Kolumne

Wenn der Affe die Fliege macht

  • vonManfred Niekisch
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Das Urteil gegen Patente auf genmanipulierte Tiere könnte ein grundsätzliches Umdenkeneinläuten. Am Leid von Labortieren ändert es nichts.

Es ist ein durchweg erfreuliches Urteil, und doch löst es das Hauptproblem nicht. Endlich, nach Jahren der Auseinandersetzung, hat die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) vor wenigen Tagen ein klares Urteil gefällt. Danach sind genmanipulierte Schimpansen und andere Tiere nicht patentierbar.

Die US-amerikanische Firma Intrexon hatte Patente unter anderem auf Schimpansen angemeldet, denen man Teile von Insektengenen eingepflanzt hatte. Tierschutz- und Umweltorganisationen sowie die weltbekannte Primatenforscherin Jane Goodall feierten den Erfolg der Ablehnung. Er ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem völligen Verbot von Patenten auf Tiere, an deren genetische Veränderungen vorgenommen wurden.

Wer sich fragt, wie Menschen überhaupt auf die Idee kommen, der Evolution derart ins Handwerk zu pfuschen, findet seine Antwort unter dem Stichwort „Profit“. Dass manche Forscher sich dabei über ethische und moralische Bedenken hinwegsetzen, ist schlimm genug. Dass sie leidensfähige Tiere aber nur als Forschungsobjekte sehen, rührt an menschliche Grenzen, denn Menschen sollten doch selbst mitfühlende Wesen sein.

Patente sichern die Vermarktungsrechte für Turbokühe mit unnatürlich hoher Milchleistung, für Schweine, die mehr Koteletts liefern, als die Natur vorgesehen hat. Und damit des Verbrauchers Lieblingsfisch schnell und billig produziert werden kann, brachte die kanadische Firma AquaBounty schon vor Jahren Lachs an die Fischtheken, der dank der Einschleusung von Erbgut zweier anderer Fischarten viel schneller wächst als „echte“ Individuen.

Es geht nicht um Qualität, sondern allein um den schnellen Gewinn. Die zahlreichen Risiken für Arten und Umwelt, wenn genmanipulierte Organismen aus Labors und Zuchtanstalten entweichen, sind bei weitem nicht erfasst, aber wenn sie sich manifestieren, meist irreversibel. Gern bringen Befürworter der Genmanipulation das Argument vor, schließlich habe es erst die Gentechnik ermöglicht, dass Bakterien Insulin produzieren, auf das menschliche Diabetiker dringend angewiesen sind. Richtig, doch hier geht es um wirklich essenziellen medizinischen Nutzen und um nichtleidensfähige Lebewesen.

Die in Fachkreisen berühmte Harvard-Krebsmaus, die als erstes Tier vor drei Jahrzehnten in den USA Patentschutz erhielt, wurde ganz ohne Eigenverschulden zum Türöffner für weit über eintausend Patentanmeldungen auf Tiere.

Schon damals gab es heftige Kritik, und aus heutiger Sicht können wir uns die Erkenntnis erlauben, dass der medizinische Erfolg der Maus gegen null ging. Doch bildete seitdem der Patentschutz einen großen finanziellen Anreiz, weiter am Erbgut von Tieren herumzubasteln und sich das lebende Ergebnis schützen zu lassen.

Mit dem jetzigen Urteil zu den Schimpansen könnte endlich ein grundsätzliches Umdenken einsetzen, was die Patentierung von Tieren angeht. Es ging allerdings lediglich um die rechtliche Frage, ob genetisch veränderte Tiere patentierbar sind. Das Ende von Tierversuchen wurde damit nicht eingeläutet. Das Leiden der Versuchstiere darf weitergehen.

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