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Verhinderter Urlaub

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Von: Joane Studnik

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Valery Maria Lehner durfte nicht nach Ägypten reisen. Wie Grenzbeamte sie behandelten, alarmiert auch das Auswärtige Amt.

Wer über Ostern in den sonnigen Süden reisen will, sollte den Fall von Valery Maria Lehner kennen. Mitte März reiste die Berlinerin in Begleitung ihres Freundes an Bord eines Passagierjets nach Sharm-el-Sheikh am Roten Meer. 15-mal sei sie bereits nach Ägypten gereist, erklärt die Taucherin. Von einer „mehrstündigen, demütigenden Prozedur“ spricht sie, an deren Ende sie nicht einreisen durfte.

Nach „ausuferndem Studieren“ ihres Reisepasses, wo der Geschlechtseintrag mit „m“ markiert ist, habe der Grenzbeamte die trans Frau angewiesen, in einem gesonderten Bereich des Flughafens Platz zu nehmen. Getrennt von ihrem Reisebegleiter und Gepäck haben drei Beamte sie in einem separaten Zimmer ausgefragt.

Stunden vergingen, ohnmächtig und hilflos habe sie sich gefühlt. Kein Tropfen Wasser sei ihr angeboten worden, auf ihre Herzmedikamente habe sie keinen Zugriff gehabt. Den Kontakt zur deutschen Botschaft habe man ihr verweigert. Mit der deutschen Prepaidkarte ihres Handys konnte sie keinen Internetzugang aufbauen.

Von der Touristenpolizei sei ihr Reisebegleiter „komplett ignoriert“ worden. Als es beiden schließlich gelang, die deutsche Botschaft anzurufen, sei ihnen gesagt worden, sie könnten noch von „Glück“ sprechen, sie hätten ja auch „in einem ägyptischen Gefängnis verschwinden können“.

Auf Anfrage verweist S. E. Khaled Galal Abdelhamid von der ägyptischen Botschaft in Berlin schriftlich auf jährlich 13 Millionen Ägypten-Reisende: „Alle Gäste werden mit Würde und Respekt behandelt.“ Das Erlebnis von Frau Lehner, sollte sich ihre Darstellung bestätigen, nennt er „bedauerlich“, verweist allerdings darauf, dass derlei Vorfälle „eindeutig die Ausnahme“ und nicht die Norm seien.

Die Botschaft nehme die Beschwerde Frau Lehners sehr ernst und habe eine Untersuchung durch die zuständigen Behörden veranlasst. Zugleich verwehrt sich der Botschafter gegen die Formulierung, es sei zu einer „willkürlichen Festsetzung“ gekommen. Solange die Fakten nicht in Gänze feststünden, sei es „verleumderisch, Unwahrheiten über die Sicherheit von Touristen in Ägypten zu verbreiten“.

Das Auswärtige Amt wiederum versichert, die deutsche Botschaft in Kairo sei umgehend tätig geworden, wenn dies zum Leidwesen von Frau Lehner auch ergebnislos blieb. Da es auch nicht das erste gemeldete Vorkommnis deutscher Reisenden an diesem Flughafen gewesen sei, habe das Auswärtige Amt bereits umfangreiche Reisehinweise für das Land verschärft: für LGBTIQ, ausdrücklich für trans Reisende.

Dies trifft ein Land, das massive Folgen der russischen Ukraine-Invasion zu verkraften hat: Viele Touristen werden in diesem Jahr fernbleiben, ausbleibende Weizenlieferungen aus der Ukraine und Russland werden vor allem die Ärmsten brutal treffen. Mir ist unwohl dabei, den Finger ausgerechnet auf ein Land zu richten, in dem patriarchale Strukturen im Alltag wohl am wenigsten Reisende treffen, aber einheimische Minderheiten und Frauen – wie die Security-Mitarbeiterin, die mich am selben Flughafen vor ein paar Wochen kontrollieren wollte.

Ein stämmiger Kollege schob sie einfach beiseite und begrabschte mich, ungeachtet meines deutlichen Protests, an den Brüsten und zwischen den Beinen. Etliche Security-Leute und Polizeikräfte schauten ungerührt zu.

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