1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kolumnen

Valentinstag: Vergiftete Liebesbeweise

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Manfred Niekisch

Kommentare

In einer Rosen-Farm bei Quito (Ecuador) werden Blumen für den Export verpackt.
In einer Rosen-Farm bei Quito (Ecuador) werden Blumen für den Export verpackt. © Wolfgang Kaehler/Imago

Rote Rosen zum Valentinstag - das klingt romantisch. Es ist aber verheerend, betrachtet man die Ökobilanz der in der Ferne produzierten Blumen. Die Kolumne.

Beim Valentinstag scheiden sich die Geister. Da gibt es die Fraktion, die geneigt ist, dem Namensträger Karl Valentin zu folgen. Der legte Wert darauf, korrekt mit Falentin angesprochen zu werden. Denn man sage ja auch Fogel und Fater. Solche Argumente widerstreben all jenen, die lieber von Walentin sprechen, denen allerdings in nicht gerade konsequenter Weise Wogel oder Water nicht über die Lippen kommen würde.

Mit dem Münchner Komikergenie hat der Valentinstag allerdings höchstens namentlich zu tun, denn den Gedenktag gibt es als religiöse Einrichtung schon seit vor-karlvalentinischer Zeit, nämlich seit eineinhalbtausend Jahren.

Der linguistische Streit um F oder W wird jedenfalls überlagert von der in unserem Kulturkreis wohl alle einenden Ansicht, es sei der Tag der Verliebten. Und es sei der Tag, an dem einen Strauß Rosen als Zeichen der Liebe zu verschenken angebracht ist.

Nun ist Mitte Februar nicht gerade die Jahreszeit, in der Rosen bei uns im Freiland gedeihen. Deshalb kommen sie aus beheizten Gewächshäusern oder werden aus Gegenden eingeflogen, wo die Temperaturen günstiger sind, etwa aus südamerikanischen Ländern wie Ecuador und Kolumbien oder aus Ostafrika. Egal ob Heizung oder Langstreckenflüge, die CO2-Bilanz der blühenden Symbole der Romantik ist alles andere als klimafreundlich.

Zudem verschlechtert sich deren Ökobilanz durch den teils massiven Einsatz von Pestiziden und den hohen Wasserverbrauch bei der Zucht vor allem in den überseeischen Herkunftsländern. Das beeinträchtigt vielerorts die Lebensqualität derer, die nicht an dem Riesengeschäft beteiligt sind oder nur minimal daran partizipieren. Und es drängt sich die Frage auf, ob die Flächen nicht gerechter zur Produktion von Lebensmitteln für die Einheimischen genutzt werden sollten.

Insofern ist der Muttertag ökologisch weniger bedenklich, denn im Wonnemonat Mai grünt und blüht das pflanzliche Zubehör für schöne Sträuße schon in heimischen Gefilden.

Auch zum Muttertag haben die Blumenläden Hochsaison, denn es verbietet sich natürlich, Selbstgepflücktes aus den öffentlichen Gärten und Parks zu verschenken. Deswegen hat ein unbekannter Dichter einen Vers verfasst, der wohl kaum in die Spitzenliga deutscher Poesie einzuordnen ist, der es aber auf den Punkt bringt: „Schenke deiner lieben Braut niemals Blumen die geklaut“. So ein Schild im Stadtpark klingt doch mit seinem moralischen Anspruch eindringlicher als das ordnungsrechtlich drohende „Blumen pflücken verboten“.

Die eingeschränkten Transportmöglichkeiten und hohen Energiepreise werden den Blumenkauf zum diesjährigen Valentinstag erheblich verteuern. Da drängt sich die Frage in den Vordergrund, ob es nicht ebenso ausdrucksstarke, aber preiswertere Liebesbeweise gibt. Wenn es denn ein Blumengebinde sein soll, liegen wie bei Kaffee und anderen Produkten auch Angebote von fair gehandelter Ware vor. Die zu finden bedarf allerdings gezielter Nachfrage. Dazu bleibt erfahrungsgemäß wenig Zeit, da der Valentinstag alljährlich ziemlich plötzlich und unvermittelt vor der Tür steht und man sich wieder einmal erst kurz vor Ladenschluss daran erinnert.

Manfred Niekisch ist Biologe und früherer Direktor des Frankfurter Zoos.

Auch interessant

Kommentare