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Ein Löschflugzeug im Einsatz.
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Ein Löschflugzeug im Einsatz.

Kolumne

Waldbrände, Flutkatastrophen, Kriege: Ist das die neue Realität?

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Waldbrände, Flutkatastrophen, Kriege: Gefahr ist allenthalben im Verzug, das zeigt die globale Gemengelage. Doch es gibt Hoffnung. Die Kolumne.

Seit Tagen geht er mir nicht aus dem Ohr. Dieser Protestsong aus den wilden Sixties, der so verdammt nach Bob Dylan klingt, aber von Bobby McGuire stammt, der stimmlich ein ähnlich raugeschliffenes Organ besaß und eigentlicher Urheber dieses Gänsehautstücks „Eve of Destruction“ ist. Schon seltsam, wie treffsicher das Unterbewusstsein einen ewig nicht gehörten Titel als Ohrwurm aktiviert. „But you tell me over and over and over again, my friend, you don’t believe we’re on the eve of destruction.“ Was natürlich insinuiert, mein Freund, dass die Welt in Wahrheit längst aus den Fugen geraten ist.

Am Abend bin ich mit den dramatischen Fernsehbildern aus Kabul im Kopf eingeschlafen und am Morgen aufgewacht mit einem Brandgeruch in der Nase. Über Nacht ist er zu Wochenbeginn herübergezogen nach Jerusalem von dem Flammenmeer in den bewaldeten Hügeln südwestlich der Stadt. Dort, wo wir sonst in kühleren Jahreszeiten bei ausgedehnten Spaziergängen Sauerstoff tanken.

Der Klimawandel lässt beißend grüßen. Nicht minder fassungslos macht uns der Siegeszug der Taliban in Afghanistan, der – man kommt nicht drum herum – eine böse Niederlage für die Supermacht USA und ihrer, unter anderen, auch deutschen Verbündeten ist. Beides hat unmittelbar nichts miteinander zu tun. Aber die Rasanz, mit der schlimmste Befürchtungen ihren Lauf nehmen, hat uns mächtig überrumpelt. Ist das die neue Realität, an die wir uns schlechterdings gewöhnen müssen? An eine Existenz, der mir-nichts-dir-nichts die Grundlage entzogen werden kann? Nicht nur am Hindukusch, sondern quasi auch vor der eigenen Haustür? So wie im Ahrtal, wo eine Sintflut Menschenleben und massivste Bauten aus Stahlbeton mit sich riss.

Im Vergleich zu anderen Ländern im östlichen Mittelmeerraum hat Israel die tobende Feuersbrunst noch recht glimpflich überstanden. Aber tagelang war die Situation mehr als brenzlig. Nach dem letzten, außergewöhnlich regenreichen Winter loderte die besonders üppige, nur eben in der rekordträchtigen Augusthitze längst knochentrockene Vegetation wie Zunder. Wenn sich die Flammen nicht bald eindämmen ließen, hieß es in den Nachrichten, müsse gar das Universitätsklinikum Haddassah am Stadtrand mit mehr als tausend Kranken evakuiert werden. Das Worst-Case-Szenario blieb aus. Der Himmel über Jerusalem ist wieder blau. Auch wenn nach Abzug der schaurig fotogenen Rauchwolken die düstere Hinterlassenschaft, eine verkohlte Mondlandschaft im Ausmaß von annähernd 4500 Fußballfeldern, erst richtig offenbar wird.

Die Feuer ließen sich, zumindest bislang, ohne angebotene Verstärkung der selber in Brandkatastrophen schwer geprüften Griechen und nicht gerade israelfreundlichen Türken eindämmen. Dass wiederum Ramallah den Einsatz mit vier palästinensischen Löschzügen unterstützte, wurde bis hin zum israelischen Verteidigungsminister mit Dank und Lob bedacht. Im Anblick unmittelbar bedrohlicher Naturgewalten stellt man beidseits den Nahostkonflikt durchaus mal hintan, zumindest für den Moment.

Diese „Happy Note“ soll am Schluss nicht fehlen. Weil sie ein bisschen Hoffnung auf menschliche Vernunft birgt, sich am „Vorabend der Zerstörung“, dem „Eve of Destruction“, über ideologische, nationale und religiöse Eigeninteressen hinwegzusetzen. Denn Gefahr, das zeigt die globale Gemengelage, ist allenthalben im Verzug. Und längst nicht nur klimabedingt.

Inge Günther ist Autorin.

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