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Auch Enttäuschungen muss man manchmal in Kauf nehmen. (Symbolbild)
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Auch Enttäuschungen muss man manchmal in Kauf nehmen. (Symbolbild)

Kolumne

Trau dich, zu vertrauen!

  • Maren Urner
    VonMaren Urner
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Wo Gewissheit fehlt, müssen wir auch mal eine Enttäuschung riskieren.

Kräftig in die Pedale tretend, biete ich Kilometer um Kilometer dem Gegenwind die Stirn. Ich bin enttäuscht, wütend und traurig zugleich. Mit dem Mix aus lauter Musik und der körperlichen Anstrengung versuche ich, dem Gefühlscocktail in meinem Kopf wieder Herrin zu werden. Das einzige, was ich in diesem Moment sicher kenne, ist der Grund für den ungreifbaren Zustand, in dem ich mich befinde: Mein Vertrauen wurde enttäuscht. So beginnt mein gedanklicher Exkurs zum wohl grundlegendsten Gefühl menschlicher Beziehungen.

Es ist mehr als Gefühlsduselei oder der Stoff für mittelmäßige Seifenopern. Wie omnipräsent das Thema Vertrauen ist, offenbart ein Blick auf aktuelle gesellschaftliche Debatten. Angesichts von Fake News und Desinformation ringen Journalist:innen um das Vertrauen ihrer Leser:innen, Zuhörer:innen und Zuschauer:innen. Angesichts der Corona-Pandemie bitten politische Entscheider:innen um das Vertrauen der Bevölkerung. Angesichts wirtschaftlicher Veruntreuung hoffen Unternehmen darauf, das Vertrauen von Kund:innen nicht endgültig verspielt zu haben.

Mein Weg führt mich vorbei an einem Fluss und analog zur Frage, wo dieser wohl entspringt, begebe ich mich gedanklich auf die Suche nach dem Ursprung des Vertrauens. Ohne Anspruch auf einen sprachwissenschaftlich lupenreinen Exkurs lande ich beim Wortstamm „trauen“. Bilder vom Fünf-Meter-Turm im Freibad, von Hochzeitszeremonien, bei denen sich Menschen trauen, und von jugendlichen Mutproben sausen durch meinen Kopf. Verbunden mit den ermunternden Worten: Trau dich! Ver-trauen beginnt also beim Trauen.

In der nächsten Kurve wage ich bei meiner rudimentären Sprachanalyse einen Exkurs Richtung Gegenteil. Vorhang auf für das Miss-trauen. Es entsteht, wenn unser Vertrauen enttäuscht wurde. Ent-täuschung tritt ein, wenn wir fälschlicherweise vertraut haben und dabei die Täuschung aufgeflogen ist.

Vielleicht angeregt durch das legal erzeugte High, das sich in meinem Körper aufgrund der anhaltenden Anstrengung ausbreitet, werde ich übermütig und füge der linguistischen eine mathematische Betrachtung von Vertrauen hinzu. So ist Vertrauen doch nichts anderes als die Differenz aus Gewissheit und Unwissenheit. Wir müssen vertrauen, wenn die Gewissheit fehlt.

So lande ich wieder bei der Frage nach dem Ursprung. Zu vertrauen ist tief in uns verankert. Säuglinge suchen den Blickkontakt zu anderen Menschen und erkennen früh die Stimme der Mutter. Die Sache mit dem Ur-Vertrauen. Ergebnisse aus verhaltenspsychologischen Studien lehren uns: Wir vertrauen Menschen stärker und schneller, deren Gesichter unserem ähneln und die zu einer Gruppe gehören, der wir uns zuordnen. Evolutionsbiologisch durchaus sinnvoll.

Gleichzeitig lehren uns Forschungsergebnisse aber auch, dass unser Vertrauensverhalten veränderbar ist. Haben Menschen mit bestimmten Merkmalen sich als vertrauenswürdig erwiesen, trauen wir im Nachgang ihnen ähnlichen Menschen ebenfalls stärker über den Weg.

Miittlerweile bin ich auf dem Rückweg. Mein Zwischenfazit lautet: Vertrauen ist das Gefühl, das Menschen verbindet oder trennt. Der Wind hat gedreht und ich habe noch knapp 40 Radkilometer vor mir. Das schaffe ich! Der Gedanke bringt mich zum letzten Aspekt meiner Vertrauensreise. Aller Anfang liegt in mir selbst, meinem Selbst-Vertrauen. Es ist die ursprünglichste Form des Ur-Vertrauens, die mir erlaubt, meinen Kopf zu drehen. Zu den Menschen, denen ich Vertrauen schenke. Denen ich Vertrauen schenke, weil ich mir selbst zutraue, es erneut tun zu können.

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