Für eine ganz spezielle Art Mensch bedeutet Maskentragen eben Diktatur.
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Für eine ganz spezielle Art Mensch bedeutet Maskentragen eben Diktatur.

Kolumne

Corona-Maskenpflicht? Von wegen beschnittene Freiheit!

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Wer sich durch die Pflicht, eine Maske zu tragen, bevormundet fühlt, sollte erst einmal das eigene Verhalten hinterfragen. Die Kolumne.

Eigentlich sollte man sich ja nicht in die Angelegenheiten anderer Leute einmischen. Das riet schon die Oma, und die hatte bekanntlich immer recht. Man denke nur an ihre Erkenntnis, wonach die Zeit im Alter schneller vergehe. Sie bewahrheitet sich von Jahr zu Jahr mehr. Sie gehen mich also nichts an. Gut. Aber ein wenig über Sie nachdenken, das werde ich ja wohl noch dürfen. Diese Freiheit nehme ich mir. Also zu Ihnen.

Beim Essen ist egal was drin ist - wenn es nur satt macht

Sie spielen Lotto. Wie viele Millionen andere machen Sie Kreuzchen auf einen Zettel und zahlen viel Geld dafür, kurze Zeit später mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 1,4 Millionen enttäuscht zu sein. Manchmal versprechen Ihnen die Lottogesellschaften 100 Millionen Euro. Dann erhöhen Sie Ihren Einsatz. Wie alle anderen auch. Sie kaufen und essen Tiefkühlpizzas und Tütensuppen und haben keine Ahnung, was da alles drin ist und was das alles mit Ihnen macht. Und es ist ihnen egal, denn Sie werden satt.

Sie kaufen sich regelmäßig das neueste Smartphone. Sie können gar nicht anders, denn die Hersteller haben sensationelle Veränderungen versprochen. Und wie Millionen andere ärgern Sie sich über den schon wieder höheren Preis. Und in Foren verdammen Sie gemeinsam die Fehler, die das Ding hat. In einem Jahr kaufen Sie sich das allerneueste. Viele von Ihnen übernachten dann sogar vor einem Laden in der Innenstadt, um morgens als erste das allerneueste zu kriegen. Andere liegen vor anderen Läden und warten auf einen Turnschuh. Adidas, Reebok, Puma oder sonst wer hat ihn nur in geringer Anzahl hergestellt. Sie hassen das. Und Sie lieben es, denn es erzeugt einen Kitzel. Ist doch erstaunlich, wie einen ein Weltkonzern kitzeln kann. Überhaupt. Die haben es binnen weniger Jahrzehnte geschafft, die halbe Menschheit nicht mehr in anständigen Schuhen, sondern in quietschbunten Plastikbrocken umherschlappen zu lassen. Bequem seien sie, sagen die Hersteller. Und gut Basketball könne man damit spielen. Schön.

Beim Konsum wie Millionen andere Menschen

Sie haben einen nahezu lebendigen Computer daheim stehen. Seine Hersteller haben ihm einen Namen gegeben. Er sagt Ihnen auf Zuruf die Schuhgröße von Jürgen Klinsmann oder ob man Kaiserschmarrn auch ohne Rosinen zubereiten kann. Und er sagt den dicken Datenzentren alles über Ihr Wünschen, Träumen, Kaufen, Lieben, Hassen, Essen, Tun und Lassen. Er macht aus Ihnen einen Algorithmus. Und fehlt was, ergänzen Sie via Social Media, Paypal oder Käufe bei Amazon. Sie lassen bei der Wohnungssuche entwürdigende Prozeduren über sich ergehen und zahlen dann mehr als die Hälfte Ihres Einkommens an Miete. Ohne zu murren, wie Millionen andere Menschen. Sie tun das, statt mit allen anderen auf die Straße zu gehen, den Alltag zum Erliegen zu bringen, zu kämpfen gegen Spekulanten und Makler, für das Menschenrecht auf bezahlbares Wohnen. Stattdessen sparen Sie. Hinten und vorne. Auch, um an Weihnachten Berge von Geschenken zu kaufen. Smartphones zum Beispiel. Oder Turnschuhe. Oder immer das neueste Trikot eines Fußballvereins. Mit Werbung des Sponsors.

All das tun Sie. Bereitwillig. Und nun gehen Sie auf Demonstrationen und reden von beschnittener Freiheit und behaupten, in einer Diktatur zu leben – nur weil Sie zum Schutz Ihrer Mitmenschen eine Maske aufsetzen sollen. (Michael Herl)

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