCN-Kongress laufenden IAA Mobility in München. Die Absichtserklärungen, die von dort hinausposaunt werden, klingen nach Klimaschutz, Zukunft und Nachhaltigkeit. Und VW-Chef Herbert Diess bringt sogar Tiere ins Spiel mit seiner Äußerung, bis 2030 werde die Welt der Mobilität den größten Wandel seit dem Übergang vom Pferd zum Auto erleben.

Hoffentlich erzählt Diess nicht nur einen vom Pferd. Denn eigentlich braucht Deutschland, um die Klimaziele zu erreichen, den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor schon bis 2025. Und die vor Pferdestärken strotzenden SUVs mit Elektroantrieb passen so gar nicht in die notwendig gewordene Energie- und Verkehrswende. Da setzen die Autobauer noch, um im Bild zu bleiben, aufs falsche Pferd.

Ohne staatliche Vorgaben wird es kein schnelles Ende für die Verbrenner und keine wirkliche Reduzierung des Individualverkehrs geben. Eine EU-weite Batterieverordnung mit Verpflichtungen zu mehr Kreislaufwirtschaft und sozialer wie ökologischer Nachhaltigkeit in den Lieferketten von den Rohstoffen bis zur fertigen Batterie und ihrer „Entsorgung“ wird ebenfalls nicht aus freiwilligen Leistungen der Automobilindustrie zu erwarten sein.

Das wäre fast so, als hätte man es der Fischereiindustrie überlassen, sich selbst um den Schutz der Thunfische zu kümmern. Manchmal bedarf es einfach klarer staatlicher Vorgaben, wenn etwas für Klima und Umwelt erreicht werden soll.

Es wäre viel gewonnen, wenn der autokaufende Teil der Menschheit im Umstieg auf die E-Mobilität nicht das Allheilmittel sähe, um übermotorisiert und unbeschränkt weiter brettern zu können. Wer jetzt ein Auto kauft, kann mit sparsamen Elektroantrieben und vermehrter Nutzung öffentlicher oder muskelbetriebener Transportmittel Problembewusstsein und Verantwortung beweisen. Und dem Klima helfen.

Analog dazu sollten alle, die Thunfisch wegen seines aparten Geschmacks favorisieren, ihn auch nicht üppiger aus den Dosen und von der Fischtheke verzehren, nur weil die Tiere derzeit nicht mehr als gefährdet gelten. Ohne politische Vorgaben wäre der Erfolg jedenfalls nicht von Dauer. Weder beim Thunfisch noch beim Auto.

Manfred Niekisch ist Biologe und früherer Direktor des Frankfurter Zoos.

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