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Im Kopf schwingt das Dagegen-Hirn irgendwo zwischen Abwehr und Angst.
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Im Kopf schwingt das Dagegen-Hirn irgendwo zwischen Abwehr und Angst.

Kolumne

Voll mit Sinn

  • Maren Urner
    VonMaren Urner
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Was macht ein gutes und erfülltes Leben aus? Wir dürfen nicht aufhören, darüber nachzudenken. Die Kolumne.

Ich hätte gern keine zwei Mehrkornbrötchen und keine drei Mohn.“ „Ich nehme nicht die Pizza Spinat und dazu keine mittlere Apfelschorle.“ „Bitte keinen Kaffee und darin keine Milch.“ Klingt alles irgendwie komisch, oder? Klar ist, dass solche Bestellungen das Gegenüber verunsichern würden, weil ihr oder ihm nicht klar wäre, wie der geäußerte Wunsch erfüllt werden könnte.

Noch absurder wird es, wenn wir uns vorstellen, uns „keine gute Nacht“, „keine gute Reise“ oder „keinen guten Tag“ zu wünschen. Mal abgesehen davon, dass wir derartige Wünsche vielleicht mal gedanklich oder mit Wut im Bauch tatsächlich äußern, fügen sie wenig hinzu. Denn ein Wunsch oder eine Bestellung, die auf einer Negativauswahl beruhen, sind schlichtweg wenig sinnvoll, da die Abwesenheit von etwas in den meisten Fällen bereits erfüllt ist. In jedem Fall lassen sie die Frage offen: Was wünscht du dir oder mir stattdessen?

Was uns im Kleinen – also vom Mehrkornbrötchen bis zur Grußformel – völlig klar ist, scheinen wir im großen Ganzen häufig aus den Augen verloren zu haben. Was meine ich damit? Da sind wir, egal ob agierend als Chefin oder Angestellter, organisiert als Partei oder im Lobbyverband, institutionalisiert als Gericht oder Aufsichtsbehörde vor allem immer eins: dagegen! Und wer dagegen ist, sucht vor allem eins: Schuldige oder Sündenböcke und -zicken. Wer dagegen ist, grenzt aus und ab. Wer dagegen ist, ist sich stets im Klaren darüber, was abgeschafft gehört, weil es schlecht und falsch ist.

Zur Person

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie und Neurowissenschaftlerin.

Mit dem „Dagegen!“-Schild in der Hand ist der Blick immer in eine Richtung gerichtet: nach hinten, nicht nach vorn. Im Kopf schwingt das Dagegen-Hirn irgendwo zwischen Abwehr und Angst. Es fragt nicht nach dem Sinn, sondern will überleben. Denn Unsicherheit und Angst blockieren die Gehirnregionen, die uns langfristiges und zukunftsorientiertes Denken ermöglichen.

Die nun rhetorisch anmutende Frage möchte ich trotzdem stellen: Ist das sinnvoll? Ist das vor allem mit Blick auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir nicht mehr stehen, sondern in denen wir längst mittendrin stecken, sinnvoll? Ist die Dagegen-Haltung in Hirn und Händen sinnvoll, um den notwendigen Wandel in allen Lebensbereichen angesichts der globalen Klimakrise gestalten zu können? – Natürlich nicht!

Doch die gute Nachricht liegt bereit und beginnt in jedem von uns. Denn auch wenn wir auf die Frage, ob das Leben an sich sinnvoll ist, keine datenbasierte Antwort finden können, ist bereits gut erforscht, was ein Leben gefüllt mit Sinn ausmacht. Am Sterbebett danach befragt, ist der wichtigste Aspekt für die meisten Menschen das Gefühl, von Bedeutung zu sein. Genau dieses Gefühl fehlt laut aktuellen Erhebungen allerdings vielen Menschen – vor allem die Jüngeren fühlen sich bedeutungslos. Tendenz steigend.

So leid es mir nun für die sprichwörtlichen zwei Fliegen tut, können wir sie also beide mit einer Klappe schlagen: Wir können uns als Individuen und Gesellschaft stets fragen, wofür statt wogegen. Wir sollten uns nicht länger selbst im Wege stehen, wenn es um die Frage nach einem sinnvollen Leben geht. Damit das gelingt, müssen wir uns lediglich neue Geschichten erzählen – vor allem darüber, was ein gutes und glückliches Leben ausmacht. Ein Leben voll mit Sinn. Unsere Biologie hält die notwendige Hardware dafür bereit, und wir sind gesund, wenn wir uns bedeutungsvoll fühlen. Es liegt an uns, diese Hardware zu nutzen. Vielleicht können wir beginnen, indem wir uns jeden Morgen fragen: Wofür stehe ich heute auf?

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