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Boeing-Ingenieure begutachten eine 737 Max.
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Boeing-Ingenieure begutachten eine 737 Max.

Kolumne

Westlicher Überheblichkeitswahn

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Wenn Washington und US-Konzerne Entschädigungen zahlen, gibt es für Menschen aus den USA mehr Geld als für Menschen aus Afrika. Die Kolumne.

Zur Erinnerung: Am 10. März 2019 stürzt ein Flugzeug der Ethiopian Airlines wenige Minuten nach dem Start vom Flughafen in Addis Abeba ab. Alle 157 Insassen der Boeing-Maschine 737 Max 8 kommen ums Leben. Sogleich wird im Westen, allen voraus den USA, der Verdacht geäußert, dass es sich um einen Pilotenfehler gehandelt haben muss: Was ist von afrikanischen Flugzeugführern schon zu erwarten?

Obwohl fünf Monate vorher eine indonesische Maschine desselben Typs unter ähnlichen Umständen abgestürzt war, bleiben US-„Experten“ bei ihrem reflexartigen Urteil. „Man muss schon fliegen können“, sagt Sam Graves, einstiger Berufspilot und republikanischer Abgeordneter aus dem US-Bundesstaat Missouri, bei einer Anhörung des US-Kongresses: „In den USA ausgebildete Piloten hätten diese Situationen erfolgreich bewältigt.“

Die Anschuldig afrikanischer Piloten ließ sich allerdings nicht lange halten. Untersuchungen des Unfalls brachten zum Vorschein, dass es sich um einen Fehler in der Konfiguration des Bordcomputers handelte: Sämtliche fast 400 Max 8-Flugzeuge der Welt wurden 20 Monate lang aus dem Verkehr gezogen.

Vergangene Woche übernahm der US-Konzern Boeing schließlich einem Gericht in Chicago „die volle Verantwortung“ für den Absturz: Die Piloten wurden von jeglicher Mithaftung entlastet. Nun können die Hinterbliebenen vom Flugzeugbauer Boeing endlich Schadensersatz verlangen.

Womit das nächste Problem beginnt. Aller Voraussicht nach wird der Schadensersatz für die 51 afrikanischen Familien, die bei dem Absturz ihr Kind, ihren Vater, ihre Mutter oder ihre Schwester oder Bruder verloren haben, nicht in derselben Höhe ausfallen wie jener für die acht getöteten US-Staatsbürgerinnen und-Staatsbürger oder die 73 aus westlichen Staaten stammenden Opfer. Deren Wert wird deutlich höher veranschlagt – wie bei einem anderen Fall von Wiedergutmachung kürzlich deutlich wurde.

Es ging um die 224 Todesopfer, die zwei synchronisierte Terroranschläge auf die US-Botschaften in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und der tansanischen Hafenstadt Dar-es-Salam im August 1998 verursachten. Der verheerende Schlag war von dem damals im Sudan lebenden Al-Kaida-Chef Osama bin Laden geplant und mit Hilfe sudanesischer Sicherheitsorgane ausgeführt worden: Deswegen konnten die Hinterbliebenen bei der Geltendmachung ihrer Ansprüche den sudanesischen Staat verantwortlich machen. Der Supreme Court in Washington sprach ihnen vier Milliarden Dollar Schadensersatz mit Strafzahlung zu.

Selbstverständlich reagierte der „Schurkenstaat“ zunächst nicht. Erst als Militärdiktator Omar al Bashir vor zwei Jahren mit einem Volksaufstand aus dem Amt gefegt war, und die neue Regierung von der US-Liste der Terrorstaaten genommen werden wollte, konnte man sich der Forderung nicht länger verschließen.

Die Trump-Administration bot dem bankrotten Staat ein Schnäppchen an: Für 335 Millionen Dollar sei der Persilschein zu haben – die Sudanesen bezahlten. Und mussten verblüfft mit ansehen, wie Washington die Wiedergutmachungssumme schließlich aufteilte: Für getötete US-Bürgerinnen und -Bürger gab es jeweils drei Millionen Dollar, örtliche Beschäftigte der Botschaften waren 400 000 Dolllar wert, die Hinterbliebenen aller anderen afrikanischen Opfer gingen leer aus. Beispiele wie diese belegen den westlichen Überheblichkeitswahn.

Johannes Dieterich berichtet für die FR aus und über Afrika.

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