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Bewegung – die wichtigste Arznei.
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Bewegung – die wichtigste Arznei.

Kolumne

Voll im Rausch

  • Maren Urner
    VonMaren Urner
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Gäbe es ein Medikament, das so auf unsere Gesundheit wirkt wie Bewegung, wäre es das wertvollste Arzneimittel. Die Kolumne.

Torkelnd treten wir zurück auf die Straße, auf der Fußgänger ihren Weg zur nächsten Attraktion suchen. Die veränderten Lichtverhältnisse lassen uns blinzeln. Vom vielen Lachen meldet sich die Bauchmuskulatur und wir versuchen – immer noch kichernd –, ein paar tiefe Atemzüge Frischluft zu nehmen.

Nein, wir haben weder zu tief ins Glas geschaut, noch haben wir uns mit anderen legalen oder illegalen Mitteln versorgt, um dem grauen Herbsttag ein wenig Leichtigkeit zu verleihen. Alles was wir für unseren Rauschzustand brauchten, hatten wir bereits dabei. Und nochmals „nein“, es war nichts, an das wir denken mussten, das wir einwerfen oder nehmen mussten. Tatsächlich hat jeder Mensch das legale Wundermittel, das uns in der letzten halben Stunde in unseren Rausch versetzt hat, immer und überall dabei: seinen Körper

Wir haben nichts weiter getan, als unsere Körper zu bewegen. Wir haben kein Intervall-, Kraft- oder Ausdauertraining absolviert. Wir haben keine Schweißbänder, Pulsuhren oder Schrittzähler angelegt, sondern uns einfach bewegt.

Zugegebenermaßen mit ein wenig Hilfe von „außen“, denn wir kommen soeben aus dem verrückten Hotel Tartüff, das seine Besucherinnen und Besucher mit eigensinniger Inneneinrichtung aus rotierenden Straßenlaternen, bunten Spiegelräumen und anderen Ungewöhnlichkeiten zum Bewegen einlädt.

Nun könnte ich an dieser Stelle Bücher oder Webseiten mit den positiven Wirkungen von Bewegung füllen. Doch das haben andere bereits hinreichend getan. Die zentrale Erkenntnis, um die es mir hier und jetzt geht, lässt sich tatsächlich in einem Satz zusammenfassen: Gäbe es ein Medikament, das die gleiche Wirkung auf die menschliche Gesundheit hätte wie Bewegung, wäre es mit Sicherheit das wertvollste Arzneimittel aller Zeiten.

Anders formuliert: Regelmäßige Bewegung ist ein Universalmittel, das sämtliche Aspekte unserer Gesundheit positiv beeinflusst – für Jung und Alt, für (vermeintlich) Gesunde und Schwerkranke. Fast nebenbei lehrt uns die Forschung zu den positiven Folgen von Bewegung und den negativen Folgen von Bewegungsmangel auch: Wir haben nur „eine Gesundheit“, die wir gemeinhin fälschlicherweise noch stets in physische und psychische Aspekte unterteilen.

Gedanklich fühle ich mich an die leicht beschwipste Stimmung zurückerinnert, in die mich die ungewöhnlichen Bewegungen im verrückten Hotel Tartüff versetzt haben. Und plötzlich kommt mir – vielleicht wieder ein wenig berauscht – ein verrückter Gedanke: Was, wenn wir unsere Städte, Büros, Geschäfte und Wohnungen ein wenig so wie das Hotel Tartüff gestalten würden?

Mal hier eine Drehscheibe, die uns beschwingt, mal dort ein paar schiefe Treppenstufen, die uns auf unserem hektischen Weg bewegen und lachen lassen. Was, wenn wir alle angeregt würden, immer und überall ein paar vermeintlich verrückte Bewegungen zu machen – bis sie normal würden. Dann würde die wohl wichtigste Hürde für Bewegung – unsere Bequemlichkeit – spielerisch überlistet werden. Wie kommen wir dahin? Vielleicht, indem das neue Bauministerium einen weiteren Neuzugang an die Seite bekommt. Vielleicht hat Cem Özdemir einen Vorschlag für die oder den Bewegungsminister:in.

In jedem Fall sorgte er bei der Ministerernennung Anfang Dezember für einen Medienrausch, als er mit E-Bike und Ernennungsurkunde auf dem Gepäckträger vom Schloss Bellevue zum Bundestag an den Dienstwagen seiner Ministerkolleg:innen vorbeiradelte. Geht doch!

Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie und Neurowissenschaftlerin.

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