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Discount-Supermärkte diktieren die Preise für Landwirte.
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Discount-Supermärkte diktieren die Preise für Landwirte.

Kolumne

Von Discountern geknechtet

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Handelsketten schreiben den Landwirtinnen und Landwirten ihre Produkte vor und diktieren die Preise. Dagegen hilft nur lauter Widerstand – auch von uns. Die Kolumne.

Eigentlich hat es ja wohl nichts damit zu tun – doch als ich hörte, eine Briefbombe sei in der Zentrale eines Discounters hochgegangen, kamen mir so meine Gedanken. Es heißt ja, die dümmsten Bauern hätten die dicksten Kartoffeln. Der Satz war nie so wahr wie heute. Denn ein Landwirt muss ganz schön blöd sein, wenn er die Knollen zu groß werden lässt. Er kann sie dann nämlich nur selber essen oder seinem Vieh verfüttern.

Die großen Handelsketten jedenfalls nehmen sie ihm nicht mehr ab, weil sie nicht der Norm entsprechen. In den Chipsfabriken passen sie nicht in die Schälmaschinen, und selbst in kleinen Bioläden sind die dicken Dinger so gut wie unverkäuflich. In diesen Läden wird zwar üblicherweise alles Knorzige und Verwachsene gerne abgenommen, aber dort kaufen meist urbane Singles. Und für die bedeutet der Erwerb eines überdimensionierten Erdapfels eine Investition fürs Leben – zumindest aber für die nächsten zwei Wochen. Zudem weiß man ja nie, welche Unverträglichkeit als nächste ausgerufen wird. Es zeugt also in mehrfacher Hinsicht von Bauernschläue, eher kleine Knollen anzubauen.

Auch sonst sind moderne Bäuerinnen und Bauern alles andere als dumm. Sie haben oft studiert und müssen mehr denn je über die eigene Scholle hinausblicken. Sie stellen nicht mehr nur Nahrungsmittel her, sondern sind das erste Glied in der Kette vernünftiger Ernährung, Schützer von Umwelt, Arten, Insekten und Klima und zudem versiert im Marketing. Zu guter Letzt sind sie wie seit Jahrtausenden auf die Launen der Natur angewiesen.

So ist es umso bemerkenswerter, dass dieser Beruf seit einigen Jahren wieder an Attraktivität gewinnt – und das lässt hoffen. Viele junge Leute werden wieder Landwirtin oder Landwirt, denn sie wollen etwas verändern. Immer mehr stellen die elterlichen Betriebe auf biologische Bewirtschaftung um, nicht selten gegen den Widerstand ihrer Altvorderen. Und sie machen Schluss mit Eigenbrötlerei und tauschen sich mit anderen aus. In der eigenen Gegend, im ganzen Land, oft auf der ganzen Welt. Denn die Probleme der Branche sind nicht regional, sondern global.

In einem aber sollten sie sich unbedingt mehr ihrer Tradition besinnen. Jahrhundertelang wurden Bauern ausgebeutet, von Lehnsherrn, Fürsten und kirchlichen Herrschern. Sie führten ein mehr als karges Leben, mussten ackern bis zum Umfallen und wurden dafür bestenfalls mit „dem Zehnten“ abgespeist, einem Zehntel ihrer Erträge. Doch die Bauern waren es auch, die immer wieder dagegen aufbegehrten. Man denke nur an die Bauernkriege und viele weitere Aufstände im Lauf der Geschichte.

Heute gelten sie als freie Unternehmer, die Abhängigkeit hingegen ist geblieben. Sie werden nicht mehr von Feudalherren unterjocht, sondern von den großen Handelsketten, vornweg den Discountern. Die schreiben ihnen Art, Güte und Menge der Produkte vor, und sie diktieren die Preise. Unterstützt werden sie durch die Konzernhörigkeit der Landwirtschaftsministerien. Dagegen kommt es immer wieder zu Protesten, zuletzt bei der Grünen Woche in Berlin. Doch es ist zu wenig. Die Landwirtinnen und Landwirte sollten zwar keine Bomben legen, aber lauter werden, konsequenter, kompromissloser und radikaler. Und wir als Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sie bedingungslos unterstützen.

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