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Unsolidarische Hamsterkäufe in Zeiten des Ukraine-Kriegs

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Von: Manfred Niekisch

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In diesem Regal sollte es eigentlich Mehl geben.
In diesem Regal sollte es eigentlich Mehl geben. © Sven Hoppe/dpa

Umweltauflagen im Agrarbereich dürfen auch in der Krise nicht geschwächt werden. Denn ökologisch orientierte Landwirtschaft hat viele Vorteile. Die Kolumne.

Immer drastischer spüren wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und von Putins Krieg gegen die Ukraine. Kalauernde Sarkasten könnten vermuten, es gebe nur eine Branche, die derzeit boomt, nämlich die der Züchter von Hamstern. Denn überall hört und liest man, die Hamsterkäufe hätten wieder zugenommen.

Aber wer kauft schon Hamster? Das wäre jedenfalls weniger egoistisch als das Leerräumen der Supermarktregale, in denen Sonnenblumenöl, Toilettenpapier, Mehl angeboten werden. Wie wäre das erst in echten Krisenzeiten? Denn derzeit ist alles verfügbar und solche Hamsterkäufe zeugen eher von Panik und mangelnder Solidarität als von plan- und sinnvoller Sicherung der Versorgung der eigenen Familie.

Ukraine-Krieg: Jetzt zeigt sich die Abhängigkeit von Importen im Lebensmittelbereich

Was mit dem pandemiebedingten Ausbleiben der Container aus China begann und Fahrradteile, Autozubehör, Spielwaren besonders betraf, weitet sich nun durch den Ukraine-Krieg massiv in den Bereich der Lebensmittel aus. Wir bekommen zu spüren, wie stark wir uns von Importen abhängig gemacht haben. Da ist es eine vernünftige, ja heilsame Politik, mehr Selbstversorgung aus dem eigenen Land anzustreben.

Das löst natürlich nicht die Probleme der ärmeren Länder, die von Weizenlieferungen aus der Ukraine oder Russland abhängig sind, selbst wenn die Kontingente, die nicht für den deutschen Markt exportiert werden, dann den wirklich Bedürftigen zur Verfügung stehen. Selbstversorgung aus dem eigenen Land hat viele positive Aspekte. Und würde gleichzeitig die Möglichkeiten reduzieren, die bei der Produktion entstehenden Belastungen und Schäden in und an der Umwelt auf andere Länder abzuwälzen.

Hamsterkäufe seit Kriegsbeginn: Umweltauflagen müssen bestehen bleiben

Gänzlich unangebracht sind die sofort laut werdenden Forderungen aus Teilen der deutschen Landwirtschaft, die nach langem politischem Ringen endlich erreichten Auflagen und Regelungen zugunsten der Umwelt zurückzufahren, um eine Produktionssteigerung zu erreichen. Als ob zur Bekämpfung des Hungers der Welt oder wenigstens zur Versorgungssicherung unserer Landsleute die Freigabe ökologischer Ausgleichsflächen unabdingbar sei.

Nichts, aber auch gar nichts darf geschehen, was die ohnehin schwer angeschlagene biologische Vielfalt der deutschen Landschaft wieder oder weiter schädigt. Viel intelligenter wäre es, den Unsinn des Anbaus von Pflanzen zur Energiegewinnung aufzugeben. Und den Anbau von Futtermitteln für die Viehzucht zu reduzieren. Der Umweg über die Kuh ist nicht nötig, um aus Pflanzen Nahrungsmittel herzustellen. Schon würden wertvolle Böden frei für die vermehrte Produktion von Lebensmitteln.

Probleme mit Importgütern in der Ukraine-Krise: Ökologisch orientierte Landwirtschaft ist nötig

Ein Rückfall in die alten Zeiten, als die Bewahrung der Artenvielfalt nichts galt gegen die intensive Landwirtschaft, darf nicht geschehen. Denn wer immer will, kann erkennen, dass uns genau diese Haltung einen erheblichen Teil der gegenwärtigen Umweltkrise beschert hat. Ökologisch orientierte Landwirtschaft ließe selbst in Krisenzeiten Lebensraum für den bedrohten Feldhamster. Der wird in der Tat gezüchtet, aber nur für Wiederansiedlungen. Käuflich ist er nicht. (Manfred Niekisch)

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