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Klimawandel lässt Korallenriffe absterben: Forscher präsentieren dramatische Zahlen

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Von: Manfred Niekisch

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Die Korallenriffe in den Ozeanen sterben ab. Schuld ist vor allem der Klimawandel. Wird er nicht gestoppt, sind alle Rettungsversuche vergeblich.

Frankfurt – Eigentlich bilden sie die farbenprächtigsten Ökosysteme der Erde. Bunter als ein Korallenriff mit all seinen Bewohnern stellt sich kein anderer Lebensraum dar. Eigentlich. Doch rund ein Drittel präsentiert sich inzwischen totenbleich oder anders eintönig. Denn die Riffe sterben ab. Und die Prognosen für ihr Überleben sind zumindest düster und in vielen Fällen auch einfach schwarz.

Es sieht sehr schlecht aus um den Zustand dieser Unterwasserwelten, in denen sich geschätzte 25 Prozent aller Arten von Meereslebewesen tummeln. Steinkorallen bilden das lebendige Riff mit ihren Kalkausscheidungen. Farben und Formenvielfalt verleihen ihm besonders die Fische, Krebse, Weichtiere, Seeigel und Seesterne, die hier Zuflucht, Vermehrungsstätten, Lebensraum finden.

Weiß verblichene Korallen stehen auf einem Felsen des Great Barrier Reef vor Australien
Weiß verblichene Korallen stehen auf einem Felsen des Great Barrier Reef vor Australien. Der Klimawandel bringt das eigentlich bunte Ökosystem in Gefahr. (Archivbild) © dpa

Klimawandel sorgt für Absterben der Korallenriffe: Nie war die Sorge größer

Besonders faszinierend sind die Seeanemonen und andere Blumentiere, deren tierischer Charakter sich auf den ersten Blick kaum erschließt. Das wäre der Sollzustand. Eigentlich. Aber Überfischung und Meeresverschmutzung setzen den Riffen schon lange zu, selbst als Steinbrüche für Straßenbau und Uferbefestigungen wurden sie mancherorts genutzt.

Und nun werden sie von der Versauerung der Ozeane und vom Klimawandel mit voller Wucht getroffen, und das praktisch flächendeckend. Nie war die Sorge um sie größer und berechtigter, nie die Appelle zu ihrer Rettung dramatischer und dringender. Die jüngsten kommen vom 15. Korallenriff-Symposium, das gerade in Bremen zu Ende ging.

Die Teilnehmenden aus aller Welt präsentierten ihre Forschungsergebnisse und es bleibt kein Zweifel. Ein Drittel der Riffe ist wohl unwiederbringlich abgestorben, 40 Prozent sind in miserablem Zustand. Gerade mal einem weiteren Drittel geht es noch einigermaßen gut.

Klimawandel: Wie ist der Tod der Korallen zu stoppen?

Die vergangenen 250 Millionen Jahre sind die Korallen mit allen möglichen Veränderungen fertig geworden, doch jetzt gehen diese allzu schnell. Die Frage, wie der Korallentod zu stoppen ist, lässt sich knapp und treffend beantworten: Klimawandel stoppen. Anders gesagt: Wenn das nicht bald gelingt, dürften die Riffe keine Chance haben. Dann bleiben die kreativen und verzweifelten Versuche von Zucht und Wiederansiedlung vergebene Forschermüh.

Bei all der atemberaubenden Schönheit müsste es eigentlich überflüssig sein, zu erklären, warum Korallenriffe so wesentlich sind für den Küstenschutz, für die lokale Fischerei, den Artenschutz, den Tourismus. Doch zu viele sind die Gleichgültigen und die politischen Entscheidungsträger, die das nicht zu würdigen wissen. Oder denen das schlichtweg egal ist.

Ähnlich kennen wir das Phänomen von den tropischen Wäldern. Auch da spielen deren Schönheit und Ästhetik keine Rolle in den Argumenten zum Schutz, sondern wenn überhaupt geht es um die Frage wie, warum, wozu sie nützlich sind.

Klimawandel und Korallensterben: Ökosysteme erhalten, weil sie da sind

Wann kommen wir einmal dahin, nicht alles utilitaristisch zu sehen, nicht nur zu fragen, wozu es gut ist? Kann man natürliche Ökosysteme nicht einfach nur deswegen schätzen, schützen und erhalten, weil sie da sind, weil sie zu unserer Erde gehören? Das wäre ein Riesenschritt in Richtung weiser Erkenntnis des Homo sapiens. Eigentlich.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

Auch an anderer Stelle sorgt die Erderwärmung für dramatische Veränderungen: Bei ihrem Besuch in Palau machte Annalena Baerbock auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam.

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