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Was zu tun ist

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Von: Inge Günther

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Manche legen sich schon einen ungewöhnlich großen Vorrat an Holz für den Winter an.
Manche legen sich schon einen ungewöhnlich großen Vorrat an Holz an, um im Winter Energie sparen zu können. Man kann ja nie wissen (Symbolbild). © Martin Schutt/dpa

Nicht alle Tipps zum Energiesparen sind hilfreich. Konsumierende sind aber lernfähig - vor allem, wenn es ums Geld geht.

So viel steht fest, der nächste Winter wird hart“, sinniert M. und nippt an ihrem Glas Weißwein. „Da kommt noch einiges auf uns zu.“ Was genau, weiß niemand in der Gästeschar zu sagen, die bei offener Balkontür den lauen Berliner Sommerabend genießt. Nur, dass man sich wohl wird warm anziehen müssen.

Anekdoten über die Vorzüge von Wohnungen mit Ofenheizung, wie sie vor Jahrzehnten noch verbreitet waren, machen die Runde. Damals wurde man wegen des täglichen Kohleschleppens in den vierten Stock bedauert. Künftig wäre es vermutlich von Vorteil, noch so einen Bollerofen zu haben, wenn die Fernwärme auf lau abgesenkt wird.

„Aber Brennholz ist auch schon irre teuer geworden“, wirft M. ein. Als Alt-Berlinerin erinnert sie an den im Nachkriegswinter 1945/46 abgeholzten Großen Tiergarten, dessen Baumbestand weitgehend als Heizmaterial verfeuert wurde. Na ja, so schlimm wird es nicht werden. Gequältes Schmunzeln, Thema abgehakt, ist ja noch hin, bis die Kaltsaison beginnt. Apropos, ist noch kühler Weißwein da?

Hej, „it is summertime and the living is easy“, geradezu unfassbar leicht inmitten von mutierenden Corona-Varianten, Ukrainekrieg ohne absehbares Ende, programmierten Hungersnöten in den ärmeren Erdteilen und millionenfachen Flüchtlingsschicksalen. Man lebt schließlich im Hier und Jetzt und das möglichst entspannt. Auch wenn uns mitunter das Gefühl beschleicht, auf einem Vulkan zu tanzen.

Ungewiss, wann der wieder Lava ausspuckt. Also machen wir uns lieber mal nicht verrückt, solange das Unheil nicht vor der Tür steht. Beispiel Covid: Bevor der Virenausbruch uns vor zweieinhalb Jahren ziemlich kalt erwischte, hielten die meisten von uns die Gefahr einer Pandemie für wenig reell, eher was für Science-Fiction. Besser wissen wir es erst im Rückblick.

Bis zum 24. Februar, dem russischen Überfall auf die Ukraine, glaubten auch die wenigsten, dass Putin tatsächlich Ernst machen würde. Obwohl es keine gute Erklärung dafür gab, warum sonst der Möchte-Gern-Zar über Monate hinweg Truppen von 100 000 Mann an der Grenze postieren ließ.

Bei Krisen mit eindeutiger Ansage ist es mit dem menschlichen Vorstellungsvermögen allerdings ebenfalls nicht weit her. Der Klimawandel ist zwar längst da, ein unleugbarer Fakt. Doch die Katastrophe scheint immer noch weit weg genug, um nötige Konsequenzen zu vertagen. Da geht uns die drohende Energieknappheit schon näher, die inflationär steigenden Preise für Gas, Öl und vieles andere mehr, die düsteren Vorhersagen für einen Winter, der ziemlich ungemütlich zu werden verspricht.

Meine Freundin U., darauf abonniert, ihr Verhalten frühzeitig schlimmsten Befürchtungen anzupassen, geht zumindest couragiert voran. Sie gewöhne sich gerade an, ihre Zähne nur noch mit kaltem Wasser zu putzen, berichtet sie, stolz.

Dutzendfach Tipps zum Energiesparen finden sich zudem online. Vieles davon ist nützlich, anderes eine Herausforderung. Wie etwa der Rat, den Kühlschrank nicht länger als fünf Sekunden zu öffnen und sich vorher zu überlegen, was man rausholen wolle. Nicht nur meinem „Significant Other“ gelingt das selten ohne ausgiebige Inaugenscheinnahme diverser Kühlfächer.

Die nötige Schwarmintelligenz zwecks Reduktion des Stromverbrauchs lässt noch zu wünschen übrig. Aber wir Konsumenten sind ja lern- und anpassungsfähig. Wenn’s an den Geldbeutel geht allemal.

Inge Günther ist Autorin.

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