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Natur in der Ukraine: Vom Ende des Ukraine-Krieges träumen

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Von: Manfred Niekisch

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Es scheint noch zu früh, den Wiederaufbau der Ukraine zu planen. Man sollte es aber auch nicht aus dem Auge verlieren. Die Kolumne.

Kiew - Fassungslos steht man vor der Brutalität, mit der Putins Krieg die Städte der Ukraine in Schutt und Asche legt, Schulen, Wohnblocks, Krankenhäuser vernichtet. Es ist offenkundig, sein todbringender Wahn richtet sich gegen die Zivilbevölkerung und ihre Infrastruktur.

Zu planen, wie das Land wieder aufgebaut werden kann, erscheint noch zu früh, kaum kalkulierbar. Allem Anschein nach zielt Wladimir Putin im Ukraine-Krieg zumindest bisher nicht auf die Zerstörung des Naturkapitals, anders als die Erfinder des Ökozids, die USA in ihrem grausamen Krieg gegen Vietnam. Dort war die Lage allerdings politisch, militärisch, sozial, ökologisch gänzlich verschieden.

Man kann ruhig einmal träumen, sich ein Ende des Wütens russischer Militärs vorstellen, endlich Frieden. Vielleicht bieten dann die intakten Natur-Landschaften der Ukraine Ansatzpunkte für einen devisenbringenden Tourismus.

Ukraine-Krieg: Ein zerbombtes Gebäude in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
Ukraine-Krieg: Ein zerbombtes Gebäude in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. © Dimitar Dilkoff/AFP

Russland: Putin setzt im Ukraine-Krieg bisher nicht auf Zerstörung von Natur

Als eines der größten Länder Europas ist die Ukraine reich an mannigfaltigen Lebensräumen, von den Küste des Schwarzen Meeres, der Pannonischen Tiefebene und den Steppen bis hin zum Dnjepr und seinen Nebenflüssen. In den Bergen des Karpatenbogens stehen 900 Quadratkilometer alter Wälder, Teil der letzten großen Urwälder Europas und von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet.

Organisationen aus Wissenschaft und Naturschutz kämpfen hier und im benachbarten Rumänien seit Jahren gegen illegalen Holzeinschlag und Korruption und für die Erhaltung der uralten Buchen und Eichen. Manche Flächen sind seit über tausend Jahren ohne menschliche Störung geblieben. Doch die Holzmafia hat ihre Fühler längst ausgestreckt nach diesen wertvollen Ressourcen, die als nobles Parkett zu enden drohen.

Die Ukraine gilt keineswegs als waldreiches Land. Im Gegenteil wird sie in der Kategorie „waldarm“ geführt. Aber das ist eine relative Betrachtung. Denn immerhin besitzt dieser (nach Russland) zweitgrößte Flächenstaat Europas eine Waldfläche, die größer ist als die polnische und fast so groß wie die deutsche.

Zerstörung im Ukraine-Krieg: Ukraine besitzt Waldflächen und kulturhistorisch interessante Städte

Die 54 Nationalparke der Ukraine haben zusammengenommen zwar eine Fläche nur anderthalbmal so groß wie die 16 Nationalparke unserer Republik, bieten aber Attraktionen für alle, die Wanderungen und Natur lieben, darunter auch kulturhistorisch interessante Stätten.

Nie und nimmer würden die Einnahmen aus einem zukünftigen Natur-Tourismus in eine dann – sehr wörtlich – in Frieden gelassene Ukraine ausreichen, um das Land wieder aufzubauen, aber es wäre zumindest ein kleiner Beitrag, wichtiger noch ein Ausdruck der Wertschätzung und Solidarität.

Zukunftsträume? In der Tat, danach sieht es derzeit bedauerlicherweise aus. Vorstellungen von und zur Nachkriegszeit stehen noch in krassem Kontrast zu einer realistischen Einschätzung der aktuellen Situation. Die Hoffnung aber soll nicht zuletzt sterben, sondern es soll die Zuversicht siegen.

Ukraine-Krieg: Zukunftsträume stehen im Kontrast zur Einschätzung der aktuellen Situation

Gastfreundschaft, Spenden, überall die Farben der ukrainischen Nationalflagge in den Ländern, die Geflüchtete aufnehmen, zeugen von Hilfsbereitschaft und Offenheit für die kriegsgequälte und geflüchtete Bevölkerung, aber auch für die Menschen, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen.

Wir werden das sicher noch eine Weile aufrechterhalten und leben müssen. Leider wahrscheinlich noch ein bisschen länger als die Krokusse sich zeigen. Die blühen übrigens auch in den Farben Gelb und Blau. (Manfred Niekisch)

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