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Den populären Archetypen eines psychisch kranken Crossdressers und Mörders, wie Moritz Eisner und Bibi Fellner ihn im jüngsten Wien-Tatort jagten, schuf Alfred Hitchcock 1960 mit „Psycho“.
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Den populären Archetypen eines psychisch kranken Crossdressers und Mörders, wie Moritz Eisner und Bibi Fellner ihn im Wien-Tatort „Die Amme“ jagten, schuf Alfred Hitchcock 1960 mit „Psycho“.

Kolumne

ARD-Tatort „Die Amme“: Transfeindlichkeit durch Framing

  • vonJoane Studnik
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Der ARD wird vorgeworfen, im Wien-Tatort „Die Amme“ Stereotypen von Transpersonen zu verwenden und falsche Zusammenhänge herzustellen. Die Kolumne.

Wien - Mehr als 8,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer haben am Sonntag den „Tatort“ aus Wien eingeschaltet, Marktanteil knapp 25 Prozent, deutlich mehr als Angela Merkel in der nachfolgenden Fragerunde mit Anne Will erreicht hat. Auch in Lockdown-Zeiten bleibt der Sonntagskrimi der ARD eine einflussreiche Institution.

Unter Tausenden Kommentaren auf der „Tatort“-Facebook-Seite hinterfragten nur wenige, wem das fiktive Wiener Ermittlerpaar Moritz Eisner und Bibi Felner hinterherjagte: einem Prostituiertenmörder und Kindesentführer in Frauenkleidern, drogenabhängig und psychisch gestört.

ARD-Tatort „Die Amme“: Archetypen eines psychisch kranken Crossdressers

Den populären Archetypen eines psychisch kranken Crossdressers und Mörders hatte Alfred Hitchcock 1960 mit seinem Meisterwerk „Psycho“ geschaffen. 2020 veröffentlichte J. K. Rowling unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith den Krimi „Böses Blut“ – einer der Verdächtigen: ein Mann, der in Frauenkleider schlüpft – um seine Verbrechen zu begehen? Rowling-Fans entgegneten dem Vorwurf, die Bestsellerautorin verbreite transfeindliche Stereotypen, mit dem Hinweis, es handle sich bei der Travestie des mutmaßlichen Täters um ein Täuschungsmanöver.

Mit dieser Argumentation könnte man die umstrittene „Tatort“-Folge „Die Amme“ rechtfertigen: Der Täter täuscht die Polizei und das Kind seines Opfers, indem er in die Rolle einer vermeintlich fürsorglichen Mutter schlüpft. Doch genau das will die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (DGTI) ARD, ORF und degeto, den Produzenten der „Tatort“-Serie, nicht durchgehen lassen.

ARD-Tatort „Die Amme“ schürt gefährliche Denkmuster

DGTI wirft den „Tatort“-Machern vor, sie befördere Transfeindlichkeit durch Framing. Zuschauende werden beeinflusst, bestimmte Denkmuster zu übernehmen, nämlich: Als männlich einsortierte Personen in einer weiblichen Rolle seien wohl psychisch krank und potenziell gefährlich und ihre zwei potenziellen Opfergruppen Frauen und Kinder.

In der Realität entstehen aus derartigen Stereotypen Hetzjagden, deren Opfer allerdings die angeblichen Täter werden. So erinnert die DGTI an eine Fahndung im Juli 2020 in Freiburg, in der die Polizei unter tosendem Medienecho einen „Mann in Frauenkleidern“ suchte, der auf einem Spielplatz Kindern nachgestellt habe, wie besorgte Eltern den Ermittlern berichteten.

Kritik am ARD-Tatort „Die Amme“ wird in den Evaluierungsprozess einfließen

Online-User beteiligten sich an der Jagd auf die Person, die sich schließlich laut Polizei als eine Transfrau „ohne kriminelle Energie“ herausstellte, die mit ihrem eigenen Kind auf dem Spielplatz unterwegs war. Immer wieder sehen sich Transpersonen auch gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. In der Fiktion sind sie als Opfer meist unsichtbar, sichtbar dagegen als bizarre Täterfantasie, die als Matrize für transphobe Übergriffe dienen könnte. Von „Volksverhetzung“ spricht die DGTI in diesem Zusammenhang.

Der ORF beschwichtigt, seine „Tatort“-Folge sei „wie auch jede andere Produktion des ORF getragen vom Respekt vor der Menschenwürde und sozialen Minderheiten“. Immerhin, so heißt es in einer knappen Antwort an die DGTI, habe man die Kritik „den Verantwortlichen im ORF (…) zur Kenntnis gebracht, wodurch diese in den internen Evaluierungsprozess einfließen“. Öffentlich diskutieren wollte das „Tatort“-Social-Media-Team lieber die Frage nach dem „Tatort“-Lieblingsspruch: „Schau ich eigentlich aus wie ein Sozialarbeiter?“ (Joane Studnik)

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