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Vertane Chancen für Klimaschutz und Artenvielfalt

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Von: Manfred Niekisch

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Es gibt Anlass zu größter Sorge um die Zukunft der Wale, Robben, Pinguine und der gesamten Artenvielfalt.
Es gibt Anlass zu größter Sorge um die Zukunft der Wale, Robben, Pinguine und der gesamten Artenvielfalt. © Liu Shiping/dpa

Zwei globale Konferenzen haben es verpasst, die Zeitenwende einzuläuten. Wenigstens in der dritten keimt etwas Hoffnung. Der Fußball wird zur Nebensache. Die Kolumne.

Die Chance ist vertan, wieder einmal. Nein, es geht nicht um das verlorene Auftaktspiel der deutschen Mannschaft gegen Japan bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Das Spiel ist vergleichsweise unbedeutend für die Zukunft des Globus. Vielmehr war und ist der November ausgefüllt mit gleich drei großen globalen Konferenzen, die eine Zeitenwende hätten einläuten können.

Die erste scheiterte gleich zu Anfang des laufenden Monats. Die Antarktis-Kommission zum Schutz des maritimen Lebensraums – kurz CCAMLR – hatte sich vorgenommen, ein Schutzgebiet im Südpolarmeer auszuweisen, zehnmal so groß wie die Bundesrepublik. China und Russland stimmten dagegen. Ohne Einstimmigkeit jedoch kein Beschluss.

Nun sieht es noch düsterer aus um die Zukunft des Meeres rund um die Antarktis. Nicht nur, dass das schmelzende Eis Indikator für den Klimawandel ist. Es gibt Anlass zu größter Sorge um die Zukunft der Wale, Robben, Pinguine und der gesamten Artenvielfalt.

Das eisige Wasser beherbergt die wichtigste Nahrungsgrundlage, den Krill. Diese kleinen Krebse spielen die zentrale Rolle in der Lebewelt des Meeres, ohne sie würden die gesamten ökologischen Verhältnisse vom kleinsten Fisch bis zu den riesigen Walen zusammenbrechen.

Die beabsichtigten Fangbeschränkungen rückten in weite Ferne, denn Russland und China legten auch hier ihr Veto ein. Krill wird industriell zu Fischfutter verarbeitet. Futter für die Fische, das wäre auch seine natürliche Bestimmung, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Wie pervers! Es ist ein weiterer Dolchstoß für die Rettung des Lebensraumes Antarktis.

Die beiden Großmächte gehörten auch zur Gruppe derer, die verhinderten, dass es im Rahmen der Konferenz der Klimakonvention zur Verbannung der fossilen Energieträger kam. Damit hängt das Lippenbekenntnis vom 1,5-Grad-Ziel im Leeren, weil nichts Verbindliches vereinbart wurde, um es zu erreichen. Selbst den freiwilligen Maßnahmen wurde viel zu viel Zeit eingeräumt.

Gespaltener hätte die Bewertung des Klimagipfels nicht ausfallen können. Gibt es doch tatsächlich Politikerinnen und Politiker, welche in den erzielten Ergebnissen Erfolge sehen. In Kreisen der Wissenschaft und des Naturschutzes herrscht herbe Enttäuschung.

Wenn denn an der Klimakonferenz etwas positiv ist, dann der Beschluss, einen Hilfsfonds einzurichten für arme Länder, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. Gut so, aber noch besser wäre es gewesen, man hätte sich auch geeinigt, wer wann und wieviel einzahlt und wohin das Geld geht. Der Beschluss also hilft so nicht wirklich.

Etwas Optimismus lässt sich ziehen aus Entscheidungen der dritten großen Konferenz des Novembers, der Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen in Panama. Der Schutz von Haien und Rochen ist beschlossene Sache und zukunftsweisend. Japan, Island und China kämpften erbittert dagegen, doch zum Glück erfolglos.

Nun zieht Anfang Dezember die vierte große Konferenz des Jahres herauf, zur Konvention über Biologische Vielfalt. Es wäre keine Überraschung, wenn sie so schleppend und wirkungslos verliefe wie die vorherigen. Die Erwartungen pendeln zwischen vorsichtigem Optimismus und tiefem Pessimismus. Seien sie noch so zäh, es gibt keine Alternative zu den globalen Verhandlungen. Nur wirkmächtiger müssten sie endlich gelingen. Der Angstgegner Spanien am nächsten Sonntagabend bereitet da vergleichsweise nebensächliche Sorgen.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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