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Die Restriktionen für Gentechnik müssen bleiben, im Interesse der Zukunft und der Menschenwürde.
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Die Restriktionen für Gentechnik müssen bleiben, im Interesse der Zukunft und der Menschenwürde.

Kolumne

Tritt in den Hintern

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Die Restriktionen für Gentechnik müssen bleiben, im Interesse der Zukunft und der Menschenwürde. Die Kolumne.

Es ist eine lange Liste von Verbänden, die bei A mit „Agrar Koordination“ beginnt und bei Z mit „Zukunftsstiftung Landwirtschaft“ endet. Dazwischen finden sich nicht nur jene, die als die üblichen Verdächtigen gelten, wenn es um die Bewahrung der Zukunft der Menschheit geht, wie die Tier- und Naturschutzverbände.

Eine völlig neue Allianz, darunter Organisationen aus Ökobauernschaft und religiösen Gemeinschaften, Jugendorganisationen, die „Freien Bäcker“ und die „Freizeitreiter“, der Imkerbund, Slow Food und viele andere, hat sich zusammengefunden in einem Positionspapier, das die weiterhin strikte Regulierung der Gentechnik fordert.

Und das gerade jetzt, da dank der Gentechnik Impfstoffe entwickelt werden konnten, die uns vor Covid-19 schützen? Ein Widerspruch? Nein, das Papier passt mit seinen Forderungen genau in die Zeit. Denn gerade blasen wieder weite Kreise der Industrie sowie Gentechnik-Befürworterinnen und -Befürworter aus der Politik zum Sturm auf die strengen Beschränkungen, denen die Gentechnik bisher unterliegt.

Sie verweisen darauf, dass es ohne Gentechnik diese Impfstoffe nicht gäbe und auch nicht das Insulin zur Behandlung der Volkskrankheit Diabetes. Richtig einerseits, und doch ein falsches Argument, da sich hierbei die geltenden Restriktionen in keiner Weise als hinderlich erwiesen. Hier werden Gene nur geschickt genutzt und es wird nicht in das Erbgut von Lebewesen manipulierend eingegriffen. Deswegen sind diese medizinischen Segnungen für das Erbgut des Menschen völlig ungefährlich, auch wenn Impfgegnerinnen und -gegner sowie Demagoginnen und Demagogen das Gegenteil behaupten.

Gleichermaßen demagogisch agieren umgekehrt die Befürworter der Genmanipulation, wenn sie ihren Widersachern unterstellen, Feinde des Fortschrittes zu sein. Glauben sie allen Ernstes, dass sich mit Genmanipulationen bei Tieren und Pflanzen die größten Gebote der Zeit bewältigen lassen?

Im Gegenteil, die Evolution genmanipulativ in den Hintern zu treten, steht dem notwendigen Umbau unserer Landwirtschaft hin zu mehr Tierwohl, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit im Wege, auch der umfassenden Bekämpfung des Artensterbens und des Klimawandels.

Gentechnik birgt unabsehbare Risiken, ökologisch und sozial. Da ist der Staat mit seiner Verpflichtung zur Risikovorsorge besonders gefordert.

Die Lockerung der geltenden Bestimmungen nähme den Produzierenden wie den Verbraucherinnen und Verbrauchern zudem Transparenz und Wahlfreiheit, was die Gentechnikfreiheit landwirtschaftlicher Produkte angeht.

Höchste Aufmerksamkeit ist geboten bei der neuen Technik der Genschere. Oberflächlich Lesende könnten meinen, sie habe etwas mit unserem früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher zu tun. Weit gefehlt! Mit diesem Verfahren lassen sich gezielt Stücke aus Genen herausschneiden, zum Beispiel solche, die man als schadhaft einschätzt.

Es gibt Stimmen, die plädieren, dass dies im Kampf gegen Krebs und Erbkrankheiten Fortschritte ermöglicht. Vielleicht und irgendwann. Gutes Gen, schlechtes Gen?

Dem Missbrauch wird hier ein Scheunentor geöffnet. Mehr denn je ist es notwendig, die strikten Regulierungen für Gentechnik aufrecht zu erhalten. Im Interesse des Fortschrittes und der Menschenwürde.

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