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Deutschland versucht die Menschen mittlerweile mit Spontan-Impfungen gegen das Coronavirus zum Impfen zu bewegen.
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Deutschland versucht die Menschen mittlerweile mit Spontan-Impfungen gegen das Coronavirus zum Impfen zu bewegen.

Kolumne

Um aller willen: Die vierte Corona-Welle muss gestoppt werden

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Vor der vierten Corona-Welle müssen wir gegensteuern. Der Impf-Aufruf wird nicht reichen. Die Kolumne.

Es gibt nicht viele Leute, die Beipackzettel genau lesen. Das Kleingedruckte gilt als juristisches Pflichtprogramm, die horrorartig vielen Risiken und Nebenwirkungen mit geringer Wahrscheinlichkeit will kaum jemand genau kennen. Hauptsache, das Produkt wurde von Fachleuten des Vertrauens empfohlen. Dafür hat man sie ja.

Interessanterweise ist das bei Corona anders. Die einzig wirksame Medizin, das Impfen, wird nicht von allen als Lösung akzeptiert, obwohl viele Beipackzettel sich dramatischer lesen als die allermeisten Komplikationsprognosen. Es ist diesbezüglich jetzt erneut eine Woche voller ratloser Appelle gewesen.

Bei Corona nicht nur das eigene Risiko minimieren

In den Impfzentren aber tut sich nicht mehr viel. Die vorsichtigen Andeutungen, Ungeimpften Nachteile in Aussicht zu stellen, sind erst mal nur wie erhobene Zeigefinger. Die Politik scheut tatsächlichen Druck, bis zu den Wahlen. Doch Druck ist mit Delta längst da. Impfen wird von Tag zu Tag wichtiger, wenn nicht neue Virenschleudern in Kauf genommen werden sollen, durch Veranstaltungen und demnächst durch die Schulen. Da braucht es mehr Klarheit in der Botschaft.

Es ist merkwürdig, wenn die Regierung zwar auch Schülerinnen und Schülern die Impfung nahelegt, die ständige Impfkommission sich um eine solche Empfehlung noch herumdrückt. Dort gibt es eine zu einseitige Sicht, Impf-Empfehlungen vom individuellen Nutzen abhängig zu machen und nicht stärker vom sozialen Nutzen. Es kommt nicht nur darauf an, wie groß das eigene Risiko ist, sondern auch darauf, die Ansteckungsgefahr für andere zu minimieren.

Corona-Impfung als Spiegel der Gesellschaft

Das Impfen ist damit eines jener Themen, bei denen die Pandemie der Gesellschaft den Spiegel vorhält. Offenkundig leben viele längst weit weg vom öffentlichen Diskurs der Mehrheit, bleiben eingekapselt in der eigenen Umgebung, und sei es im Netz.

Mag sein, dass Etablierte das anders oder gar nicht erleben – wie Professoren, die jetzt gerne so stolz auf die neue Achtung vor der Wissenschaft im Zuge der Pandemie verweisen. Allerdings ist die stagnierende Impfquote ein Zeichen für die Grenzen solcher Achtung in anderen Teilen der Bevölkerung. Es sind zunehmend gut gesicherte Grenzen.

Wie beim Beipackzettel mündet das letztlich in einer Vertrauensfrage. Wenn sich etwas mit Laienverstand nicht übersehen lässt, ergibt sich das reale Verhalten aus den Ratschlägen anderer.

Viele sind während Corona zusammengerückt – viele aber auch nicht

Manche Expertinnen und Experten, zumal die aus der Impfkommission, wirken selbstfixiert bis überheblich. Bedacht darauf, dass man ihnen bloß keinen Vorwurf machen kann. Ausgehend von einem Verständnis, das Krankheit als persönliche Belastung und Impfen als individuelle Vorbeugung sieht.

Es ist zweifellos so, dass seit Corona viele Menschen zusammengerückt sind, dass es enorme Solidarität gibt, dass Rücksicht genommen wird. Aber dies gilt nicht für alle. Dass da Brüche sind, gegenläufige Erfahrungen, Problemferne und kulturelle Abgeschottetheit, Egoperspektiven mit Vorsichtsvorwand und Nichtbetroffenheitsrhetorik, viel Ignoranz auch und Trotz.

Brücken bauen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie

Dieser Sommer vor der vierten Welle ist der richtige Zeitpunkt gegenzusteuern. Über Aufrufe hinaus, sich endlich impfen zu lassen: mit Emotion und Entschiedenheit. Manche Leute entziehen sich oder leben längst zu weit weg von dem, was früher Gemeinschaft hieß.

Da muss an den Brücken gebaut werden. Nicht nur mit dem Notnagel Druck, nicht nur durch Behörden alleine. Auch innerhalb der Bürgergesellschaft, ohne Angst vor der Kontroverse, mit Vertrauen ins Argument. Impfen ist im Falle Corona auch eine soziale Selbstverständlichkeit. Um aller willen.

Richard Meng ist freier Autor und Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung,

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