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Kolumne

Incels: Weiß und rechtsradikal - Ihr Hass auf Frauen steigt mit ihrer Emanzipation

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Incels sind Männer, die Frauen hassen und ihnen Gewalt androhen. Und das vor allem, weil sie die Kontrolle über sie verlieren. Die Kolumne in der FR.

  • Veronika Kracher hat ein Buch über „Incels“ veröffentlicht.
  • Incles sind Männer mit ausgeprägtem Frauenhass.
  • Gesellschaftliche Entwicklungen verstärken ihren unbändigen Hass auf Frauen.

Der Lockdown vernebelt den Geist. Immer nur das eigene Zimmer, Spaziergänge ab und an und das Arbeiten am Computer. Deshalb versuche ich zwischendurch etwas Cooles zu lesen. Auf echtem Papier.

Ein sehr interessantes, gut geschriebenes Buch von Veronika Kracher hat es mir besonders angetan, denn ich habe daraus etwas Wichtiges gelernt. Veronika Krachers Buch heißt „Incels“. Das bedeutet „Involuntary celibates“, unfreiwillig Zölibatäre. Es handelt sich um eine Internetsubkultur von Männern, die der Meinung sind, sie hätten ein Anrecht auf Sex mit Frauen.

Sie hassen Frauen und zwar so sehr, dass sie permanent ihre Gewaltfantasien und Verachtung ins Netz stellen und sich gegenseitig darin anfeuern. Einige der um sich mordenden Amokläufer waren Incels. Sie sind also auch in der Realität sehr gefährlich.

Incels: Weiße, rechtsradikale und internetaffine Männer

Weiß, rechtsradikal und internetaffin, denken sie, dass ihnen die Welt zusteht, vor allem die Frauen. Ihr Frauenhass wirkt wie eine ein zusammengekochtes Konzentrat aus allen denkbaren Mord- und Vergewaltigungsszenarien.

Eigentlich hat es solche Typen immer gegeben. Denken wir nur an die Femizide, die mörderische Gewalt gegen Frauen hier und überall. Gerade in der Corona-Pandemie sind Frauen gefährdet. Anspannung, Wut und die uralten Muster kommen zurück: bei Frauen und Kindern den eigenen Stress abzuladen.

Und nein, das ist keine „Spezialität“ in migrantischen Communitys. In deutschen wird es nur euphemistischer als Familiendrama bezeichnet und weniger als Skandal dargestellt.

Die Installation „Broken“ des Künstlers Dennis Josef Meseg machte im Dezember 2020 am Potsdamer Platz in Berlin auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

Incels verlieren ihr Machtssystem, Frauen bestimmen mehr über sich und ihre Kinder

Incels sind aber noch etwas Anderes, als Männer, die ihre Frauen verprügeln, vergewaltigen oder sogar umbringen. Incels bringen ihr vermeintliches Problem auf den Punkt und das hat, so paradox es klingt, mit Fortschritt in den liberalen Demokratien zu tun. Denn die Emanzipation der Frauen hat einen gewaltigen Sprung gemacht. Gewiss ist er noch nicht groß genug bis zur vollen Gleichstellung. Doch etwas Entscheidendes ist geschehen.

Die Männer verlieren, um es kurz zu sagen, die Kontrolle über die Frauen und über ihren Nachwuchs. Sie verlieren ihren Anspruch auf Dominanz und sexuelle Verfügbarkeit. Sie verlieren so Stück für Stück ihr eigenes, ganz persönliches und gesellschaftliches Machtsystem, das auf einer autoritären Struktur gegründet ist.

Früher mussten alle Frauen heiraten, sonst galten sie als Außenseiterinnen. Heiraten war ihr Lebenszweck. So bekam jeder Topf einen Deckel, also jeder Mann eine Frau, über die er verfügen und deren Nachwuchs er formen konnte. Heute suchen sich die Frauen ihre Männer aus, vielleicht sogar solche, die nicht weiß und nerdig sind oder wählen andere Lebensweisen. Sie bestimmen viel mehr als früher über ihre Kinder.

Incels reagieren mit Hass auf selbstbestimmte Frauen

Die Incels reagieren genau darauf mit unbändigem Hass auf Frauen. Sie wollen sie zurück, als Deckel auf ihrem Topf, als Kreaturen, die man benutzt, wahlweise als Eigentum oder Abfall.

Ehrlich gesagt ist das Recherchieren in deren Foren eine Zumutung, widerwärtig, abgründig. Und sehr lehrreich. Denn die Radikalität zu kennen bedeutet, auch etwas über unsere Gesellschaft zu verstehen, in der die Hälfte der Bevölkerung, trotz Fortschritt noch immer benachteiligt ist und täglich Diskriminierung erfährt.

Veronika Kracher gebührt großen Dank dafür, dass sie für uns diesen Schmutz analysiert hat. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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