US-Wahlen

Vergesst Donald Trump - denn er ist chancenlos

  • vonRichard Meng
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US-Präsident Donald Trump hat keine Chancen auf eine zweite Amtszeit. Die Probleme aber bleiben. Darüber muss man jetzt reden.

  • In November findet die Präsidentschaftswahl in den USA statt.
  • Die Aufmerksamkeit liegt vor allem bei Donald Trump.
  • Nach seiner Amtszeit wird Trump allerdings Geschichte sein.

Ja, auch nach Donald Trump werden wir weiter mit US-Themen aufwachen. Wer sich morgens über Newsportale oder Frühnachrichten informiert, wird von jeher täglich mit einer gehörigen Ladung USA geweckt. Das liegt einfach an der Zeitverschiebung und daran, dass das, was die deutschen Korrespondenten dort bis abends produzieren, automatisch am frühen nächsten Morgen frisch in Europa ankommt.

Und doch – seit es diesen unsäglichen Präsidenten gibt, ist die Frühdosis besonders massiv geworden. Kein Tweet zu blöd: Er fühle sich längst wie auf Dauerlauer in den Trumpschen Gehirnwendungen, hat einer der deutschen Vielschreiber aus Washington neulich geklagt, durchaus kritisch gemeint gegenüber der unstillbaren Trump-Nachfrage in den deutschen Redaktionsstuben. Jetzt, im Wahljahr, sowieso. Täglich Trump, irgendetwas bescheuert Gefährliches fällt dem ja immer ein.

USA: Nach Donald Trumps Sieg 2016 wird man vorsichtig sein

Eine ganz andere Frage ist, ob das überhaupt noch wichtig ist angesichts des zu erwartenden Wahlausgangs im November. Da gab es ja auch in Deutschland mal so eine Situation, als alle öffentliche Aufmerksamkeit auf dem alten Kanzler lag, der sämtliche Dauerregierungsrekorde gebrochen hatte, bis dann doch plötzlich ein neuer dran kam, mit einer sehr neuen rot-grünen Mehrheit. Und man sich nach der Wahl doch sehr wunderte, wie wenig diese neue Mehrheit auf das Regieren vorbereitet gewesen war. Was aber bis zur Wahl niemanden interessiert hatte. Damals, 1998.

Heute argumentieren die meisten Medienleute, sie wollten nicht nochmal den Fehler von 2016 machen, als in Europa fest mit der Wahl von Hillary Clinton gerechnet worden war und alle überrascht waren vom Wahlergebnis. Also: auf keinen Fall Trump vorzeitig abschreiben. Unbedingt alles für offen halten. Und sei es nur wegen der unheimlichen Macht des Absurden, wie das jüngst einer genannt hat.

US-Präsident Donald Trump.

USA: Donald Trump wird Geschichte sein

Solche Vorsicht ist ehrenwert, aber manchmal wird man aus Erfahrung dumm. Ist es in einem halbwegs zivilisierten Land vorstellbar, dass ein solcher Spalter-Präsident wiedergewählt wird in einer Zeit, in der es auf Gemeinsamkeit gegen die Pandemie ankommt? Ein Realitätsleugner vor dem Herrn, während die Menschen, gesundheitlich wie ökonomisch, täglich die Wahrheit spüren? Man braucht nicht die eindeutigen Umfragen dazu, seine zweite Amtszeit für ziemlich ausgeschlossen zu halten.

Die eigentliche Frage, auch aus europäischer Sicht, ist wahrlich nicht die nach den neuesten Kurzschlüssen Donalds, wie wir sie tagtäglich aufgetischt bekommen. Die eigentliche Frage ist die nach der Zeit nach Trump. Deshalb: Vergesst ihn mal. In einem halben Jahr ist er sowieso Geschichte. Es wäre für uns alle gut, darauf vorbereitet zu sein.

USA: Auch nach Donald Trump werden die Probleme bleiben

Natürlich werden die Probleme weiter da sein, die er bislang mit seinem rechten Getöse mal überdeckt, mal instrumentalisiert. Das Problem auch, dass Europa und die USA schon lange die Erfahrung kultureller Distanz zueinander machen, bei aller traditionellen Nähe. Dennoch stimmt es ja immer noch, dass die ganz großen Themen der Menschheitspolitik nur in transatlantischer Gemeinsamkeit erfolgreich angepackt werden können. Oder gar nicht, woran zu viele sich schon gewöhnt haben.

Der alte Mann, den es nun wohl nach oben spülen wird, heißt Joe Biden. Sonderlich zukunftsträchtig ist das nicht, Kamala Harris hin oder her. Aber mit ihm werden wir leben und zur Vernunft zurückfinden müssen. Und, vergessen wir mal auch Biden: Von der Generation danach hängt alles ab. Was sie hofft, was sie will, was sie bereit ist anzupacken – beiderseits des Atlantiks: Das ist das Thema, mit dem es sich aufzuwachen lohnt.

In einem Enthüllungsbuch gibt der ehemalige Anwalt von Trump vernichtende Details über den Präsidenten preis. Unterdessen hat Donald Trump offenbar eine neue Idee für den Wahlkampf: Er denkt laut über eine Begnadigung von Whistleblower Edward Snowden nach.

Rubriklistenbild: © Evan Vucci

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