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Hat die „Bild“-Zeitung eine Identitätsstörung?
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Hat die „Bild“-Zeitung eine Identitätsstörung?

Kolumne

Leidet die Bild-Zeitung unter einer Identitätsstörung?

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Es wirkt wie Gagaismus, wenn die Berichte des Boulevardblattes Bild sich nicht mehr ergänzen. Die Kolumne.

Eigentlich kann ich die Reaktion der Leute ja nachvollziehen. Gemeint sind all jene, die morgens unter meinem Arm oder im Korb meines Fahrrads eine Bild-Zeitung entdecken. Sie stutzen zuerst und stottern dann: „Wie, Du liest die Bild-Zeitung?“. Ich antworte dann immer „Ja, und zwar seit fünfzig Jahren. Ich muss doch wissen, was die schreiben. Das gehört zu meinem Job“.

Das stimmt auch. Denn während ich dies verfasse, fällt mir auf, dass noch nie eine Bild den Weg in meine Wohnung fand. Zu Hause ist privat und dort hat Bild nichts zu suchen. Gleichzeitig aber bemerke ich, dass ich mich jahrzehntelang beim Lesen des Blatts echauffierte, seit einiger Zeit aber eher wundere.

Die Bild-Zeitung hat verschiedne Persönlichkeitszustände

Mein Verdacht: Bild ist krank. Meine Diagnose: Dissoziative Identitätsstörung. Die Symptomatik ist eindeutig, nämlich das Auftreten mehrerer voneinander abgetrennter Persönlichkeitszustände, die häufig nichts voneinander wissen.

So hatte zum Beispiel unlängst die Seite 1 offensichtlich keine Ahnung, was die Seite 6 macht. Da hieß es vorne (trotz bereits galoppierender Infektionszahlen) „Malle-Urlaub in Gefahr! Regierung macht Panik mit Delta-Variante“.

Weiter hinten wurde das Schicksal des schwer an Corona erkrankten „Lindenstraße“-Schauspielers Christian Kahrmann so eindringlich beschrieben, dass daraufhin sogar der tumbste Schinkenstraßensuffkopp eigentlich sofort seine Reise zum Ballermann hätte stornieren müssen. „BILD gaga gaga?“ wäre wohl treffend, müsste sich das Blatt selbst eine Schlagzeile verpassen.

Bei der Bild-Zeitung ist alles aus dem Ruder geraten

Okay, nun ist Bild aber kein Mensch, sondern eine Zeitung. Könnte man da nicht auch von einer pluralistisch geprägten Berichterstattung sprechen? Könnte man. Wenn das Absicht wäre. Ist es aber nicht. In Wahrheit ist alles vollkommen aus dem Ruder geraten.

So wurde einerseits zu Recht das Pfeifkonzert englischer Fußballfans während des Abspielens der Nationalhymne des Gegners als respektlos kritisiert, andererseits wird beständig Ausländerhass geschürt.

So warf man Angela Merkel vor, sie habe verschwiegen, dass der Attentäter von Würzburg „Islamist“ sei. Das aber ist weder bewiesen noch von Belang. Denn der Mann leidet nachweislich unter einer Psychose. Hätte er sich als Obelix ausgegeben, hätte man es dann der Kanzlerin auch angekreidet, das nicht zu erwähnen?

Bild-Zeitung: Gagaismus at its best

Und dann titelte man in großen Lettern vom „Schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten“, während Chefredaktionsmitglied Claus Strunz im „Presseclub“ der ARD die von Bild initiierte Demontage Annalena Baerbocks als „Journalismus at its best“ bezeichnete. Soweit nur wenige Beispiele von vielen.

Es ist zwar nicht wirklich ein gemütserhellender Ratschlag, aber kaufen Sie sich mal zwei Wochen lang täglich Bild (nicht länger, sonst droht Long Stupid) und achten Sie auf die Widersprüchlichkeiten im redaktionellen Output – und überlegen Sie sich, was das mit einem zurzeit nicht sonderlich stabilen Volk macht.

Doch das kann keine Absicht sein. Das ist Gagaismus at its best – und fahrlässige Anstiftung zum ungewollten Abhandenkommen des gesunden Menschenverstands. So bleibt mir in Anlehnung an ein Bonmot des Literaturkritikers Denis Scheck nur die Folgerung: Wenn diese Zeitung ein Pferd wäre, müsste man es erschießen. (Michael Herl)

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