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Durch die Importe von Soja könnten tausende Schweine einem Brand zum Opfer fallen.
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Durch die Importe von Soja könnten tausende Schweine einem Brand zum Opfer fallen.

Kolumne

Treibstoff der Massentierhaltung

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Erst die Importe von Soja ermöglichen eine Schweinehaltung, bei der Zigtausende von Tieren einem Brand zum Opfer fallen können.

Es war ein 17. April, an dem der Freibrief zur Plünderung ausgestellt wurde. Dass dessen Unterzeichnende, Isabella und Ferdinand von Kastilien, heute als royales Paar nicht mehr in der Regenbogenpresse zu finden sind, ist verständlich.

Schließlich ist es 529 Jahre her, dass sie einem gewissen Cristoforo Colombo genehmigten, eine Entdeckungsfahrt in den Atlantischen Ozean zu unternehmen. Er sollte Gold, Silber, Edelsteine und alles, was irgendwie wertvoll war, einsacken und nach Spanien mitbringen. Der Auftrag war klar, aber recht unspezifisch, denn man ahnte ja noch gar nicht, was alles zu holen sei.

Auch ahnten Kolumbus und seine Auftraggeber wohl kaum, dass sie den Auftakt zur Umweltzerstörung in den Tropen bildeten. Erst vor wenigen Jahrzehnten wurde allerdings deutlich, welch globale Folgen der Raubbau in Übersee auf Klima und Umwelt haben würde.

Inzwischen steht Europa auf Platz zwei nach China als Verursacher der Abholzung der tropischen Regenwälder, wie eine neue Studie des Worldwide Fund for Nature aufzeigt.

Das liegt vor allem an der Nachfrage und Einfuhr von Unmengen Soja, dem unerlässlichen Treibstoff für die Massentierhaltung. Dieser Futterimport ermöglicht Zustände, bei denen einem das Grausen kommt.

Es erweist sich als systemimmanentes Massaker, wenn wie vor zwei Wochen bei einem einzigen Brand über 50 000 Sauen und Ferkel qualvoll umkommen, zumal das bei weitem nicht der erste Brand ist, dem Tausende dieser intelligenten und sensiblen Tiere zum Opfer fallen.

Es greift zu kurz, wenn Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus öffentlich bekundet, er persönlich würde einen Wiederaufbau solcher Ställe nicht unterstützen. Nein, Herr Minister, Sie müssen daran arbeiten, dass derartige Haltungsformen schlichtweg verboten werden.

Wie sehr kommt der Wunsch auf, Versicherungen würden bei solchen Schäden keinen Ersatz leisten. Geld von der Versicherung gäbe es im Schadensfalle nur noch, wenn die Haltung dem Tierwohl Genüge getan hat – und das nach wissenschaftlichen Vorgaben unabhängiger Fachleute aus Verhaltensforschung und Tiermedizin. Dazu fehlt es derzeit an der rechtlichen Grundlage? Ja, dann muss diese eben geschaffen werden!

Bei strikteren Bestimmungen würden die Mastbetriebe ins Ausland abwandern, wo die Standards der Tierhaltung noch schlechter sind? Ja, es geht immer noch schlechter, aber vielleicht setzt sich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern doch die Einsicht durch, dass Fleischqualität und Tierwohl ein höheres Gut sind als Dumpingpreise beim Discounter.

Mit einer EU-weiten Gesetzgebung zur Beschränkung von Tiertransporten könnte man bei entsprechender Überwachung das Problem einer Lösung näherbringen, verbunden mit einer restriktiven Regelung der Importe von Futtermitteln aus den Tropen.

Dann würde das Schweinefleisch, das auf den Grills und in den Pfannen brutzelt, künftig wirklich aus der Region stammen. Und von Schweinen, die nicht nur kurz nach draußen durften, weil ihr Stall brennt.

Der Autor ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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