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Ein palästinensicher Mann, der ein Weihnachtsmann-Kostüm trägt, winkt in die Kamera. Er reitet auf einem Kamel durch Jerusalems Altstadt.
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Ein palästinensicher Mann, der ein Weihnachtsmann-Kostüm trägt, winkt in die Kamera. Er reitet auf einem Kamel durch Jerusalems Altstadt.

Kolumne

Weihnachten in Israel: Kleine Festtags-Fluchten

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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In Jerusalem wird an Heiligabend der Soundtrack aus Sabbatsirenen, Glockengeläut zur Christvesper und Muezzin-Rufen erschallen.

Jerusalem - Weihnachten kann mich mal. Stimmt natürlich nicht ganz. Einfach ignorieren lässt sich Heiligabend schwerlich. Nicht nur der Kindheitserinnerungen wegen, als man das Fest kaum erwarten konnte, das Glöckchen vor der Bescherung, das Glück beim Anblick der Tannenbaumlichter im Wohnzimmer.

Später, nach dem Auszug von zu Hause, wurde einem die im Familienkreis zelebrierte Gefühlsduselei irgendwann zu viel. Allerdings endete auch die Pokerrunde, zu der wir uns in der Frankfurter WG alternativ zur Stillen Nacht verabredeten, im Missklang aus überreizten Karten und Nerven.

Mit den Jahren kehrten wir dann wieder zurück zu weihnachtlichen Konventionen, sei es aus Rücksicht auf die Eltern oder eigene Kinder oder aus Liebe zu Gänsebraten. Manche gruselt es schon bei der Vorstellung, ausgerechnet an 24/12 allein daheim zu hocken. Entsprechend groß ist der Planungsdruck, den Abend mindestens in trauter Zweisamkeit, besser noch in einer Art familiärer Geselligkeit zu verbringen.

Weihnachten in Israel: Partys und Konzerte

Meine schnell ins Handy getippte Antwort auf die Anfrage eines alten Freundes, was ich denn so über die Festtage vorhabe, klingt denn auch rotziger als sie gemeint ist: „Weihnachten kann mich mal.“

Aber Jerusalem, mein Zweitwohnsitz, macht es mir da tatsächlich leicht. Wem nicht nach weihnachtlicher Stimmung zumute ist, bleibt im jüdischen Westteil oder im moslemischen Ostteil davon weithin verschont. Weshalb der Spaziergang durch das christliche Altstadtviertel, geschmückt mit blinkenden Sternen, Glitzergirlanden und aufblasbaren Santa Claus-Männern, umso mehr alle Jahre wieder ein Erlebnis ist.

Für mich gehört das zu den reizvollen Seiten am „Heiligen Land“: Man kann als Feiertagsmuffel jedweder Religion (und das betrifft zugegebenermaßen eher eine Minderheit) immer irgendwohin ausweichen oder auch spontan mitmachen. Hauptsache, man muss nicht.

Jüdische Israelis, denen der gebotene Verzehr ungesäuerter Matzen während der Passahwoche zu viel wird, holen sich frisches Brot in der arabischen Bäckerei. Ebenso halten sich nicht jeder Moslem und jede Muslima strikt an die Fastenvorschriften im Ramadan, sobald sie sich auf der Westseite Jerusalems befinden.

Jerusalem an Heiligabend: „Jeder nach seiner Fasson“

Das christliche Abendland gibt sich natürlich in religiöser Hinsicht noch liberaler. Mit Partys und Konzerten „Weihnukka“ zu feiern – ein Begriff, der im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum geprägt wurde, um Weihnachten und das meist in die Adventszeit fallende jüdische Lichterfest Hanukkah zu verschmelzen – ist wieder in. Damit sich niemand außen vor gelassen fühlt, hat sich in den USA der Trend hinzugesellt, statt „Merry Christmas“ allseits „Happy All-idays“ zu wünschen.

Über die auch kommerziell zur Anfeuerung des Geschenkerauschs genutzte Wortneuschöpfung mokierte sich kürzlich Jodi Rudoren, Chefredakteurin des inzwischen online in englisch und jiddisch erscheinenden Magazins „Forward“. Man müsse nicht alles verrühren. Sie zünde am Sabbat lieber die Kerzen ihrer Menora an. Mit Weihnachten habe sie als Jüdin nichts am Hut, das bringe sie wie gewohnt mit Essen vom Chinesen und Kinobesuchen rum.

Derweil wird in Jerusalem an Heiligabend der Soundtrack aus Sabbatsirenen, Glockengeläut zur Christvesper und Muezzin-Rufen erschallen – hintereinander weg oder auch sich überschneidend. „Jeder nach seiner Fasson“, werde ich denken und mit meinem Liebsten eine Flasche Wein der Edition „Stubborn Saints“ (Sture Heilige) köpfen. (Inge Günther)

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