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Drei israelische Soldatinnen genießen in der Ben & Jerry‘s Fabrik in Be‘er Tuvia im Süden Israels ein Eis.
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Drei israelische Soldatinnen genießen in der Ben & Jerry‘s Fabrik in Be‘er Tuvia im Süden Israels ein Eis.

Kolumne

Wenn Eis zum heißen Eisen wird

Israel streitet, weil eine US-Firma ihre Produkte nicht mehr in den besetzten palästinensischen Gebieten verkaufen will.

Bei Speiseeis schlägt meine konservative Seite durch. Seit Kindheitstagen entscheide ich mich nahezu konstant für Zitrone und Himbeere. Modische Kreationen wie Salzkaramell oder Lakritz sind mir suspekt. Auch Ben & Jerry’s Spezialität, Kekskrümel mit Eiscreme zu vermengen, vermag ich an und für sich nichts abzugewinnen.

Doch um solcherlei Geschmacksfragen geht es nicht bei der Kontroverse, ob man nun mehr oder weniger Ben & Jerry’s schlecken sollte. Das vorherrschende Thema, das seit Wochenbeginn – soweit sich das aus meiner urlaubsbedingten Berliner Distanz verfolgen lässt – viele Israelis umtreibt (und wie immer, sobald der Nahostkonflikt ins Spiel gerät, nicht nur sie).

Die Sache ins Rollen gebracht haben die jüdisch-amerikanischen Eisfabrikanten Ben Cohen und Jerry Greenfield aus dem US-Bundesstaat Vermont, als sie verkündeten, mit ihren Werten sei ein Verkauf ihrer Produkte in den besetzten palästinensischen Gebieten unvereinbar. Ergo wolle man die Lieferungen dorthin beenden, und zwar ab übernächstem Jahr, wenn der Vertrag mit dem bisherigen Lizenznehmer auslaufe. Israel bleibe selbstredend davon ausgenommen. Doch die aufgebrachten Gemüter vermochte diese Versicherung nicht zu beruhigen.

„It’s a thin line between love and hate“ – mir fällt da der alte Songtitel der Pretenders, gesungen von Chrissie Hynde, zur Beschreibung ein, wie abrupt ein Lieblingseis zum Hassobjekt werden kann. Jedenfalls stellte die israelische Wirtschaftsministerin prompt ein Video ins Netz, das sie bei der Entnahme einer Ben & Jerry’s-Packung aus der Kühltruhe daheim und der Beförderung in den Mülleimer zeigt. Oppositionschef Benjamin Netanjahu gab zum Besten, jetzt wisse man wenigstens, welches Eis man nicht mehr esse. Und sein Nachfolger im Premieramt, Naftalie Bennett, rief beim Vorstandschef von Unilever, dem Mutterkonzern von Ben & Jerry’s, an, um persönlich mit rechtlichen Schritten zu drohen.

Große Erfolgsaussichten sind damit nicht verbunden, obwohl 35 US-Staaten Anti-BDS-Gesetze erlassen haben, also gegen die pro-palästinensische Bewegung Boykott, De-Investionen und Sanktionen. Nur fällt die Weigerung einer Firma, besetzte Gebiete zu beliefern, kaum darunter. Dennoch dürfte der von Israels Außenminister Jair Lapid geäußerte Vorwurf, Ben & Jerry’s habe vor BDS und dem Antisemitismus kapituliert, die beiden Eisverkäufer Cohen und Greenfield nicht gerade kalt lassen.

Andererseits haben sich die Zwei, die Black Lives Matter, Fairtrade und Projekte für Geflüchtete unterstützen, schon an eine Menge „heißer Eisen“ gewagt. Ihr Firmenethos, nachzulesen auf der Ben & Jerry’s Website, klingt ähnlich progressiv wie die gesellschaftspolitischen Ideen von Bernie Sanders, knorriges Idol linker US-Demokraten, der ebenfalls aus Vermont stammt, für Israel eintritt, aber dessen Siedlungspolitik scharf kritisiert.

Klar doch, keine Siedlerfamilie wird aus dem Westjordanland wegziehen, weil es dort künftig keine Ben & Jerry’s-Becher für die Kids zu kaufen geben soll. Trotzdem gibt es gute Gründe, warum selbst einige israelische Produzenten wie etwa Soda Stream ihre Standorte ins Kernland zurückverlegt haben.

Sogar die sonst so zögerliche Europäische Union schloss seinerzeit mit Verweis auf internationales Recht die Westbank-Siedlungen von ihrem Förderprogramm Horizont 2020 aus. Mit Nachahmern ist denn auch zu rechnen. So sicher, wie Eis in der Sonne schmilzt.

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