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Unmöglicher Frieden: Eine Palmen-Idylle inmitten von Trümmern in Petah Tikva.
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Unmöglicher Frieden: Eine Palmen-Idylle inmitten von Trümmern in Petah Tikva.

Analyse

Konflikt zwischen Hamas und Israel: Jetzt herrscht Krieg

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Ein Ende der Konfrontation in Nahost ist nicht in Sicht. Stattdessen trägt der Konflikt längst die Züge eines Krieges. Wer stoppt ihn?

Es klingt wie aus einer anderen Welt. Dabei ist es erst eine Woche her, dass eine bunt gemischte, israelisch-palästinensische Protestmenge in der Jerusalemer Nachmittagshitze recht vergnügt skandierte: „Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein.“ Und das mitten in Scheich Dscharrah – einem Ost-Jerusalemer Viertel, in dem eine nationalreligiöse Siedlerschaft mehr und mehr Alteingesessene aus ihren Häusern zu verdrängen sucht. Seit Jahren halten dort ein paar Aufrechte jeden Freitag eine Mahnwache. Aber diesmal waren aus Empörung über die aktuellen Räumungsklagen gegen palästinensische Familien ein paar Hundert mehr aus beiden Teilen der Stadt und auch von weither, aus Beer Scheva, Haifa und Tel Aviv, gekommen. Eine friedliche Soli-Kundgebung, bis die Polizei sie rabiat beendete.

Konflikt in Nahost: Der Zusammenhalt reißt

Doch jetzt herrscht Krieg. Nicht nur in Gaza, wo Israels Luftwaffe ganze Hochhäuser dem Erdboden gleichmacht, um es den Kommandanten von Hamas und Dschihad heimzuzahlen, die quasi nonstop Raketensalven abfeuern lassen. Auch die Israelis im Süden des Landes, bis hoch nach Tel Aviv, verbringen angesichts des ständig aufheulenden Raketenalarms schlaflose Nächte. In früheren Eskalationsrunden hat sich die israelische Mehrheit meist geschlossen hinter Regierung und Armee gestellt. Die Opposition hielt sich nach dem Motto „Ruhe, es ist Krieg“ zurück und die arabische Minderheit sah, abgesehen von vereinzelten Protesten, dem Blutvergießen eher ohnmächtig zu.

Diesmal droht dieser fragile gesellschaftliche Zusammenhalt zu reißen. In den gemischten israelischen Städten mit jüdischen und arabischen Nachbarschaften spielen sich seit Tagen bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Juden und Araber – es sind tatsächlich nahezu ausschließlich Männer – gehen sich geradezu an die Gurgel. In Lod, nahe dem Ben-Gurion Airport, steckten wütende Randalierer Autos in Brand und verwüsteten eine Synagoge, nachdem ein jüdischer Bewohner einen arabischen Nachbarn erschossen hatte. Marodierend machen seitdem rechtsradikale Schlägertrupps die Straßen in Akko, Haifa, Jaffa und Tiberias unsicher. Besonders schockierend ist ein auf Video festgehaltener Vorfall in Bat Jam, bei dem jüdische Hooligans einen arabischen Fahrer aus seinem Wagen zerren und ihn halbtot prügeln. Andernorts wurde ein Jude von einem Araber niedergestochen.

Ein Dominoeffekt, der zum Krieg führt

Der wie ein Wildfeuer entflammte Hass hat viele Ursachen. Die israelische Gesetzeslage, die, wie in Scheich Dscharrah der eigenen Bevölkerung Vorrechte gegenüber der palästinensischen in Jerusalem einräumt, ist nur eine. Die daraufhin ausgebrochenen Unruhen an Jerusalems heiligen Stätten sind eine andere. Israels polizeiliches Vorgehen, dort Blendgranaten in die Al Aksa-Moschee zu schleudern, brachte Moslems weit über Israels Grenzen auf. Eine Steilvorlage für die Hamas, sich als Speerspitze zur Verteidigung der Al Aksa, dritthöchstes Heiligtum im Islam, zu gebärden und die Israelis militärisch mit Raketen auf Jerusalem herauszufordern.

Seitdem spult sich ein Dominoeffekt ab, der in einen Gaza-Krieg – anders lassen sich die erbitterten Kampfhandlungen kaum beschreiben – gemündet ist. Und keiner weiß, wie dieser nationalreligiös aufgeheizte Brand noch zu löschen ist.

Friedensangebote werden abgelehnt

Israels Premier Benjamin „Bibi“ Netanjahu genoss zwar bislang den Ruf, kein Kriegstreiber zu sein. Aber nach dem Scheitern seiner Koalitionsversuche kämpft er um sein politisches Überleben. Den Terroristen in Gaza das Fürchten zu lehren, bietet ihm die Gelegenheit, die von der Anti-Bibi-Allianz geplante alternative Regierungsbildung zu blockieren und gleichzeitig von seinem Korruptionsprozess abzulenken. Solange die Militärkonfrontation andauert, weiß Netanjahu auch Verteidigungsminister Benny Gantz an seiner Seite, der eigentlich längst von ihm abgerückt ist. Die seitens der Hamas übermittelten Signale, an einer Rückkehr zum Waffenstillstand interessiert zu sein, haben jedenfalls bislang beide unisono abgelehnt.

Doch die hochbrisante, anarchische Lage in den arabisch-israelischen Städten schreit geradezu nach Befriedung. Netanjahu wollte schon Armee-Einheiten dorthin beordern. Gantz brachte ihn davon ab und ließ stattdessen Grenzpolizisten aus dem Westjordanland abziehen, um Recht und Ordnung im israelischen Kernland wiederherzustellen. Nachhaltige Ruhe dürfte dort indes ohne baldiges Ende im Gaza-Krieg kaum einkehren. Auch, wenn nahezu alle israelischen Politiker von rechts bis links die Gewalt zwischen arabischen und jüdischen Krawallmachern verurteilt haben. (Inge Günther)

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