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Auch Afrikas Bürger sollte von Europa mit Corona-Impfstoffen versorgt werden.
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Auch Afrikas Bürger sollte von Europa mit Corona-Impfstoffen versorgt werden.

Kolumne

Unangemessen

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Europa sollte auch Afrika mit Corona-Impfstoffen versorgen, statt die Zugbrücke zum benachbarten Kontinent hochzuziehen.

Das Leben beginnt als Lotteriespiel. Ob man das Licht der Welt als Bub in einer brasilianischen Favela oder als Mädel in Miami erblickt, hat man genauso wenig in der Hand, wie von guten Mächten wunderbar geborgen im Kloster Maulbronn, von Bombenanschlägen erschüttert in Mogadischu oder hungrig in Madagaskar aufzuwachsen.

In diesem Jahr wurde das Lotteriespiel noch um eine Zusatzzahl erweitert. Ob man in Frankfurt mit zwei Stichen im Oberarm der Zukunft etwas gelassener entgegensehen kann – oder in Johannesburg der dritten Covid-Welle entgegenzittert.

Südafrikanische Pässe sind kürzlich noch etwas wertloser geworden. Seit die Virusvariante B.1.351 am Kap der Guten Hoffnung grassiert, ist Nelson Mandelas Regenbogennation wieder zum Pariastaat geworden. Eine Einreise nach Europa ist Südafrikanerinnen und Südafrikanern verwehrt. Selbst mit deutschem Pass durfte ich an Weihnachten nicht von Johannesburg nach Hause fliegen. Ich hätte ja den Killervirus mitbringen können.

Während das Bundesgesundheitsministerium andere Teile der Welt minutiös bis auf Provinzebene in rote und grüne Zonen herunterbrach, wurde der gesamte afrikanische Kontinent unter tiefroten Pauschalverdacht gestellt. Ob Mauritius (mit 17 gemeldeten Covid-Toten), Benin (100) oder Südafrika (55 000). Schließlich weiß jeder, dass aus Afrika nichts Gutes kommen kann. Auch wenn der Covid-Erreger ausgerechnet aus Europa hier eingeschleppt wurde.

Südafrikanerinnen und Südafrikaner steckten ihre zweite Welle mit dem Killervirus übrigens schon in wenigen Wochen weg, während sich Deutschland (85 000 Tote) noch Monate später mit seinem angeblich so viel harmloseren Virus herumschlägt.

Mittlerweile prasseln die Killermutanten aus allen Teilen der Welt auf Hamburg, Berlin und München nieder. Und je länger es in den Schattenteilen der Welt keine Impfstoffe gibt, desto fieser drohen die Varianten zu werden. Man kann sich vielleicht unter einer Käseglocke verschanzen. Doch dort herrscht schlechte Luft.

Afrikanerinnen und Afrikaner haben ein neues Gesicht der angeblich so welt- und handelsoffenen Europäerinnen und Europäer kennengelernt. Geht es ans Eingemachte, sind ihnen Lederhosen und Baskenmützen näher als Menschenrechte. Alles Gesäusel um Geschwisterlichkeit, um wirtschaftliche Zusammenarbeit und den „Dialog auf Augenhöhe“ ist plötzlich verstummt. Stattdessen herrscht wieder Mittelalter. Zugbrücke hoch und den Teer heiß gemacht.

Wenn Ende dieses Jahres noch etwas Impfstoff übrig ist, um auch Afrika mit der europäischen Errungenschaft segnen zu können, werden wieder offene Grenzen erwartet – für den Automobilexport, den Platinimport oder einen Besuch im wilden Naturpark. Schließlich will man die immer zahlreicher und reicher werdenden Afrikanerinnen und Afrikaner auch mit Geschirrspülmaschinen und Solaranlagen versorgen. Ob die Schleuse geöffnet oder geschlossen ist, wird im Norden bestimmt.

Ausnahmsweise hat die Pandemie den Afrikanerinnen und Afrikanern aber mal einen Trumpf zugespielt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass selbst deutsche Einreiseverbote nicht wasserdicht sind. Die Käseglocke hat genauso große Löcher wie der Käse, über den sie sich wölbt. Wer meint, neben einem chronisch infizierten Kontinent gefahrlos leben und seinen Geschäften nachgehen zu können, hat sich getäuscht.

Der Autor ist Afrika-Korrespondent der FR.

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