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Dass Bild-Chefredakteur Julian Reichelt entlassen wurde, ändert nichts an der journalistischen Ausrichtung der Zeitung. (Symbolbild)
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Dass Bild-Chefredakteur Julian Reichelt entlassen wurde, ändert nichts an der journalistischen Ausrichtung der Zeitung. (Symbolbild)

Kolumne

Springer: Bild mit neuem Chef, aber den üblichen Stupiditäten

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Der unsägliche Chefredakteur Reichelt wird entlassen. Aber ändert das etwas an der Stupidität des Boulevardblatts? Die Antwort: Nein. Die Kolumne.

Frankfurt - Eigentlich hatte ich insgeheim ein Fünkchen Hoffnung. Denn irgendwie fühlte ich mich wie der letzte Depp, weil ich mich als so ziemlich Einziger in der aufgeklärten Presselandschaft in regelmäßigen Abständen immer wieder des Themas Bild-Zeitung annahm. Dabei kann ich gut verstehen, dass viele Kolleginnen und Kollegen aus lauter Abscheu die journalistischen Ungeheuerlichkeiten dieses Blatts absichtlich gar nicht mehr wahrnehmen oder gar nicht mehr wahrnehmen wollen – also gar nicht erst ignorieren.

Ich hatte sogar häufig das Gefühl, der Einzige zu sein, der Bild täglich liest. Doch sollte es so sein, könnte ich auch das nachvollziehen. Denn wer will sich schon vorsätzlich täglich aufregen. Wie ich seit Jahrzehnten die Portion Masochismus aufbringe, es dennoch zu tun, weiß ich beim besten Willen nicht. Ich müsste nur morgens mal „Heute keine ,Bild‘“ sagen, wenn mir die Frau am Kiosk meinen üblichen Stapel Zeitungen bereitlegt. Ich tat es nie.

Neuer Chef bei der Springer-Bild: Tähliche Bild-Leküre und das AfD-Wahlprogramm

Wenn irgendwelche Zweifler in mir dagegen aufbegehren, sage ich ihnen immer: „Ich muss doch wissen, was in der Welt der anderen geschieht.“ Oder: „Ich aale mich hier in meiner Blase Frankfurt-Nordend, die Realität ist woanders.“ Womöglich aber tue ich es auch aus den gleichen Beweggründen, weswegen Jugendliche sich ritzen. Das wäre also eine Art intellektuelle Selbstverstümmelung. Meine Güte. Darüber darf ich gar nicht weiter nachdenken.

Andererseits wäre es ja auch fahrlässig, nicht das Wahlprogramm der AfD zu lesen. Das ginge in eine ähnliche Richtung. Also weiter Bild. Und AfD. Das Leben ist kein Ponyschlecken.

Julian Reichelt als Bild-Chef entlassen: ein Fünkchen Hoffnung

Doch unlängst, wie gesagt, keimte ein Fünkchen Hoffnung auf. Sie hatten den Unsäglichsten der Unsäglichen abgesetzt, Chefredakteur Julian Reichelt. Die Gründe dafür sind bekannt, und der ganze Vorgang wirft kein Glanzlicht auf die Freiheit des deutschen Journalismus. Aber das ist ein anderes Thema. Doch obwohl man Reichelt nicht wegen reaktionärer Agitation entließ, war ich gespannt, ob das Blatt vielleicht zu altbekannter Manier zurückfinden würde. Also zu einer Mischung aus Blutrünstigkeit, Voyeurismus und einer Art von Humor, die man nicht mögen muss, aber akzeptieren kann.

Mein erstes Fazit: Es sieht schlecht aus. Auch wenn aus eingeweihten Kreisen zu hören ist, das brauche seine Zeit – im Blatt ist von einer Veränderung nichts zu bemerken. Sieht man von einfältigen Stupiditäten ab, zum Beispiel EZB-Präsidentin Christine Lagarde als „Chanel-Frau“ zu beschimpfen, die „Sparer und Rentner“ arm mache, hat man sich auf die Verteidigung des Automobils als letzten Garanten „unser“ aller Freiheit eingeschossen.

Bild attackiert wie stets die Grünen

„Monster-Angriff auf ‚unser‘ Auto“, wurde da unlängst geschlagzeilt. Ziel der Attacken sind die Grünen, die „uns“ die Parkplätze wegnehmen, „unsere“ Autobahnen nicht weiterbauen, „uns“ Fahrverbote auferlegen und „uns“ zu Tempo 130 auf Autobahnen und Tempo 30 in Städten zwingen wollten. Wenn die Grünen das nur täten, denke ich mir da, dann täten sie das, was sie eigentlich tun müssten – aber nur zu häufig nicht tun.

Ich hoffe, dass „wir“ nicht die sind, die Bild mit „uns“ meint. Und bin trotz täglichen Bild-Konsums immer noch optimistisch. Wer weiß, woher ich das nun schon wieder nehme. Der Autor: Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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