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Terminal 5 am Flughafen BER. Flugreisen werden trotz der Corona-Krise weiterhin angeboten.
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Terminal 5 am Flughafen BER. Flugreisen werden trotz der Corona-Krise weiterhin angeboten.

Kolumne

Vom Reisen trotz Corona

  • vonJoane Studnik
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Nicht ins Ausland zu reisen, sei Bürgerpflicht, sagt Innenminister Horst Seehofer. Doch manche sehen das anders. Eine Begegnung.

Berlin/Dahab: „Hier gibt es kein Corona“, versichern mir mehrere ägyptische Freunde, die sich über meinen Besuch freuen würden. Die in Ägypten veröffentlichten offiziellen Corona-Zahlen scheinen ihnen recht zu geben: 5,8 Neuinfektionen pro 100 000 Personen soll es just zu dem Zeitpunkt gegeben haben, als das Land erstmals als Hochinzidenzgebiet aufgeführt wurde. Inzwischen soll die Inzidenz sogar weiter gesunken sein. Die Bundesregierung dagegen sieht den tatsächlichen Wert bei mindestens 200.

Es sind die Tage, bevor Bundesinnenminister Seehofer den Verzicht auf Auslandsreisen als „Bürgerpflicht“ bezeichnet. Zu den Corona-Varianten-Gebieten gehört Ägypten nicht, Flugreisen in das bei Deutschen beliebte Urlaubsziel werden weiterhin angeboten. Los geht es für mich am nahezu verwaisten BER, beim Einstieg werden Hygienepacks mit einfachem Mund-Nase-Schutz verteilt. Ich vertraue lieber meiner FFP2-Maske.

Spätabends beim Umstieg am türkischen Metropolen-Airport irritiert mich ein Gewimmel von Flugreisenden, die teils dicht gedrängt vor Cafés und Flugschaltern anstehen. Am Gate zum Weiterflug nach Sharm-el-Sheik wird das negative Ergebnis des inzwischen obligatorischen PCR-Tests überprüft.

Dicht füllt sich der Flieger mit überwiegend russischsprachigen Reisenden. Mein Sitznachbar schiebt seine Maske mir zugewandt unters Kinn und fragt mich, ob ich aus der Ukraine komme. Ich fauche zurück, er möge sofort die Maske wieder aufsetzen.

Angekommen in Dahab, finde ich diesen vorwiegend bei Individualreisenden beliebten Küstenort nahezu menschenleer vor. In der dorfgroßen Hotelanlage verlieren sich einige Dutzend Gäste, ich höre überwiegend Russisch und Arabisch. Das Hotelpersonal trägt OP-Masken – bei den Touristinnen und Touristen sind es außer mir genau zwei: Jazmin aus Italien und Kurt aus Österreich.

Jazmin erzählt mir, wie sie ihre Yoga-Schülerinnen daheim mit Onlinestunden bei Laune hält. Mit Kurt will sie hier eine Bleibe suchen und Corona am Roten Meer aussitzen. An diesem milden Abend auf der Terrasse stößt Martin zu uns. Schon seit zwei Monaten logiert der Bayer hier, plaudert tagein, tagaus mit dem gelangweilten Barkeeper am Pool. Auf Selbstfindung sei er, verrät er mir, einen orientalischen Gruß verschicke er jeden Morgen an die Welt. Was er damit meint, finde ich an diesem Abend nicht mehr heraus.

Mein Tauchfreund Emad erklärt mir später entgegen seiner ursprünglichen Auffassung „no Covid in Dahab“, mehrere Bekannte seien daran erkrankt – „aber nur leicht“. Ein Pärchen aus Zürich schwärmt mir von ihrer Woche ohne Masken vor – obwohl diese auch hier bei Strafandrohung vorgeschrieben sind. Jedoch hält sich an diese Pflicht nur, wer sich gerade einem Checkpoint nähert – und zieht die Maske wieder herab, sobald kein Polizist mehr zu sehen ist. Eine Farce.

Sonne, Wärme und Meerwasser machen es dem Virus nicht leicht, doch so wie die unsichtbare Gefahr systematisch heruntergespielt wird, kommt keine Urlaubsstimmung auf. Die Aufforderung der Bundesregierung, nicht zu reisen, sie ist auch deshalb gut begründet. Mindestens zwei Corona-Tests, Quarantäne, in meinem Fall jeweils zwölf Stunden Reise mit FFP2-Maske – derlei Strapazen sind zu ertragen, eines aber nicht: der Leichtsinn fast aller Reisenden vor Ort, die auf Abstand und Maske pfeifen.

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