Kolumne

Die US-Wahl, Donald Trump und QAnon: Symbol der niederen Instinkte

  • Anetta Kahane
    vonAnetta Kahane
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Gewinnt Donald Trump die US-Wahl, bedeutet das auch: Wir haben es vier weitere Jahre mit den irren Erzählungen von QAnon auf Regierungsniveau zu tun. Die Kolumne.

  • Donald Trump und die Wahl: Wie der US-Präsident mithilfe der Verschwörungstheoretiker von QAnon die US-Wahl gewinnen wird.
  • Soros und Rothschild: QAnon bedient antisemtische Theorien - und hilft damit Donald Trump.
  • News zur US-Wahl 2020: Alle Informationen, Hintergründe und Neuigkeiten zur Präsidentschaftswahl in den USA.

Im Star-Trek-Universum gibt es eine Figur, die aus einem Dilemma von Shakespeare zu kommen scheint. Sein Name ist Q und er ist allmächtig. Auf seinen Fingerschnipp hin bewegen sich Planeten, ja das Universum selbst ist seine Spielwiese. Q in seiner Allmacht fordert die Menschheit heraus, die in Gestalt der Besatzung des Raumschiffs Enterprise nichts anderes hat als ihre Humanität und ihre Sterblichkeit. Q ist fasziniert davon, wie diese in seinen Augen unbedeutenden Menschen ihm gerade wegen ihrer Zerbrechlichkeit mit Ethik trotzen. Ich mag Q, denn er fördert mit Allmacht und sarkastischem Humor das Beste an den Menschen.

Doch die Realität entspricht nicht dem Ideal des Star-Trek-Universums. In ihr existiert auch ein Q, doch er ist anonym, weswegen man ihn QAnon nennt. Und er ist weder allmächtig noch hat er Humor. Er ist das Symbol der Unvernunft und der niederen Instinkte. Wenn Donald Trump allen Unkenrufen zum Trotz die US-Wahl gewinnt, haben wir vier weitere Jahre mit diesem Q zu tun. Das bedeutet vier weitere Jahre mit irren Verschwörungserzählungen auf Regierungsniveau.

QAnon singt das Lied von Donald Trump: Die Eliten sind böse, sie missbrauchen und töten Kinder

QAnon ist wie ein Spiel, das von den Ideen der Mitspieler lebt. Ein ewiges Rätsel, entwickelt aus Andeutungen und kryptischen Abkürzungen. Die Millionen Anhänger folgen dem, als wären es Brotkrumen in einem Labyrinth aus Horrorfantasien, alten Actionfilmen und Utopien über die Macht der Technik. Jeder kann dem Rätsel ein Stück näherkommen, jeder kann mitspielen und etwas dazu erfinden. Jeder hat Fragen und sucht sich die Antworten in den tiefen Weisheiten des Internets. Und doch bleibt alles vage. Die grundsätzliche Aussage hingegen ist klar: Die Eliten sind böse, sie missbrauchen und töten Kinder. Sie stecken unter einer Decke. Sie heißen Soros und Rothschild. Sie bereiten die neue Weltordnung vor. Und dagegen wehrt sich die QAnon-Gemeinde.

Bisher konnte man sich in Deutschland auf den guten, alten Antiamerikanismus verlassen. Bei Demos tauchten amerikanische Flaggen nur auf, um zerrissen oder verbrannt zu werden. Heute hingegen sieht man sie auf allen Anti-Corona-Demos. QAnon ist mit aller Wucht in Deutschland angekommen. Die deutschen Anhänger des Verschwörungs-Qs lieben dieses Spiel aus Antisemitismus und autoritären Umsturzfantasien. Dieses Geraune, die aggressiven Träume, endlich aufzuräumen, triggert eine alte Wunde. Es erinnert sie an den Wahn, die Juden ausrotten zu wollen, den die Vernunft und die Alliierten so jäh unterbrochen hatten.

QAnon ist wie ein Spiel, das von den Ideen der Mitspieler lebt.

Donald Trump: Ein Wahlsieg in den USA würde den Wahn verstärken

Vier weitere Jahre Donald Trump bedeuten, dass dieser Wahn noch deutlicher wird. Das Geraune, das Gerücht über die Juden mag heute durch das Netz wabern, doch vier Jahre sind genug Zeit, um sich auszubreiten und in Gewalt zu münden. Trumps Stil, seine Politik, seine Verbreitung von Hass und Unvernunft werden dies beschleunigen. Überall auf der Welt.

QAnon jedenfalls, anders als der Q auf der Enterprise, fördert das Mieseste in den Menschen. Ob er auch eine Herausforderung im guten Sinne sein kann, ob in den USA Trump auch deswegen verliert und ob in Deutschland QAnon dann bitte ganz schnell in der Versenkung des Unbedeutenden verschwindet, werden wir ja sehen. Dieser Q jedenfalls ist ein Antisemit und keinesfalls allmächtig.

Rubriklistenbild: © STEPHANIE KEITH

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