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Wandern, Spazieren, Radfahren – Studien zufolge können Touren in der Natur Stress abbauen.
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Wandern, Spazieren, Radfahren – Studien zufolge können Touren in der Natur Stress abbauen.

Kolumne

Viel Glück

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Im Lockdown suchten viele Menschen die Natur. Nun zeigt die Wissenschaft, dass Artenvielfalt unser Wohlbefinden fördert, auch ohne Pandemie

Das Virus und der Lockdown brachten es an den Tag. Mehr Menschen als sonst suchten den Weg in die Natur. Es blieb ihnen auch kaum etwas anderes übrig, da Kinos, Kneipen, Theater, sogar Sportstätten keine Möglichkeit bieten durften, die Freizeit anderweitig zu gestalten. Findige Forschende nutzten die Chance, gleich einmal zu untersuchen, was uns an der Natur so gut gefällt und ob der Kontakt mit ihr sich merklich positiv auf das körperliche und geistige Wohlbefinden auswirkt.

Die Idee dazu kam zwar nicht aus heiterem Himmel, denn schon vor mehr als zehn Jahren wurden Studien veröffentlicht, die in diese Richtung deuteten. Doch jetzt belegen Studien aus den Vereinigten Staaten, aus asiatischen Großstädten und aus Europa ganz eindeutig, dass der Aufenthalt in der Natur nicht nur auf der Flucht aus dem pandemiebedingten Eingesperrtsein richtig guttut.

Es zeigte sich sogar, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume, also der biologischen Diversität einerseits, und dem Glücksgefühl, dem Wohlbefinden andererseits. Dazu muss man offenbar nicht einmal in die letzten wilden Naturräume vorstoßen wie zu den Gipfeln der Alpen. Schon die Vielzahl von Vogelarten und Gewächsen in städtischen Parkanlagen erfreut die Psyche.

Die neuesten Untersuchungen entstanden in einem gemeinsamen Forschungsvorhaben der Universitäten Kiel und Frankfurt mit dem Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig. Es ergab für Deutschland und 26 000 Europäerinnen und Europäer, dass Menschen zufriedener sind, wenn ihre unmittelbare Umwelt eine reiche Vogelfauna aufweist.

Da das Drama noch ganz frisch ist, kann es natürlich noch keine Studien geben, ob deutsche Seelen, die durch frühzeitiges Ausscheiden ihrer Nationalmannschaft aus der europäischen Fußballmeisterschaft traumatisiert sind, mit reichem Naturgenuss geheilt werden könnten. Die Wissenschaft ist sich noch nicht einig, ob Artenvielfalt hilft, Stress abzubauen, aber es mehren sich doch die Anzeichen, dass sie der Gesundheit und dem allgemeinen Wohlbefinden zuträglich ist.

Leider gilt das nicht umgekehrt. Dem Wohlbefinden der Natur und ihrer Vielfalt ist es nämlich keineswegs zuträglich, wenn dort immer mehr Menschen Glück und Zufriedenheit zu finden suchen. Müllberge am Wegesrand, Trampelpfade querfeldein, Verlärmung von einstigen Inseln der Ruhe sind nur einige der Kritikpunkte, derentwegen Forstleute und Naturschutzbehörden die Stirn runzeln.

Sollte der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger tatsächlich recht behalten, als er schon vor über einem halben Jahrhundert formulierte, dass der Tourist zerstöre, was er sucht, in dem Moment, wo er es findet?

Damals gab es den Begriff der Biodiversität noch nicht, und weniger Menschen waren in der Natur unterwegs. Das Problembewusstsein dürfte seitdem erheblich gestiegen sein. Nicht nur um der Umwelt willen, sondern auch weil die biologische Vielfalt uns selbst guttut. Ob eine nächste Bundesregierung daraus die notwendigen Schlüsse zieht?

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